30. September 2022

DGNB bietet Werkzeuge zur nachhaltigen Beschaffung im Rahmen von EU-Projekt

Gruppenfoto des Abschlussmeetings in Stuttgart September 2022 | Quelle: DGNB

Stuttgart (pm) – Nach drei Jahren Laufzeit wird das EU-geförderte Projekt „LIFE Level(s)“ Ende September abgeschlossen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. war daran maßgeblich beteiligt und stellt die Ergebnisse auf ihrer Website zur Verfügung. Zum einen bietet sie Werkzeuge für eine lebenszyklusorientierte Planung und Beschaffung bei Bauprojekten an. Angesprochen sind Kommunen, Planende und Bauproduktehersteller. Zum anderen wurden Instrumente entwickelt, die dabei helfen, Zertifizierungssysteme wie das der DGNB mit dem europäischen Rahmenwerk Level(s) in Einklang zu bringen. Level(s) hat zum Ziel, eine gemeinsame Sprache und Methodik für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Gebäuden in Europa zu schaffen. Bei dem Projekt LIFE Level(s) waren neben der DGNB sieben weitere europäische Green Building Councils beteiligt.

Im Jahr 2020 hat die Europäische Kommission im Zuge ihres Green Deals einen freiwilligen Berichtsrahmen gemeinsamer EU-Indikatoren veröffentlicht, damit die Nachhaltigkeit von Gebäuden europaweit einheitlich erfasst wird und zugleich mehr ins Bewusstsein rückt. Um die Anwendung dieses Rahmenwerks mit dem Titel „Level(s)“ auf nationaler Ebene in Bauprojekten zu fördern, wurden acht Green Building Councils, darunter die DGNB, mit dem EU-geförderten Projekt „LIFE Level(s)“ beauftragt, das Ende September 2022 abgeschlossen wird.

Nachhaltigkeitswerkzeuge für eine nachhaltige Beschaffung

Eine zentrale Fragestellung im Projekt war, wie die Inhalte des Levels(s)-Rahmenwerks in die Planung und Beschaffung von Bauprojekten implementiert werden können. „In Deutschland liegt das Beschaffungsvolumen der öffentlichen Vergabe bei 500 Milliarden Euro. Wenn hier nicht immer das günstigste Angebot den Zuschlag bekommen würde, sondern konsequent Nachhaltigkeitskriterien verankert würden, wäre das ein enormer Hebel für nachhaltigere Gebäude“, sagt Dr. Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung der DGNB.

Damit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, hat die DGNB eine Handreichung für eine nachhaltigkeitsorientierte Planung und Beschaffung entwickelt. Darin wird für Kommunen mithilfe einer Checkliste aufgezeigt, welche Stellschrauben für mehr Nachhaltigkeit es in bestehenden Instrumenten wie der Bauleitplanung gibt oder wie Richtlinien und Leitfäden für nachhaltiges Bauen helfen können. Analog erfahren Planende, wie projektspezifische Instrumente wie Bedarfsplanung, Ausschreibung oder Werkverträge im Sinne der Nachhaltigkeit nachgeschärft werden können.

Beim Thema Klimaschutz wird beispielsweise empfohlen, Produkte mit dem Werkzeug der Ökobilanzierung zur Erfassung der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten. Neben dem Klimaschutz sind zudem die Lebenszykluskostenberechnung für eine langfristige Wirtschaftlichkeit und die Innenraumluftqualitätsbewertung für gesunde Innenräume inhaltlicher Schwerpunkt der Handreichung. „Wenn öffentliche Bauherren und Planende ganz klar vorgeben, welche Eigenschaften Produkte mitbringen sollten, hat das eine Lenkungswirkung auf die gesamte Bauindustrie“, sagt Braune.

Um den Schritt in die Umsetzung zu erleichtern, stellt die DGNB Kommunen und Bauprodukteherstellern neben der Handreichung einen Werkzeugkasten zur Verfügung. Darin werden Maßnahmen wie die Sensibilisierung der eigenen Belegschaft oder die Integration der Nachhaltigkeitsthemen in eigene Bauprojekte oder auf Produktebene mit konkreten Werkzeugen zur Umsetzung verknüpft. In einer beigefügten Absichtserklärung können Unternehmen und Kommunen ihre individuellen Schwerpunkte setzen und mit einer Verbindlichkeit versehen.

Zertifizierung unterstützt Einführung von Level(s)

Als Unterstützung für die Einführung von Level(s) auf nationaler Ebene dienen die Zertifizierungssysteme der verschiedenen europäischen Institutionen. Sie erlauben eine nationale Schwerpunktsetzung und Gewichtung der Level(s)-Indikatoren und sorgen für eine Qualitätssicherung durch praxiserprobte Benchmarks. Ein weiterer Schwerpunkt von LIFE Level(s) lag deshalb darauf, einen Abgleich der verschiedenen Zertifizierungssysteme mit dem Rahmenwerk Level(s) zu machen. Unter Leitung der DGNB wurde hierfür ein Mapping- und Reporting-Tool entwickelt.

„Je eher alle relevanten Institutionen der Baubranche in Europa zusammenarbeiten, desto mehr Diskussion über die richtige Methodik und Sprache sparen wir uns in Zukunft“, sagt Braune. Die DGNB hat sich deshalb schon bei der Entwicklung des Rahmenwerks engagiert und ihr Zertifizierungssystem für Neubauten daran orientiert. „Wir verstehen unser Zertifizierungssystem als europäisches System und beziehen uns auf alle gängigen Normen der EU“, sagt Braune. „Dazu zählen beispielsweise die Taxonomie-Kriterien oder die Maßnahmen für eine Circular Economy – und jetzt eben auch Level(s). Das macht unsere Systeme stabil und in ganz Europa und darüber hinaus anwendbar.“ Zukünftig werden alle Systeme in der Überarbeitung auch die Level(s)-Indikatoren implementiert haben.

Alle Ergebnisse und Werkzeuge stellt die DGNB unter www.dgnb.de/lifelevels zur Verfügung. Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.lifelevels.eu.

Pressemitteilung: DGNB