21. September 2021

Die Gewinner des Foundation Award 2021

In diesem Jahr hat das Zürcher Büro Comte Meuwly den Foundation Award, Förderpreis für Schweizer Jungarchitekten, erhalten. Auf dem zweiten Platz ist das Team Solanellas Van Noten Meister aus Zürich und den dritten Platz belegt Saikal Zhunushova von Oekofacta aus Winterthur.

Adrien Comte und Adrien Meuwly © Comte/Meuwly

Münchenstein (pm) – Seit 2010 zeichnet der Preis Schweizer Architekturbüros aus, die nicht älter als vier Jahre sind. Er versteht Architektur als Dienst an der Gesellschaft und prämiert darum nicht bloß das gebaute Werk, sondern die Haltung eines Büros. Mehr als Bauen: Das kann ein eigeninitiatives Projekt sein, ein moderierter Aneignungsprozess, ein Engagement für gute Baukultur, eine interdisziplinäre Arbeitsweise. Dennoch geht es nicht um gute Absichten allein, sondern um sichtbare Resultate, die eine starke Haltung auf den Boden der Realität bringen.

Diese drei Büros haben die Jury beeindruckt und wurden ausgezeichnet:

Industrielle Allesgestalter
1. Preis: Comte Meuwly, Zürich

Comte/Meuwly, Zürich, Daily Life Love

„Daily Life Love“ heißt ein Langzeitprojekt der zwei in Zürich gestrandeten Romands Adrien Comte und Adrien Meuwly. Fotografisch sammeln sie räumliche Situationen und eigenwillige Momente der gebauten Welt. Der Alltag und die namenlose Architektur interessieren sie mehr als Bauikonen. Diese Offenheit und das Interesse an industriellen Materialien haben die Jury fasziniert. Und außerdem das breite Schaffen: Hier das vorfabrizierte Holzhäuschen am Genfer Stadtrand, erweitert mit einer leichtfüßigen Längsstruktur. Da die Kunstintervention, die den Mistelbaum als metallisches Dreibein interpretiert. Dort das Vordach über einer Altbautür im Steingewand, reduziert auf ein filigranes Messingblech mit Spannseil. Hier der bewachsene Gartenkiosk mit Spiegeleffekten, da die im Wind flatternden Segel einer Buvette. Und dann sind da noch Lampen und Möbel. In einer Zeit, in der viele nach historischen Bezügen und lieblicher Farbigkeit suchen, ist diese minimalistische Härte und Leichtigkeit überraschend und frisch.
www.comtemeuwly.com

Handwerkliche Theoretiker
2. Preis: Solanellas Van Noten Meister, Zürich

Solanellas Van Noten Meister, Zürich. Residenz Brigerberg

Kopf und Hand. Unterrichten, Bauen und Machen. Um diese Begriffe kreisen das Denken und Handeln des Büros Solanellas Van Noten Meister aus Zürich, bestehend aus Angel Solanellas Terés, Camiel Van Noten und Marianne Meister, die aus drei verschiedenen Ländern stammen und in Antwerpen an einem Workshop zusammenfanden. Sie alle reflektieren, forschen, publizieren und unterrichten Architektur. Das Gebaute ist klein aber fein. Besonders angetan hat es der Jury ein Musikatelier in Winterthur, das als winziges Haus mit Steildach in einem Privatgarten steht. Das Kleid aus 1650 Keramikziegeln in 21 Blautönen ist ein Unikat. Im Atelier Kōbō, einem Workspace für Künstler, Designer und Handwerker, machen sie Materialrecherchen und selbstgebaute Möbel. Hier zeichnen sie ihre Projekte. Und hier kommen Kopf und Hand zusammen.
www.svnm.eu

Naturbewusste Brückenbauerin
3. Preis: Oekofacta, Winterthur

OEKOFACTA GmbH, Winterthur, Umbau eines Flarzteils

Die in Kirgisistan ausgebildete Architektin Saikal Zhunushova stellt Mensch und Umwelt ins Zentrum. Ihre Architektur ist geprägt von natürlichen Baustoffen und vom passiven und solaren Bauen. Mit diesen Mitteln gibt sie einem Oberländer Flarzhaus von 1832 ein zweites Leben. Das neue Herz ist ein Speicherofen. Der Boden und die Fensterbank aus kräftigen Schiefersteinen wirken als passive Radiatoren. Sie sind trocken verlegt und damit so atmungsaktiv wie die lehmverputzen Holzbauwände. Und die Familie mit zwei Kindern packte fleißig mit an. Diese bodenständige Haltung hat die Jury überzeugt. Vor allem aber gelingt es der Architektin, ihr Heimatland und die Schweiz in beide Richtungen zu verbinden. Das traditionelle Holzgerüst einer Jute ließ sie von kirgisischen Familien produzieren und stellte es hierzulande als Gartenpavillon auf. Den Slow-Fashion-Mantel aus 100 Prozent Wolle webt der Betrieb ihrer Mutter. Und dann geht die Architektin regelmäßig zurück in die Hauptstadt Bishek, organisiert Workshops und Seminare und holt Schweizer Fachplaner für energiesparende Bauprojekte ins Boot.
www.oekofacta.com

Der Preis für Jungarchitekten
Der Foundation Award zeichnet drei junge Architekturbüros aus. Ihre Gründung darf nicht länger als vier Jahre zurückliegen. Der einzige Schweizer Architektur-Förderpreis will ein Schlaglicht auf die herausfordernde Situation werfen, in der sich junge Büros in der Schweiz befinden und sie entsprechend unterstützen. Die Erstplatzierten bekommen eine moderne IT-Infrastruktur und viel Publizität im Gesamtwert von über 17’000 Franken. Das Büro erhält einen Grossformatdrucker von Hewlett Packard, ein von art-tv.ch produziertes Filmportrait, ein Büroprofil während dreier Jahre auf swiss-architects.com, ein Jahresabonnement des Hochparterre sowie eine Lizenz des CAD Vectorworks Architektur mit Renderworks inkl. Schulung und Service Select Support. Das Büro auf dem 2. Rang erhält 4000 Franken, jenes auf dem 3. Rang 3000 Franken.

Der Preis ist fester Bestandteil im Kalender junger Architektinnen und Architekten. In den elf Jahren seines Bestehens hat der Preis zahlreichen Büros geholfen, ihren Platz in der Schweizer Architekturlandschaft einzunehmen. Die Jury beurteilt neben dem eingereichten Projekt auch das Büroprofil der Teilnehmer mit ihrem Anliegen, ihrem Businessplan und ihren Wertvorstellungen.

In der Jury sitzen Elias Baumgarten (Chefredaktion swiss-architects.com), Palle Petersen (Redaktor Hochparterre), Andreas Ruby (Direktor Schweizerisches Architekturmuseum), Annette Spiro (Architektin und Professorin ETH Zürich), Selina Walder (Architektin bei Nickisch Walder, Flims), Scott Lloyd (Architekt bei T E N, Zürich – Gewinnerbüro 2020).

Den Foundation Award gibt es seit 2010. Die Trägerschaft des Awards bilden der Software-Distributor ComputerWorks, die Architektenplattform swiss-architects.com, der Schweizer Online-Kultursender art-tv.ch, der Hardwarehersteller HP Schweiz, das S AM Schweizerisches Architekturmuseum, die Messe Swissbau und das Architekturmagazin Hochparterre.
www.foundation-award.ch

Pressemitteilung: ComputerWorks AG