8. August 2022

Die Wohnung als Rückzugsort und Büro

Ausgezeichnete Abschlussarbeit: Jaqueline Statnik analysiert Anforderungen an Wohnstrukturen

Jaqueline Statnik hat für Ihre Masterarbeit „Zwischen Raum – Wohnen und Arbeiten“ am Fachbereich Architektur der FH Münster den Hochschulpreis erhalten. (Foto: FH Münster/Katharina Kipp)

Münster (pm) – Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten viele Menschen verstärkt im Homeoffice. Damit haben sich Funktion und Bedeutung der heimischen Wohnung verändert: Sie ist nicht mehr nur Rückzugsort, sondern auch Büro. Welche Anforderungen konkret an die Wohnstruktur bestehen, wie sich unterschiedliche Bedürfnisse integrieren lassen und welche Herausforderungen zu bewältigen sind, hat Jaqueline Statnik in ihrer Masterarbeit am Fachbereich Architektur der FH Münster, der Münster School of Architecture (MSA), analysiert. Dafür wurde sie jetzt mit dem Hochschulpreis ausgezeichnet – und zählt damit zu einem Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs, die den Preis erhalten.

„Laut arbeitspsychologischer Theorien benötigt nicht jeder Mensch eine klare Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten“, sagt Statnik. Während manche großen Wert auf ein separates Arbeitszimmer legen, haben andere keine Probleme damit, vom Küchentisch oder Wohnzimmer aus zu arbeiten. „Das hat natürlich Konsequenzen für die Wohnstruktur.“ Vier Anforderungen hat die FH-Absolventin identifiziert: Flexibilität im Grundriss, Differenzierung – als Möglichkeit, räumliche Grenzen zu platzieren oder einzuhalten –, Aneignung – eine Wohnung nach den individuellen Bedürfnissen zu nutzen–, und Infrastruktur – es ist möglich, Arbeit aus der Wohnung auszugliedern, um Austausch und Abschalten zu gewährleisten.

Basierend auf diesen theoretischen Annahmen hat Statnik acht Wohnungstypen in verschiedenen Größen entwickelt – für Singles, Paare und Familien. Alle Grundrisse eint, dass Zwischenräume und Pufferzonen entstanden sind. „In den Entwürfen ist das Badezimmer meistens der einzig richtig geschlossene Raum. Alle anderen Räume sind offen, Trennmodule sorgen aber für Abgrenzung.“ Besonders wichtig sei, dass durch diese Grundrissstrukturen sowohl Trennung als auch Integration möglich ist, um so auf individuelle Bedürfnisse reagieren zu können. Daneben ist es möglich, in der Wohnung zwischen zwei Rollen zu wechseln: dem privaten Ich und dem beruflichen Ich. „Wo der Platz nicht ausreicht, zum Beispiel in einem WG-Zimmer, hilft es, bestimmte Praktiken zu entwickeln“, rät Statnik. Hilfreich sei zum Beispiel, ein festes Ritual zu haben – etwa den Spaziergang nach Feierabend oder das Wegräumen des Notebooks bei Dienstschluss.

Statnik selbst hat unmittelbar nach ihrem Hochschulabschluss einen Job bei einem Münsteraner Architekturbüro gefunden.

Zum Thema: Gerade einmal ein Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs erhält ihn: den Hochschulpreis. Jedes Jahr kürt das Präsidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preisträger*innen des Hochschulpreises für die besten Arbeiten aus 2021 gehört auch Jaqueline Statnik vom Fachbereich Architektur, der Münster School of Architecture (MSA). Eine vollständige Übersicht aller gewürdigten Absolvent*innen ist im Jahresbericht ab Seite 41 abrufbar: https://fh.ms/jb-2021

Pressemitteilung: FH Münster