15. Juli 2024

Deutscher Naturstein-Preis 2024 vergeben

Würzburg (pm) – Bereits zum 21. Mal zeichnet der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. hervorragende nachhaltige Bauweisen mit dem Deutschen Naturstein-Preis (DNP) aus. Nun wurden am 19. Juni 2024 die Preisträger der großartigen Naturstein-Arbeiten bekannt gegeben, die beispielhaft für eine hohe architektonische Qualität sowie eine ressourcen- und energieschonende Bauweise stehen.

Für den diesjährigen Wettbewerb wurden insgesamt 69 Projekte eingereicht. Die Jury des Deutschen Naturstein-Preises würdigte aus den 25 nominierten Naturstein-Projekten den Preisträger „DEUTSCHER NATURSTEIN-PREIS 2024“ sowie weitere Kategoriesieger und einen Sonderpreis in den nachfolgend ausgeschriebenen Kategorien.

Preisträger DNP 2024 und Sieger in der Kategorie „Fassaden mit hinterlüfteten Außenwandbekleidungen aus Naturstein“

Wohnhochhaus – Drei Horizonte, Frankfurt am Main
Architekturbüro: O&O Baukunst // ARGE Schwedler Trio (O&O Baukunst mit Stefan Forster Architekten & Karl Dudler Architekten), Berlin
Naturstein: Kalkstein St. Louis®, weiß-grau, Aquapower, hochdruckwassergestrahlt
Natursteinunternehmen: Hofmann Naturstein GmbH & Co. KG, Werbach-Gamburg

Wohnhochhaus – Drei Horizonte, Frankfurt am Main von O&O Baukunst / ARGE Schwedler Trio, Berlin: Gewinner des Deutschen Naturstein-Preises 2024 & Sieger in der Kategorie „Fassaden mit hinterlüfteten Außenwandbekleidungen aus Naturstein“, Foto: Marcus Bredt, Berlin

Begründung der Jury:
Mit dem Wohnhochhaus „Drei Horizonte“ im Frankfurter Ostend gelingt dem Büro O&O Baukunst auf sehr unaufgeregte Weise eine überaus überzeugende Antwort auf die drängende Frage, wie qualitätvoller, verdichteter Wohnungsbau gestaltet werden kann. Die überragenden Qualitäten dieser vertikalen Wohnform werden sich mit der Zeit – nach der Inbesitznahme durch die Bewohner – nur noch weiter verstärken. Denn die Schönheit, Ruhe und Dauerhaftigkeit des Steins stehen dann in schöner Spannung zum neuen Leben in dieser Struktur: Hier können sich Erinnerungen festmachen! Hier ist Leben und Grün erwünscht!
Insbesondere der Kunstgriff, die unvermeidlichen Freisitzplätze in einer loggienartigen Struktur zu vereinen, erweist sich als überaus vorteilhaft für die Wirkung der städtebaulichen Figur und sorgt zugleich für eine subtile Abgrenzung zwischen privatem und öffentlichem Leben. Statt der gewöhnlich an dieser Stelle anzutreffenden Vulgaritäten tritt uns hier ein gegliederter, körperhafter Bau entgegen. Die Tatsache, dass die Loggien in Stein gefasst sind: Umso schöner! Die architektonische Gestaltung findet genau jene Balance zwischen Repetition und Belebung, zwischen Vertikale und Horizontale, die es braucht, um Menschen für ein Gebäude einzunehmen. Dabei macht sich das Gebäude keineswegs durch imponierende Gesten oder modische Eskapaden wichtig. Vielmehr fügt es sich – trotz Maßstabssprung – selbstverständlich und einfach in die umgebende Struktur ein. Gleichwohl nicht ohne als wohltuender Akzent das neue Quartier im städtischen Gewebe zu markieren und auch zu repräsentieren. Hierin zeigt sich in den Augen der Jury die wahre Meisterschaft architektonischen Könnens. Ein derartiges Gebäude möchte man gerne hundert und mehr Jahre in der Stadtsehen. Dies ist aufgrund seiner Materialität und dessen technisch hervorragender Verarbeitung auch ohne Weiteres möglich. Die Schönheit und Beständigkeit der gefundenen Lösung erweisen sich somit als im eigentlichen Sinne nachhaltig. Rundum ein überaus inspirierender Beitrag: Zur Nachahmung empfohlen.

Sieger Kategorie: Fassaden und Bauwerke mit massivem Naturstein

Kriminaltechnisches Institut des LKA Sachsen, Dresden
Architekturbüro: heinlewischer, Dresden
Naturstein: Mainsandstein, weiß-grau, Hahnbruch
Natursteinunternehmen: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH, Bamberg

Sieger in der Kategorie „Fassaden und Bauwerke mit massivem Naturstein“: Kriminaltechnisches Institut des LKA Sachsen, Dresden von Architekturbüro heinlewischer, Foto: Brigida González, Stuttgart

Begründung der Jury:
Der Neubau des kriminaltechnischen Instituts des LKA Sachsen in Dresden ist als kompakter Solitärbaukörper in die Bestandsbebauung der weiteren LKA-Gebäude eingebunden. Die Körnigkeit des neuen Bauvolumens in Relation zu seiner Umgebung wirkt stimmig, die Ausrichtung und Orientierung an den angrenzen Gebäudezeilen ist logisch gewählt. Der eher introvertierte Baukörper mit großzügigem, gestaffeltem Innenhof schafft durch sein monolithisches Erscheinungsbild nach außen einen signifikanten Auftritt und eine starke Präsenz auf dem Areal des LKA.
Klare und strenge Strukturen, sowohl im Inneren als auch in der dem Grundrissraster folgenden Fassade verleihen dem Neubau eine angenehme Ruhe, ohne dabei monoton zu wirken. Abwechslungsreich gliedern senkrechte Lisenen und zurückliegende Fensterbrüstungen und Blindelemente das homogene Erscheinungsbild des Baukörpers. Der gewählte grau-weiße Mainsandstein als Fassadenmaterial unterstützt durch sein leicht changierendes Äußeres die Geradlinigkeit des Entwurfs. Die in großen Teilen vorgemauerte Natursteinfassade wird im Erdgeschoss durch die Beteiligung der Künstlerinnen Birgit Nadrau und Annie Kuschel zum Kunstwerk. Als Besonderheit haben die beiden Künstlerinnen Objekte aus Alltag und Umgebung des kriminaltechnischen Instituts als Relief im Material abgebildet. Die so entstandenen, dreidimensionalen, ungeordneten Oberflächen brechen die Strenge der übrigen Fassade auf angenehme Weise auf. Insgesamt ein überzeugender Entwurf. Herzlichen Glückwunsch an das Architekturbüro heinlewischer zur Auszeichnung als Kategoriesieger!

Sieger Kategorie: Innenräume aus Naturstein

Geöffnete Wände | Neugestaltung Diözesanmuseum, Freising
Architekturbüro: Brückner & Brückner Architekten GmbH, Tirschenreuth | Würzburg
Naturstein: Dietfurter Kalkstein, Innenbereiche: Jura Kalkstein
Natursteinunternehmen: Franken-Schotter GmbH & Co. KG, Treuchtlingen-Dietfurt

Sieger in der Kategorie „Innenräume aus Naturstein“: Geöffnete Wände | Neugestaltung Diözesanmuseum Freising von Brückner & Brückner Architekten, Foto: mju-fotografie, Marie Luisa Jünger, Hümpfershausen

Begründung der Jury:
Der Einsatz von Naturstein im Innenraum steht immer im Spannungsverhältnis zwischen einem funktionalem und einem dekorativen Einsatz. Steht der dekorative Einsatz von Naturstein im privaten Bereich im Wettbewerb mit einer schier endlosen Zahl von Nachahmerprodukten aus der Fliesenindustrie, erfüllt der Naturstein im Feld der Denkmalpflege darüber hinaus wichtige Funktionen und ist der Träger von Raumerlebnissen.
An historischen Orten braucht es daher die Sensibilität, das Vorgefundene behutsam in die Zukunft zu führen und fehlendes, neu aber wie selbstverständlich hinzuzufügen. Im Diözesanmuseum in Freising erschafft das Architekturbüro Brückner und Brückner durch die Auswahl des Dietfurter Kalksteins gala® grau für die Fassade und Jura Kalkstein grau, sandgestrahlt und gebürstet für die Innenräume, diese wirtschaftliche Balance zwischen Bestehendem und Neuem, um die passende Bühne für die religiöse Kunst zu eröffnen. Wurde die Arbeit doch in der Rubrik Fassade eingereicht, hat die Jury einstimmig die Qualität des Innenraums hervorgehoben und die Arbeit diesem Bereich zugeschrieben. Durch diese Maßnahme wird der ganzheitliche Charakter der Arbeit betont und der vielseitige Einsatz des Materials an diesem Ort hervorgehoben. Nimmt sich der Boden in den Ausstellungsräumen noch unauffällig zurück, um im Einklang mit den strahlenden weißen Wänden, die Kunst in den Vordergrund zu stellen, beweisen Brückner und Brückner, dass sie mit dem Naturstein auch virtuos umgehen können. Ein ornamentaler Teppich aus farblichen Nuancen des Steins ziert die große Halle und bildet das Zentrum dieser imposanten Anlage. Der Einsatz von Naturstein zeigt in diesem Projekt eindrucksvoll, wie selbstverständlich ein Material der Ewigkeit einen Bogen spannen kann, der Vergangenes und Zukünftiges verbindet.

Sieger Kategorie: Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung

Historische Weinbergmauern, Karlsruhe – Durlach
Architekturbüro: Agence Ter .de GmbH Landschaftsarchitekten, Karlsruhe
Naturstein: Roter Sandstein
Natursteinunternehmen: Grün System Bau, Rheinmünster

Sieger in der Kategorie „Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung“: Historische Weinbergmauern in Karlsruhe – Durlach von Agence Ter .de GmbH Landschaftsarchitekten, Foto: Agence Ter .de

Begründung der Jury:
Die Geschichte des Mauerwerkbaus ist Jahrtausende alt. Man denke an die mächtigen Zyklopenmauern der Griechen, deren Bezeichnung von den mythischen Erbauern der Stadtmauern in Tiryns und Mykene – den Zyklopen – abgeleitet sein soll: Zwerge sind wir, auf den Schultern von Riesen sitzend.
Aus dem Gesagten erklärt sich vielleicht die große Faszination, die das Unternehmen von Agence Ter .de Landschaftsarchitekten im Auftrage der L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg auf die Jury ausgeübt hat. Der Wiederaufbau der Trockenmauern des Staatsweingutes Karlsruhe-Durlach knüpft an Traditionen an, die bis zu den Anfängen der Menschheit zurückreichen! Mit außerordentlicher Disziplin hat man sich hier aller modernen Techniken und Hilfsmittel enthalten und stattdessen mit handwerklicher Präzision und Weisheit an die große Aufgabe begeben.
Herausgekommen ist ein wunderbares Beispiel für die Wiederherstellung einer alten Kulturlandschaft. Sie wurde so zurückhaltend ausgeführt, dass ein ortsunkundiger Besucher die Veränderung vielleicht gar nicht bemerken würde. Diese perfekt gefügten Trockenmauern gliedern als fast urban anmutende Elemente die steilen Hänge der weitgestreckten Weinberge. Die wagemutigen Mauern machen eine Nutzung dieser Flächen überhaupt erst möglich. Sie sind damit zugleich ein Sinnbild des ewigen Gleichgewichts zwischen menschlicher Ambition und dem Widerstreit der Elemente.
Die Reparatur dieser Mauern unter Wiederverwendung von altem Material und Steinen aus dem Rückbau örtlicher Brückenbauwerke, möchte man darum als Metapher für die Erneuerung dieses Gleichgewichts lesen. Wunderbar!

Sieger Kategorie: Studentischer Nachwuchspreis

Projektentwurf: Exoskelett Ruhrsandstein
Entwurfsverfasser: Matthias Dierker, Dortmund
Gewählter Naturstein: Herdecker Ruhrsandstein

Sieger in der Kategorie „Studentischer Nachwuchspreis“: Exoskelett Ruhrsandstein von Matthias Dierker, Foto: Detlef Podehl, Dortmund

Begründung der Jury:
Die Arbeit Exoskelett Ruhrsandstein entwickelt eine Tragstruktur aus großformatigen Natursteinblöcken, welche als Stützen und Stürze aufeinander gefügt werden. Eingesteckte Holzbalken ergeben die Deckenstruktur. Diese Fügetechnik stellt durch Ihre Entkopplung zum Raumabschluss mit Dämmung einen äußerst interessanten Beitrag der aktuellen Diskussion zur Frage von Trennbarkeit der Materialien dar. Durch die bruchrauhe Oberfläche der verwendeten Natursteine, in Kombination mit den in der Fassade sichtbaren Holzköpfen in Form von Opferhölzern, entsteht zudem ein hoch ästhetischer, sinnlicher Entwurf. Die Jury würdigt diese intensive Auseinandersetzung mit dem Material Ruhrsandstein mit einem Preis.

Sieger Kategorie: Studentischer Nachwuchspreis

Projektentwurf: KAMENI ŽIVOT – Stein.Werk
Entwurfsverfasser: Anna Goershoff, Dortmund
Gewählter Naturstein: Kalkstein

Sieger in der Kategorie „Studentischer Nachwuchspreis“: KAMENI ŽIVOT – Stein.Werk von Anna Goershoff, Foto: Anna Goershoff

Begründung der Jury:
Die Arbeit Kameni Život ist geprägt von beeindruckender Konsequenz und Ruhe. Ausgehend vom Maß eines Steines und der Aussteifung des Gebäudes durch sich kreuzende Mauerscheibensystem wird am Hang ein feines, sehr angemessenes Feriendomizil entwickelt. Dieses korrespondiert durch den örtlichen Naturstein genauso, wie durch sein Bedürfnis mit dem Hang zu verschmelzen, mit seiner Umgebung. Es entsteht ein Ort der Kontemplation an dem jeder Stein am richtigen Ort ist, kein Detail wird vermisst, nichts scheint überflüssig. Zudem ist die halb eingegrabene Bauweise mit den Überlegungen zur Durchlüftung eine ideale Antwort auf die klimatischen Anforderungen im Sommer. Die Jury würdigt diesen konstruktiven und zugleich poetischen Entwurf mit einem Preis.

Sonderpreis Denkmalpflege

Das Sanchi-Tor am Humboldt Forum, Berlin
Architekturbüro: Killinger & Westermann Architekten PartG mbB, Berlin
Naturstein: Roter Mainsandstein
Natursteinunternehmen: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH, Bamberg

„Sonderpreis Denkmalpflege“: Das Sanchi-Tor am Humboldt Forum, Berlin von Killinger & Westermann Architekten, Foto: Stefan Müller, Berlin

Begründung der Jury:
Auf der Lustgartenseite des Humboldt Forums bereichert die archäologische Steinkopie des Ost-Tors des Großen Stupa von Sanchi den Stadtraum und tritt in einen Dialog mit den barocken Außenfassaden des teilrekonstruierten Berliner Schlosses. Bereits im öffentlichen Raum wird so für alle greifbar auf die außereuropäischen Sammlungen im Inneren des Humboldt Forums aufmerksam gemacht und darauf wofür das Humboldt Forum steht: die Vielfalt der Welt in der Mitte Berlins.
In Indien gehört das Tor aus dem 1. Jahrhundert zu einem der ältesten und bedeutendsten buddhistischen Heiligtümer und zählt zum UNESCO Welterbe. Dieser Herausforderung hat sich das Architekturbüro Killinger & Westermann gestellt und es ist mit der Kopie des Sanchi-Tors eine außergewöhnliche Arbeit in herausragender gestalterischer und handwerklicher Qualität entstanden.
So beeindruckt die Fülle und die Qualität der filigranen, detailreichen Bildhauerarbeiten ausgeführt in dem roten Mainsandstein, Röttbach, aber auch die gelebte interkulturelle Zusammenarbeit aller Beteiligten während des Entstehungsprozesses. Die Jury würdigt die Besonderheit dieses Projekts mit einem Sonderpreis!

Der Deutsche Naturstein-Preis ist mit 5.000 € dotiert. Die Kategorie-Sieger erhalten ein Preisgeld von jeweils 2.500 €.

Die Preisverleihung mit Bekanntgabe der Preisträgerprojekte fand im Rahmen eines Architekturkongresses „Massive Baukonstruktionen aus Naturstein“ auf der Stone+tec 2024, Internationales Kompetenzforum Naturstein und Steintechnologie Fachmesse + Congress, am 19.06.2024 in Nürnberg statt.

Die Jury setzte sich aus namhaften Architekten sowie aus Vertretern der Natursteinindustrie zusammen:

Architekten:
Susanne Wartzeck, Architektin BDA (Präsidentin BDA, Dipperz)
Ellen Kallert (bbz landschaftsarchitekten, Berlin)
Anne Hangebruch (Anne Hangebruch Mark Ammann Architekten GmbH, Zürich)
Max Dudler (Max Dudler, Berlin)
Ulrike Pape (pape + pape architekten, Kassel)
René Pier (SCHIENBEIN PIER PARTG MBB, Stuttgart)

Mitglieder DNV:
Hermann Graser (Präsident DNV, Bamberg)
Karl Tratz (Vizepräsident DNV, Treuchtlingen)
Josef Kusser (Vizepräsident DNV, Aicha vorm Wald)
Heinrich-Georg Hofmann (DNV, Werbach-Gamburg)
Ulrich Klösser (DNV, Bad Langensalza)

Quelle: Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV)