27. Februar 2026

Die Betonkünstler

Hier wurde das nahezu Unmögliche möglich gemacht: Die zwölf Meter große Kugel aus Beton und Glas scheint der Schwerkraft zu trotzen. Die "Oscar-Niemeyer-Sphere" auf dem Gelände der Leipziger Kirow Werke ist der geniale Entwurf des Stararchitekten Oscar Niemeyer und wurde von dechant hoch- und ingenieurbau realisiert. Foto: dechant

Weismain (pm) – Vor 25 Jahren legte die Familie Dechant den Grundstein für die dechant hoch- und ingenieurbau gmbh in Weismain. Heute gehört das oberfränkische Familienunternehmen zu den führenden Herstellern für Sichtbeton und steht für Renommierprojekte wie die Oscar-Niemeyer-Sphere in Leipzig, die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin oder den Bau von Terminal 3 am Frankfurter Flughafen.

Es sieht so aus, als hätte ein Raumschiff aus einer fernen Galaxie an der oberen Ecke eines historischen Backsteingebäudes angedockt. Die zwölf Meter große Kugel aus Beton und Glas scheint der Schwerkraft zu trotzen. Das futuristische Bauwerk trägt den Namen „Oscar-Niemeyer-Sphere“ und befindet sich auf dem Gelände der Leipziger Kirow Werke. Über zwei Stockwerke bietet es Raum für ein firmeneigenes Restaurant.

Der innovative Bau ist Ergebnis des Zusammenwirkens von Künstlern und Kunstkennern: Dem seinerzeit bereits 103-jährigen brasilianischen Jahrhundert-Architekten Oscar Niemeyer, dem kunstaffinen Unternehmer Ludwig Koehnen und nicht zuletzt dem ausführenden Bauunternehmen dechant. Im Team mit den Experten des Unternehmens ist es gelungen, das eigentlich Unmögliche möglich zu machen: den Bau einer nahezu freischwebenden, kugelförmigen Skulptur mit doppelt geschwungenen Bauteilen und den Niemeyer-typischen Freiformkurven aus schneeweißem und hochglattem Beton. Peter Dechant, Geschäftsführer der dechant hoch- und ingenieurbau gmbh, wird später sagen: „Das war das Projekt meines Lebens.“

Die Oscar-Niemeyer-Sphere ist eines von zahlreichen ikonischen Bauwerken, die das Unternehmen dechant realisiert hat. dechant mit Sitz im oberfränkischen Weismain gehört zu den größten Unternehmen für Hoch- und Ingenieurbau in Deutschland und gilt als der Experte für Sichtbeton.

Doch zurück zum Anfang. Das Jahr 2000 bedeutete nicht nur kalendarisch, sondern auch in der Historie des Unternehmens eine Zeitenwende. Nach der Insolvenz des 1881 gegründeten, namhaften Familienbetriebs Dechant Bau steht die Familie Dechant vor der Frage „Wie weiter?“. Der damals 35-jährige Diplom-Ingenieur für Bauingenieurwesen, Schweißfachingenieur, Fachmann für IT und dreifacher Familienvater Peter Dechant muss sich entscheiden, ob er das Familienunternehmen in fünfter Generation wieder aufleben lassen möchte. Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas Dechant und mit Unterstützung seines Vaters Alois Dechant entscheidet er sich dafür. „Ausschlaggebend war das Verantwortungsgefühl für unsere Familie, aber auch für die noch rund zehn verbliebenen Mitarbeiter und deren Angehörige“, so Peter Dechant. Er gründet ein neues Unternehmen: die dechant hoch- und ingenieurbau gmbh, deren Geschäftsführung er übernimmt.

Die beiden Brüder kehren die Trümmer des Betriebs zusammen, besinnen sich auf ihre Grundwerte – Fleiß, über 120 Jahre Erfahrung in Hoch- und Tiefbau, Qualität, Offenheit und Transparenz – krempeln die Ärmel hoch und fangen noch einmal ganz von vorne an. Und das mit einem Renommierprojekt: dem Neubau des Theaters Erfurt im Stadtteil Brühl. Für die moderne Architektur zeichnet das Büro Professor Jörg Friedrich & Partner aus Hamburg verantwortlich.

Das Theatergebäude besteht aus zwei Untergeschossen, einem Erdgeschoss und vier Obergeschossen. Theater- und Werkstattgebäude werden durch einen acht Meter breiten Tunnel im ersten Untergeschoss verbunden. Den höchsten Punkt des Baus bildet der Bühnenturm, der sich circa 24 Meter über dem Gelände erhebt. Ein millionenschweres Bauprojekt. Peter Dechant, der zu dieser Zeit weder über ausreichend Mitarbeitende noch über Maschinen verfügt, fährt mit einem Laptop nach Erfurt und akquiriert Arbeitskräfte; die nötigen schweren Gerätschaften leiht er sich aus. Am 12. September 2003 erleben mehr als 800 Gäste die glanzvolle Eröffnung des bedeutendsten Theaterneubaus in den neuen Bundesländern und eine der modernsten Spielstätten Europas mit der Uraufführung der Oper „Luther“ von Peter Aderhold. Peter Dechant ist dabei. Und er weiß jetzt, dass es sein Unternehmen schaffen kann.

25 Jahre sind seitdem vergangenen. dechant hat in dieser Zeit rund 1.800 Bauprojekte realisiert. Das gesamte Auftragsvolumen beträgt circa 2,66 Milliarden Euro. Darunter staatliche und kommunale Bauvorhaben, Industriebauten und Wohnanlagen, kleinere Projekte, aber auch Großbauten. Zahlreiche Bauten mit internationaler Strahlkraft sind dabei: dechant zeichnet für die komplexen Sanierungsarbeiten an der von Architektenlegende Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie in Berlin verantwortlich. Der Bau der modernen Radrennbahn im Erfurter Andreasried wurde ebenfalls von dechant realisiert sowie das Galileo Kontrollzentrum, Herzstück des gesamten Galileo-Satellitensystems in Oberpfaffenhofen mit elliptischen Grundrissen über neun Meter Höhe. Beim Richtfest des Ernst Basler Forums in Berlin, einem hoch anspruchsvollen Sichtbetonbauwerk, loben die Bauherrn: „Die Mitarbeiter der Firma dechant sind keine Handwerker, sie sind Betonkünstler.“

Für eines der prestigeträchtigsten Megaprojekte Europas, den Bau des neuen Terminals 3 am Frankfurter Flughafen, hat dechant den Rohbau des Hauptgebäudes sowie die terminalnahen Außenanlagen realisiert. In den Verantwortungsbereich von dechant fielen hier etwa 20 Gewerke -darunter der Stahlbetonbau, der Stahlverbundbau, Kanalarbeiten, Erdbau, Außenanlagen sowie Blitzschutz und vieles mehr. Zwischen 150 und 500 Mitarbeitende aus der ganzen Welt waren für dechant auf der Baustelle im Einsatz. Rund 270.000 Kubikmeter Beton und 50.000 Tonnen Betonstahl sind in den gigantischen Rohbau geflossen. Das entspricht in etwa der Menge Stahl von sieben Eiffeltürmen.

Eine Stärke von dechant ist die enorme Produktionstiefe – von der Projektentwicklung bis hin zum schlüsselfertigen Bau. Dabei setzt dechant auf Innovationskraft in allen Bereichen. Beispielgebend dafür sind die Verbindung von digitalen Technologien wie BIM (Building Information Modeling) und traditionellem Handwerk oder der Einsatz von nachhaltigem, CO2-reduzierten Beton oder Carbonbeton. Daher lautet die Devise des Bauunternehmens auch „Bauhandwerk in Bestform“.

Die Geschäftsführung navigiert das Unternehmen mit Umsicht. Trotz zweistelliger Zuwächse im Umsatz plant sie kein Wachstum um jeden Preis. „Wir bleiben ein kleines, feines, mittelständisches Unternehmen mit flachen Strukturen. Flexibel und zuverlässig.“ Wichtig ist der Geschäftsleitung, dass sich die mittlerweile 554 Mitarbeitenden wohlfühlen. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen jeden Tag gerne und motiviert zur Arbeit kommen. Das ist die Basis unseres Erfolgs und Voraussetzung dafür, dass wir Projekte realisieren können, die vielleicht zunächst unmöglich erscheinen.“

Quelle: dechant