7. Dezember 2021

DHBW Lörrach – neuer dualer Studiengang Architektur

Prof. Dr. Sproll (li.) und Frank Hovenbitzer informieren über den neuen Studiengang (c) Carolin Salfner / DHBW Lörrach

Lörrach (pm) – Im Herbst 2022 soll an der DHBW Lörrach der neue Studiengang Architektur starten – und damit das in dieser Form bundesweit erste Architekturstudium im dualen System. DHBW-Rektor Prof. Dr. Theodor Sproll und Architekt und Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten, Frank Hovenbitzer, informierten in einem Mediengespräch über Inhalte und den Planungsstand.

Bereits 2019 entstand in den lokalen Architektenverbänden die Idee, in Kooperation mit der DHBW Lörrach ein neuartiges Architekturstudium zu etablieren und damit eine konkrete und lösungsorientierte Antwort auf den bereits seit Jahren bestehenden Nachwuchskräftemangel zu finden. Inzwischen sind die Planungen und das Akkreditierungsverfahren für den neuen Studiengang so weit fortgeschritten, dass sich sowohl die Hochschulleitung als auch die Architektenverbände, Bund Deutscher Architekten, BDA Hochrhein, und Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Lörrach, zuversichtlich für einen Start zum Wintersemester 2022 zeigen.

Einen „dualen Fit“ nannte Prof. Dr. Theodor Sproll, Rektor der DHBW Lörrach, die durch diesen neuen Studiengang entstehende Win-Win-Situation: Durch das duale Studium mit Theorie und Praxis im Wechsel entstünde ein neuartiges, zeitgemäßes Studienmodell für das Berufsbild Architektur. Außerdem spiele Architektur im Dreiländereck eine tragende Rolle und habe durch einschlägige Bauwerke und den Stammsitz weltweit führender Designkonzerne schon lange große Bedeutung in der Region. Gleichzeitig trage die DHBW damit einmal mehr zur Lösung des eklatanten Fachkräftemangels in der Region bei und würde hier ein neues Alleinstellungsmerkmal etablieren, das junge Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus anziehen könnte.
Bereits zehn Interessensbekundungen durch konkrete Letter of Intents seien in der Hochschule von Kommunen, öffentlichen Institutionen, aber auch von Unternehmen an der DHBW eingegangen, ebenso wie eine Hand voll Nachfragen von jungen Menschen, die sich für das Architektur-Studium an der DHBW interessierten. Und das bereits, bevor die konkrete Akquise für Unternehmen und Institutionen als Duale Partner begonnen habe.

Dies erfreut auch Frank Hovenbitzer, überrascht ihn jedoch nicht: „In einer Distanz von 200 km Luftlinie von Lörrach aus betrachtet, gibt es diesseits der Grenze keinen Studienstandort für Architektur“, so Hovenbitzer. Bisher könne man etwa nur in Karlsruhe, Stuttgart oder Konstanz studieren. Meist blieben die Absolvent*innen dann in dieser Region. „Ein duales Studienmodell – und vor allem ein akkreditiertes und europaweit anerkanntes – Studienmodell der Architektur gibt es meines Wissens nach nicht“, ergänzt er. Zwar habe die FH Mainz im Studiengang Architektur auch einen Schwerpunkt mit Praxisorientierung, jedoch nicht vergleichbar mit dem dualen Studium, das an der DHBW starten wird.

Schwerpunkte des Studiums

Als „Südbadener Modell“ wird das neue Studienkonzept in Fachkreisen bereits bezeichnet. Dabei sieht das Konzept vor, Grundlagen der Gestaltung und Technik eines konventionellen Architekturstudiums zu vermitteln. Darüber hinaus sollen spezifische Studienschwerpunkte gesetzt werden, die in die Region passen, Neuigkeitswert und Alleinstellungsmerkmal haben. Der Fokus liegt auf den beiden großen Überschriften Umwelt / Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Nachhaltigkeit bezieht sich auf mehrere Aspekte. Zum einen wird ein Schwerpunkt auf der für die Region spezifischen Holzbauweise gelegt werden. Zum anderen geht es um Langlebigkeit durch qualitativ und gestalterisch hochanspruchsvolles Bauen. Letztlich spielt auch die Frage nach dem Recycling oder Reuse eine Rolle, wenn Gebäude flexibel umgenutzt, oder abgerissen und ihr Material wiederverwertet werden sollen.
Beim Schwerpunkt Digitalisierung soll der Blickwinkel auf die Bedarfe und die technische Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen der Branche gelegt werden und betrifft etwa die Digitalisierung der Produktion von Halbfertigbauteilen aus Holz, CAD-Zeichenprogrammen oder 3D-Druck in der Architektur.

Abschließen wird das duale Studium Architektur mit dem an der DHBW und für die Architektur üblichen, europaweit anerkannten Studienabschluss Bachelor of Science. Aufgesattelt werden kann dann ein Master-Studium. Hier laufen erste Kooperationsgespräche mit der FHNW in Muttenz, die bereits in den beiden trinationalen Studiengängen International Business Management und Mechatronik mit der DHBW zusammen ausbildet. Gegen Ende des Akkreditierungsverfahrens wird eine Professur ausgeschrieben und externe Dozierende aus der Branche und aus den Reihen der Dualen Partner akquiriert werden. Zielgröße für den Studienstart ist ein kompletter Kurs mit rund 25 bis 30 Studienanfänger*innen.

Als nächste Schritte steht der Akkreditierungsprozess in weiteren Gremien an. Hier zeigen sich Sproll und Hovenbitzer optimistisch: im Strategieentwicklungsplan der DHBW gesamt sei das Studium am Standort Lörrach bereits verankert und der Hochschulrat habe sich schon dafür ausgesprochen, ebenso wie die Instanzen der Architektenkammern und -verbände. Zudem würde in Zusammenarbeit mit der Fakultät Technik, namentlich mit Prorektor Prof. Dr. Jörg Thietke sowie mit Prof. Guy Wennmacher konkret an den Modulbeschreibungen und der Erstellung der Studienpläne gearbeitet.

Pressemitteilung: Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach DHBW