5. August 2021

Deutscher Städtebaupreis 2020 geht nach Berlin

Deutscher Städtebaupreis 2020 (c) MAGDA-MAP UG

Berlin (pm) – Der in zweijährigem Turnus von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) mit maßgeblicher Unterstützung der Wüstenrot Stiftung verliehene Städtebaupreis geht in der Auslobung DSP 2020 an das Projekt Quartier am ehemaligen Blumengroßmark in Berlin. Zum Städtebaupreis wurden mit 81 Bewerbungen besonders viele Projekte eingereicht. Das Spektrum war sehr breit: stadtstrukturell-geographisch, thematisch, baulich-räumlich. Vom Rathausneubau im städtebaulichen Kontext einer kleinen Kommune bis zum großen Konversionsprojekt einer Metropolregion sah sich die interdisziplinär zusammengesetzte Jury (Stadtplanung, Architektur, Freiraumplanung, Denkmalpflege, Wirtschaft, Soziologie) in vielen Fällen vor eine sehr schwierige Entscheidung gestellt.

„Das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin Kreuzberg ist exemplarisch für einen ko-kreativen Stadtumbau, der das gemeinsame Leben und Arbeiten in den Mittelpunkt stellt und langfristig nachhaltige Entwicklungsstrategien im Quartier verfolgt. Das Projekt setzt Orientierung und Maßstäbe für die sozial orientierte, von vielfältigen Akteuren getragene Stadtentwicklung und ist im Sinne des Deutschen Städtebaupreises besonders beispielgebend. […]“ betont die Juryvorsitzende Prof. Dr. Christina Simon-Philipp, HFT Stuttgart.

Der Sonderpreis zum Thema „Städtebau revisited: Preise – Praxis – Perspektiven“ wurde dem Projekt Städtebaulicher Entwicklungsbereich Stuttgarter Straße, Französisches Viertel in Tübingen zuerkannt. Der parallel zum Städtebaupreis ausgelobte Sonderpreis dient der Akzentuierung besonders dringlicher Handlungsfelder im Städtebau und in der Stadtplanung. Er wurde aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums des Deutschen Städtebaupreises an Beiträge verliehen, die zwischen 1980 und 2010 mit Preisen und Auszeichnungen bereits gewürdigt wurden. Die Jurierung des Sonderpreises war sehr komplex, musste doch eine Spanne von 30 Jahren, also einer Generation, der damals als herausragend betrachteten Leistungen deutschen Städtebaus abgebildet werden und im Rückblick belastbare, robuste, objektive Kriterien herangezogen werden, die die Komplexität von 30 Jahre Städtebaugeschichte, 30 Jahre städtebauliche Leitbilder ausreichend abbilden konnten.

„Das robuste städtebauliche Konzept und die Qualitäten des öffentlichen Raums sind das Markenzeichen des Quartiers, das eine große Lebendigkeit ausstrahlt. Man hat beim Flanieren durch den Stadtteil die Gewissheit, dass er mit zunehmendem Alter noch an Zuspruch und Vitalität gewinnen wird“, so das Juryurteil für das Projekt. Dreißig Jahre nach dem Wettbewerb für das Französische Viertel in Tübingen [Städtebaupreisträger aus der Einreichung 2001] erweist sich die Idee der Parzellierung als Erfolgsrezept mit hoher Alltagstauglichkeit und Beispielhaftigkeit für
einen partizipativ orientierten Städtebau in Deutschland.

Der mit insgesamt 25.000 € dotierte Deutsche Städtebaupreis hat die Förderung einer zukunftsweisenden Planungs- und Stadtbaukultur zum Ziel. Er wird ausgelobt von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) und von der Wüstenrot Stiftung gefördert. Es werden in der Bundesrepublik Deutschland realisierte städtebauliche Projekte prämiert, die sich durch nachhaltige und innovative Beiträge zur Stadtbaukultur sowie zur räumlichen Entwicklung im städtischen und ländlichen Kontext auszeichnen. Dabei sollen die Projekte in herausragender Weise
den aktuellen Anforderungen an zeitgemäße Lebensformen ebenso Rechnung tragen wie den Herausforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raumes, dem sparsamen Ressourcenverbrauch sowie den Verpflichtungen gegenüber der Orts- und Stadtbildpflege.

In ihrer Sitzung im Februar 2021 vergab die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Christina Simon-Philipp neben Städtebaupreis und den Sonderpreis noch sechs Auszeichnungen sowie sieben Belobigungen. Der Städtebaupreis ist mit 15.000 € und der Sonderpreis mit 5.000 € dotiert. Die Auszeichnungen erhalten 1.000 € und als vierte Kategorie werden Belobigungen ausgesprochen.

Die geplante feierliche Preisverleihung konnte aufgrund der COVID-Pandemie nicht in großer Runde stattfinden. Daher wurden die Nominierungen der 15 Projekte in einem Live-Stream mit rund
800 Zuschauern am 23. April 2021 aus der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin übertragen. Das Fachsymposium, das dem Auslobungsthema des Sonderpreises 2020 „Städtebau revisited: Preise – Praxis – Perspektiven“ gewidmet war und die Preisverleihung werden mit Dokumentationsfilmen der ausgezeichneten Projekte auf der Seite www.staedtebaupreis.de präsentiert.

Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, betonte in ihrer Begrüßungsrede: „Mit dem Deutschen Städtebaupreis werden seit 40 Jahren gestalterisch und stadtstrukturell besondere und zukunftsweisende städtebauliche Projekte ausgezeichnet. Sie erfahren nicht nur national eine herausragende öffentliche Aufmerksamkeit, sondern werden auch international besonders beachtet. Das BMI unterstützt modernes und nachhaltiges Bauen in hoher gestalterischer Qualität. Dabei ist es für uns unabdingbar, dass sich das „Projekt“, also ein Einzelgebäude oder ein Ensemble von Bauwerken in innovative und integrierte Strategien der Stadtentwicklung einfügt, denn die qualitätsvolle Gestaltung der gebauten Umwelt ist ein entscheidender Baustein für die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden. Baukultur steht nicht nur für das Ergebnis, also ein ästhetisches, gutes Gebäude, sondern umfasst den gesamten komplexen Prozess von der Beteiligung und Mitsprache über das Planen, Bauen, Nutzen bis hin zum Instandhalten. In diesem Sinne begrüßen wir es sehr, dass die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung gute Städtebauprojekte honoriert und in Anwendung der Prinzipien der Neuen Leipzig-Charta die Transformation der europäischen Städte zu gemeinwohlorientierten, nachhaltigen Lebensräumen voranbringt.“

Die DASL-Präsidentin Prof. Dr. (Univ.-Florenz) Elisabeth Merk ging weiter auf die Funktion des Deutschen Städtebaupreises ein und dankte der Wüstenrot Stiftung für ihre Unterstützung, ohne die die Auslobung des Preises nicht möglich wäre: „Seit nun mehr 40 Jahren zeichnet der Deutsche Städtebaupreis Projekte aus, die gesellschaftliche und soziale Themen mit hervorragenden gestalterischen Lösungen in Architektur und Städtebau zum Tragen bringen. Die Kontinuität für nachhaltigen Städtebau einzutreten und so anderen Mut zu machen für Qualität einzutreten, prägt den Deutschen Städtebaupreis seit seinen Anfängen. Besonderen Dank gilt allen voran der Wüstenrot Stiftung, die den Preis finanziell und konzeptionell möglich macht, sowie allen engagierten Mitmachern und ganz persönlich auch Herrn Prof. Dr. Werner Durth, der als Impulsgeber den Preis in all den Jahren durch seine Kenntnis und Leidenschaft geprägt hat.“

Der Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Prof. Philip Kurz, begründet das Engagement der Stiftung für den Deutschen Städtebaupreis: „Wir stehen aktuell vor großen Herausforderungen in der Gestaltung unserer Städte. Die Pandemie mit ihren Folgen hat noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass wir die richtigen Weichen für die Zukunft stellen – für die Lebensqualität der Menschen, für das Miteinander in unserer Gesellschaft, für ökonomische Vielfalt und für die Qualität unserer gebauten Umwelt. Der Deutsche Städtebaupreis würdigt die Gestaltung der Projekte ebenso wie ihren Beitrag für eine lebendige, vielfältige Zukunft unserer Städte. Mit unserer Unterstützung wollen wir die mit dem Deutschen Städtebaupreis verbundenen Chancen stärken und die Baukultur – die Qualität unserer gebauten Umwelt – in Deutschland fördern.“

Die Ergebnisse des Wettbewerbes und Details der Preisträger, der ausgezeichneten und belobigten Projekte sowie die vollständigen Jurybeurteilungen sind unter www.staedtebaupreis.de zu finden. Darüber erscheint eine Dokumentation des Deutschen Städtebaupreises 2020 in der Reihe „STADT BAUEN“ im Wasmuth Verlag, voraussichtlich im Spätherbst 2021.

Der Jury zum Deutschen Städtebaupreis 2020 gehörten an:

• Juryvorsitzende Prof. Dr. Christina Simon-Philipp, Hochschule für Technik Stuttgart
• Prof. Undine Giseke, Technische Universität Berlin
• Prof. Dr. Markus Harzenetter, Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden
• Dr. Stefan Krämer, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
• Prof. Dr. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk, Präsidentin DASL, München
• Dipl.-Ing. Jórunn Ragnarsdóttir, LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
• Dipl.-Ing. Verena Schmidt, Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus, Berlin
• Ständiger Gast für den Wissenschaftlichen Beirat Prof. Dr.-Ing. Werner Durth, Darmstadt

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Es wurden 139 Projekte, davon 58 im Sonderpreis von der Jury begutachtet und bewertet. Besonders bemerkenswert im Jubiläumsjahr 2020 war die ausgesprochen hohe Qualität der eingereichten Beiträge. Nach der Eingrenzung „der engeren Wahl“ auf 35 Projekte wurden diese zwischen Anfang Dezember 2020 und Ende Januar 2021 vor Ort von jeweils einem Jurymitglied besucht. Die verantwortlichen Akteure der Projekte wurden per Zoom oder draußen interviewt. Trotz der erschwerten Bedingungen durch die Pandemie konnte die Jury die Projekte sehr gut kennenlernen.

Aus der “engeren Wahl“ sprach die Jury für jeweils ein Projekt den Städtebau- bzw. den Sonderpreis aus, sechs Projekte (davon zwei im Sonderpreis) erhielten eine Auszeichnung und acht Projekten wurde eine Belobigung zuerkannt.

Deutscher Städtebaupreis 2020

Preisträger
Berlin| Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt

Auszeichnung
Bremen | Waller Sand
Heilbronn | Stadtquartier Neckarbogen – Erster Baustein einer neuen Stadtlandschaft
Regenburg | Jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge
Tirschenreuth | Ort des Lernens – Revitalisierung der historischen Fronfeste

Belobigungen
Anklam | Hansestadt Anklam- Rückkehr zur vertikalen Stadt
Burg | Stadt Landschaft Burg
Frankfurt am Main | Riederwald-Siedlung, Friedrich-List-Straße
Maitenbeth | Rathaus Maitenbeth
München | Stadtquartier an der Leopoldstraße

Sonderpreis 2020 „Städtebau revisited: Preise – Praxis – Perspektiven“

Preisträger
Tübingen, 2001| Städtebaulicher Entwicklungsbereich Stuttgarter Straße, Französisches Viertel

Auszeichnung
Hochheim am Main, 1983 | Planungsberatung und Initiativplanungen zur Regeneration der
Altstadt sowie bisher verwirklichte Erneuerungsmaßnahmen
Köln, 1982 | Ersatzwohnungsbau und Blocksanierung auf dem Areal der ehemaligen
Schokofabrik Stollwerck im Sanierungsgebiet Severinsviertel

Belobigungen
München, 2008 | Jüdisches Zentrum
Ulm, 2006 | Neue Mitte Ulm – Stadtumbau im Bürgerdiskurs

 

Pressemitteilung: Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung e. V.