15. August 2022

Die Kraft der Architektur: Florian Nagler wird mit dem Semperpreis 2022 der Sächsischen Akademie der Künste ausgezeichnet

Florian Nagler © Johanna Nagler

Dresden (pm) – Die Sächsische Akademie der Künste verleiht den Semperpreis 2022 an den Münchner Architekten Florian Nagler. Mit der Verleihung des Preises verbindet die Sächsische Akademie der Künste die Aufgabe, auf zukunftsweisende Lösungen hinzuweisen, die den Zusammenhang von Baukunst und Umwelt in einer Synthese von Ästhetik, Ökologie und sozialer Verantwortung herausstellen.

Mit Florian Nagler präsentiert die Akademie einen Architekten, der sich in seiner Arbeit den Anforderungen des zeitgemäßen, nachhaltigen Entwerfens und Bauens praktisch und theoretisch widmet. Nagler ist dabei gleichermaßen dem künstlerischen und wissenschaftlichen Anspruch verpflichtet. Auf die Frage, was heute umweltgerechtes Bauen bedeutet, sucht Florian Nagler mit architektonischen Mitteln nach Lösungen. Seine konstruktive Konsequenz und die Präzision seiner Materialkonzepte sind damit Teil der Architektur als Ganzem. Florian Naglers Verständnis von Gestaltung ist umfassend im Sinne der „Welt als Entwurf“ und damit beispielgebend für eine nachhaltige und baukünstlerisch wegweisende Architektur.

Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2022 im Oktogon der Hochschule für Bildende Künste Dresden statt. Am Nachmittag laden wir Sie zum Pressegespräch mit dem Preisträger und Mitgliedern der Jury ein. Weitere Informationen dazu erhalten Sie zu gegebener Zeit.

Jurybegründung

Der Architekt Florian Nagler aus München erhält den Semperpreis 2022 der Sächsischen Akademie der Künste. Konzise Formensprache und bewusster Materialeinsatz bestimmen seine Architektur, die sich überzeugend aus gestalterischer Einfachheit und moderner Übersetzung von Bautradition entwickelt. Mit den Bauten Naglers entstehen wegweisende Beiträge zur gebauten Umwelt, die Nachhaltigkeit zugleich materiell und gesellschaftlich verfolgen. Bemerkenswert ist die unprätentiöse Haltung, die sich in seinen Bauten widerspiegelt, die Gestaltung in Reduktion und die Konsequenz von Form, Material und Fügung.

Bereits seine frühen Projekte im ländlichen Raum sind von Holzkonstruktionen geprägt und als zeitgemäße Definition des Bauens in der Region zu verstehen. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Florian Nagler mit der Materialität im Sinne gestalterischen Erforschens und Experimentierens bei einer Vielfalt von Bauaufgaben, sowohl in ländlichen und urbanen Kontexten als auch bei verschiedenen Typologien vom kleinen Atelierhaus bis zum Geschossbau für Wohnen und Arbeiten. Wenn es von K.F. Schinkel heißt, er könne nicht einmal einen Kuhstall bauen, ohne seine Ideale zu verwirklichen, gilt dies auch für Florian Nagler, indem er sich dieser profanen Typologie architektonisch widmet und die Bauaufgabe mit hoher Angemessenheit und Genauigkeit neu bestimmt.

Eine eindrucksvolle Intervention in historischem Bestand realisierte Florian Nagler beim Wiederaufbau der St. Martha Kirche in Nürnberg. Mit seinem Konzept für eine neue Dachkonstruktion und für die Innenausstattung bezieht er sich gleichermaßen auf die filigrane Konstruktion der Gotik wie auf ihre Ornamentik, indem er ein kongeniales Holz-Flechtwerk als hölzerne Netzstruktur entwickelte. Seitenflügel, Empore und Dach in innovativer Holzbauweise sind der steinernen Kirche subtil eingefügt, sie nehmen sich gestalterisch zurück und verweisen durch die Materialdifferenz zugleich auf die nachträgliche Ergänzung.

Eines seiner jüngsten Projekte ist die architektonische Untersuchung des Einfachen Bauens in dem Nebeneinander von drei Forschungshäusern in Bad Aibling, die in monolithischer Bauweise jeweils in Massivholz, Mauerwerk und Leichtbeton entwickelt wurden. Bei gleicher Grundform variieren gestalterische Entscheidungen materialadäquat wie Raumabschlüsse, Öffnungen für Fenster und Türen sowie Fassadendetails. Florian Nagler ist gleichermaßen dem künstlerischen und wissenschaftlichen Anspruch verpflichtet, er macht seine Gestaltungsentscheidungen am Werk nachvollziehbar und belegt sie auch theoretisch.

Als Professor für Entwerfen und Konstruieren an der Technischen Universität München verfolgt er die zentralen Fragen an die Architektur, wie mit vorwiegend baulichen Mitteln und möglichst geringem Einsatz von Technik ein angenehmes Raumklima erzeugt werden kann. Er widmet sich in seiner architektonischen Arbeit den Anforderungen des zeitgemäßen, nachhaltigen Entwerfens und Bauens. Die konstruktive Konsequenz und die Präzision der Materialkonzepte sind damit Teil der Architektur als Ganzem. Florian Naglers Verständnis von Gestaltung ist umfassend im Sinne der „Welt als Entwurf“.

Kuratorium

Wolfgang Holler, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste

Annette Menting, Mitglied der Klasse Baukunst, Architekturhistorikerin und Architekturkritikerin Leipzig

Ivan Reimann, Mitglied der Klasse Baukunst, Architekt Berlin

Findungskommission

Annette Menting, Mitglied der Klasse Baukunst, Architekturhistorikerin und Architekturkritikerin Leipzig

Ivan Reimann, Mitglied der Klasse Baukunst, Architektin Leipzig

Christoph Ingenhoven, Preisträger des Semperpreises 2019, Architekt Düsseldorf

Der Preisträger

Florian Nagler, 1967 in München geboren, 1987 Studium in den Fächern Kunstgeschichte und Bayerische Geschichte in München, 1987– 89 Zimmermannslehre, 1989 – 94 Architekturstudium an der Universität Kaiserslautern, 1994–97 Freie Mitarbeit im Büro Mahler, Gumpp, Schuster, 1996 Gründung des eigenen Büros, seit 2001 zusammen mit Barbara Nagler, 2000–06 Gastprofessuren an der Universtät Wuppertal,  an der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen und an der Hochschule für Technik Stuttgart, 2005 –18 Mitglied in den Gestaltungsbeiräten der Städte Bregenz, Ingolstadt und Landshut, seit 2010 Mitglied der Akademie der Künste Berlin, seit 2010 Professur für Entwerfen und Konstruieren an der TU München, seit 2014 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 2021 Mitglied im Vorstand des bayerischen Landesvereins für Heimatpflege

 

Bauten (Auswahl)

2003 Das Datenwerk, München-Riem

2005 Kirchenzentrum der katholischen und evangelischen Kirche, München-Riem

2005 Firmensitz BASS GmbH, Niederstetten

2005 FHS Weihenstephan in Freising, Neubau an der Pappelallee

2007 Kuhstall, Thankirchen

2009 Besuchergebäude KZ-Gedenkstätte Dachau

2010 Office Replacement, Mannheim

2011 Umbau und Erweiterung Tannerhof Bayrischzell

2013 Kultur+Kongress Forum, Altötting

2014 Atelier Werkstatt und Lager, Gleißenberg

2015 Schmuttertal-Gymnasium, Diedorf (mit Hermann Kaufmann)

2017 Umbau Hofgut Karpfsee

2018 Eingang Freilichtmuseum Glentleiten

2018 Dienstleistungszentrum Lenting

2018 „Treffpunkt Tower“, Würzburg

2018 Wiederaufbau der Kirche St. Martha, Nürnberg

2019 Lindenturm, Schwäbisch Gmünd, beim Architekturprojekt „16 Stationen“ im Remstal

2020 Forschungshäuser Bad Aibling (mit TU München)

2020 „Einfach Wohnen“, vier Wohnhäuser in Puchheim

Preise/Ehrungen (Auswahl)

2009 Deutscher Holzbaupreis

2010 BDA Preis Bayern Bauen für die Gemeinschaft sowie Sonderpreis für soziales Engagement

2011 Deutscher Architekturpreis, Auszeichnung, für das Besucherzentrum KZ-Gedenkstätte Dachau

2012 Wessobrunner Architekturpreis 2012 für das Besucherzentrum KZ-Gedenkstätte Dachau 2013 Architekturpreis „Nike“ in der Kategorie „Komposition“ für den Tannerhof, Bayrischzell

2015 Deutscher Holzbaupreis, Kategorie „Neubau“ für das Kultur+Kongress Forum, Altötting

2016 DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“ für das Schmuttertal-Gymnasium, Diedorf

2017 Deutscher Architekturpreis für das Schmuttertal-Gymnasium, Diedorf

2018 Deutscher Bauherrenpreis für Wohnen am Dantebad, München

2019 BDA-Preis Bayern für Wohnen am Dantebad, München

2021 Deutscher Holzbaupreis, Kategorie „Bauen im Bestand“ für Wiederaufbau der Kirche St. Martha in Nürnberg

2022 Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur „Einfach Bauen“ Bad Aibling

 

Pressemitteilung: SÄCHSISCHE AKADEMIE DER KÜNSTE