Gastbeitrag – In ganz Europa verändern sich die Orte, die wir Zuhause nennen. Für die Menschen wird es schwierig, Wohnraum zu finden, den sie sich leisten können. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf unseren Alltag und neue Technologien verändern grundlegend die Art, wie wir leben, arbeiten und lernen. In Zeiten wie diesen ist es selbstverständlich, dass sich die Menschen fragen: Wird sich meine Nachbarschaft auch morgen noch wie ein Zuhause anfühlen? Werden meine Kinder oder Enkelkinder an einem Ort leben, an dem sie sich sicher fühlen?
Diese Fragen stehen beim Neuen Europäischen Bauhaus im Mittelpunkt. Die Initiative wurde ins Leben gerufen, um Menschen, Gemeinschaften und Unternehmen bei der Gestaltung einer Zukunft zu helfen, in der sie sich wiederfinden, einer nachhaltigen und inklusiven Zukunft mit einer hohen Lebensqualität. Was vor fünf Jahren als Idee begann, ist heute eine Bewegung mit fast 2000 Organisationen und mehr als 700 Projekten in ganz Europa und darüber hinaus, angetrieben von Menschen, die zeigen, dass wir den Wandel gemeinsam gestalten können.
Aus der Vorstellungskraft der Menschen und innovativer Unternehmen erwächst bereits heute in ganz Europa die Zukunft unserer Städte. In Luxemburg wird Bauschutt im 3D-Drucker zu Baumaterial für neue Gebäude. In Spanien stellen junge Unternehmerinnen nachhaltiges Verpackungsmaterial aus Orangenschalen her. In Deutschland entwarfen und bauten Studierende gemeinsam von der ersten Skizze bis zum letzten Nagel ihr Wohnheim aus nachhaltigen Materialien. In Griechenland schließlich wird im Rahmen eines Projekts eine Bergschule aus dem Jahr 1955 umgewidmet, um traditionelle Restaurierungstechniken zu unterrichten.
An diesen Projekten wird deutlich, welche Kreativität, in ganz Europa bereits vorhanden ist und genutzt wird. Alle gemeinsam lassen sie erkennen, dass es in Europa nicht an Innovationen mangelt. Jetzt ist es an der Zeit, auf diesen Grundlagen aufzubauen und größer zu denken. Wir haben vorgeschlagen, das Neue Europäische Bauhaus als Teil der Strategie der Kommission für erschwinglichen Wohnraum auszuweiten. Unsere Ziele sind einfach: Wir wollen diese Ideen weiter verbreiten, schneller in größerem Maßstab umsetzen und die Gemeinschaften erreichen, die sie am dringendsten benötigen.
Wir wollen, dass die Bewegung des Neuen Europäischen Bauhauses wächst und sich dabei vorrangig auf drei Aspekte konzentriert: die Förderung von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Innovation an den Orten, an denen wir bauen, renovieren und umwidmen. Wir werden das vorhandene Instrumentarium erweitern, um insbesondere dort, wo der Bedarf an erschwinglichen und nachhaltigen Wohnungen am höchsten ist, in größerem Maßstab tätig zu werden und unseren Lebensraum an den Klimawandel anzupassen. So müssen wir beispielsweise die Infrastruktur in den Städten überdenken und neu gestalten, da extreme Wetterereignisse wie Schneestürme und Überschwemmungen, aber auch Dürren aufgrund der drastischen Änderungen der Wettermuster zunehmen. Wir müssen unsere Lebensweise und unsere künftigen Wohnungen so anpassen, dass unsere Wohnviertel und unsere Gemeinschaften in ganz Europa widerstandsfähiger werden.
Gastbeitrag von Jessika Roswall, Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft der Europäischen Union