29. Juli 2026

DGNB Auszeichnung „Social Positive“ setzt Maßstäbe für gebaute soziale Qualität

Stuttgart (pm) – Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat zusammen mit Partnern die DGNB Auszeichnung „Social Positive“ entwickelt. Damit wird ein gesellschaftlich relevantes Thema, das in der Bau- und Immobilienbranche künftig weiter an Bedeutung gewinnt, systematisch mess- und bewertbar gemacht. Die Beurteilung erfolgt vor Ort, um sicherzustellen, dass die in der Planung definierten Parameter zur sozialen Qualität im laufenden Betrieb tatsächlich umgesetzt und von den Nutzenden angenommen werden. Damit setzt die Auszeichnung neue Maßstäbe und schafft Sichtbarkeit für Gebäude und Quartiere, die einen positiven Beitrag für das Miteinander und die soziale Gerechtigkeit leisten.

„Mit der DGNB Auszeichnung ‚Social Positive‘ schaffen wir einen validen Rahmen, um den gemeinwohlorientierten Mehrwert von Gebäuden sichtbar und bewertbar zu machen“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Das ist nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern für Eigentümer auch strategisch entscheidend, denn die soziale Qualität einer Immobilie trägt maßgeblich zu ihrer langfristigen Wertstabilität bei.“

Im Fokus der neuen Auszeichnung stehen Projekte, die über ihre funktionale Nutzung hinausgehen, Gemeinschaft stärken, Teilhabe ermöglichen und Lebensqualität schaffen. Entscheidend ist dabei nicht nur ein innovatives Nutzungskonzept, sondern auch die Einbindung in das Quartier und geschaffene Mehrwerte für die Nachbarschaft. Ausgezeichnete Projekte stehen exemplarisch für eine Baukultur, in der die soziale Dimension als zentrales Element nachhaltiger Entwicklung verstanden und konsequent umgesetzt wird.

Starke Partnerschaft für die Entwicklung und Verbreitung

Bei der Entwicklung des Anforderungskatalogs für die Beurteilung hat die DGNB eng mit Partnern zusammengearbeitet. „Das war uns insbesondere wichtig, um die Kriterien aus unterschiedlichen Perspektiven fundiert herauszuarbeiten und die Stärkung des sozialen Miteinanders in der Architektur von Anfang an gemeinschaftlich und einheitlich voranzubringen“, erläutert Lemaitre. Neben den DGNB Systempartnern der Green Building Councils aus Österreich, der Schweiz, Spanien und Kroatien sind der Deutsche Werkbund, die Hamburger Kreativ Gesellschaft, das BIS Institut für Sozialforschung Berlin, die Montag Stiftung Urbane Räume sowie die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung mit dabei. Impulsgeber und Mitinitiator ist das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG).

Susanne Eickermann-Riepe FRICS, ICG-Vorstandsvorsitzende und Vorsitzende im DGNB Immobilienbeirat, betont die Relevanz der Auszeichnung für die Immobilienwirtschaft. „Neben ökologischen und ökonomischen Faktoren müssen wir den Beitrag unserer Projekte für das gesellschaftliche Zusammenleben systematisch messen und sichtbar machen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit der DGNB Auszeichnung ‚Social Positive‘ wird genau das möglich. Ich freue mich sehr, dass die DGNB dieses wichtige Thema aufgegriffen und federführend umgesetzt hat.“

Acht Themenfelder für die gebaute soziale Qualität

Die neue Auszeichnung umfasst acht Themenfelder, die eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft bewirken. Das Kriterium „Einbindung der Öffentlichkeit und der Nutzenden“ prüft, wie sensibel sich das Projekt in sein Umfeld einfügt, die Identität des Ortes stärkt und Nutzende während der Planung aber auch im Betrieb aktiv einbindet. „Begehbarkeit und Inklusion“ bewertet nicht nur den barrierefreien Zugang, sondern auch die soziale Komponente in Form inklusiver und bezahlbarer Räume. Unter „Gesundheit und Wohlbefinden“ sind Aspekte wie Innenraumluftqualität, Bewegungsangebote sowie ausgewiesene Bereiche zur Förderung der mentalen Gesundheit zusammengefasst. Das Themenfeld „Sicherheit und Schutz“ umfasst präventive architektonische Maßnahmen zur Kriminalitätsvermeidung, Notfallvorsorge und eine sichere Zugänglichkeit für alle.

„Sozialer Zusammenhalt und gemeinschaftliche Nutzung“ rückt die Förderung von Begegnung, interkulturellem wie generationenübergreifendem Austausch und lokalen Initiativen in den Fokus. Die „Ökonomische und soziale Eignung“ beleuchtet, ob neue Arbeitsplätze entstehen, Unternehmertum unterstützt wird und zentrale Dienstleistungen gut erreichbar sind. Unter „Nachhaltigkeit mit gesellschaftlichem Mehrwert“ werden Umweltgerechtigkeit, Klimaanpassungsfähigkeit sowie gemeinschaftlich nutzbare grüne Infrastrukturen wie Gärten oder Solaranlagen bewertet. Abschließend misst „Nutzerfeedback und Nutzerzufriedenheit“, ob sich Menschen vor Ort wohl und sicher fühlen und ob die Möglichkeit besteht, Probleme rückzumelden.

Die Bewertungsunterlagen inklusive der Kriterien im Detail stehen unter www.dgnb.de/social-positive zum Download bereit. Ebenso weiterführende Informationen zur Auszeichnung und dem Anmeldeverfahren.

Zweistufiges Auszeichnungsverfahren gestartet

Aktuell befindet sich die DGNB Auszeichnung „Social Positive“ in der Pilotphase, zu der Projekte unabhängig von einer DGNB Zertifizierung angemeldet werden können. Zugelassen sind Gebäude und Quartiere in Deutschland und in den Ländern der beteiligten Systempartner Österreich, der Schweiz, Spanien und Kroatien. Voraussetzung für die Durchführung des Auszeichnungsverfahrens ist, dass das Projekt fertiggestellt und vollständig in Betrieb genommen ist.

Die Beurteilung durch eine einberufene Expertenkommission erfolgt in einem zweistufigen Verfahren: Zunächst wird anhand der eingereichten Unterlagen geprüft, ob das Projekt für die Auszeichnung geeignet ist. Maßgeblich ist dabei, ob soziale und gemeinwohlorientierte Aspekte in herausragendem Maß umgesetzt sind und gelebt werden. Fällt diese Prüfung positiv aus, erfolgt eine Vor-Ort-Begehung. Dabei bewertet die Kommission die tatsächliche Wirkung des Projektes unter Zuhilfenahme eines Fragebogens, dem die acht Themenfelder zugrunde liegen.

Erste Projekte ausgezeichnet

Das neue Auszeichnungsverfahren wurde in den vergangenen Wochen erstmals erfolgreich erprobt. Die ersten zwei Projekte stammen beide von Siemens Healthineers in Erlangen. Dabei handelt es sich um das 2023 errichtete Education and Training Center (EDC) und das frisch sanierte Produktions- und Bürogebäude eMpResso (MR).

„Eine wichtige Erkenntnis aus der ersten Begehung ist, dass wir mit den Augen der Nutzenden durch das Gebäude gehen müssen, um wirklich zu verstehen, ob die geplanten Parameter für die soziale Qualität auch in der Praxis spürbar sind und funktionieren“, erklärt DGNB Vizepräsident Martin Haas als der Teil der Expertenkommission. „Mit dieser Perspektive ist die neue DGNB Auszeichnung ‚Social Positive‘ sehr wertvoll, weil sie den Blick auf ein zentrales Element architektonischer Qualität richtet: ihre Wirkung auf den Menschen und sein Wohlbefinden.“

„Für uns war die Teilnahme am Pilotverfahren eine wertvolle Gelegenheit, die soziale Qualität unserer Gebäude sichtbar zu machen“, erklärt Jens Böhnlein, Global Head of Real Estate bei der Siemens Healthineers AG. „Das Auszeichnungsverfahren hat uns erneut bestätigt, wie wichtig es ist, den Menschen konsequent in den Mittelpunkt der Gestaltung von Arbeitswelten zu stellen. Die Auszeichnung bestärkt uns darin, unseren Human-Centric-Spaces-Ansatz konsequent weiterzuverfolgen, und weitere Flächen befinden sich bereits in Vorbereitung für das Verfahren.“

Quelle: DGNB