25. August 2019

Deutscher Holzbaupreis 2019 und Hochschulpreis Holzbau 2019 vergeben

Staatssekretärin Bohle gratuliert den Preisträgern

Berlin (pm) – Vier Bauwerke – drei Neubauten und ein Gebäude der Kategorie „Bauen im Bestand“ – werden in diesem Jahr mit einem Preis des renommierten Deutschen Holzbaupreises 2019 ausgezeichnet. Er gilt in der Bundesrepublik als die wichtigste Auszeichnung für Gebäude aus Holz. Eine Fachjury unter Leitung von Prof. Dr. Dr. E.h. Dr. h.c. Werner Sobek hatte 157 Arbeiten zu bewerten, die von anspruchsvollen Neubauten über erfinderische Gebäudesanierungen bis zu neuen Entwicklungen auf dem Produktsektor reichten. Mit einem Preis ausgezeichnet wird das Studentenwohnheim „Woodie“ in Hamburg, das Thüringer Forstamt Jena-Holzland in Stadtroda, das Gründerlabor in Würzburg und der Umbau der Bücherei in Kressbronn. Neben einem Forschungsvorhaben erhalten zehn weitere Bauwerke eine Anerkennung.

Beim Hochschulpreis Holzbau 2019 erhalten die Universität Stuttgart, IBK2, und die HTWG Konstanz, Fakultät für Architektur und Gestaltung, jeweils den ersten Preis. Der dritte Preis geht ebenfalls an die Universität Stuttgart, IBK2. Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Tom Kaden hatte insgesamt 62 eingereichte Arbeiten von 32 Lehrstühlen an deutschen Universitäten zu bewerten. Erstmals werden zusätzlich auch drei Sonderpreise vergeben. Beide Preise stehen unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

„Die Gebäude die wir heute planen und bauen, müssen den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht werden“, sagte Staatssekretärin Anne Katrin Bohle in ihrem Grußwort. „Durch sozial verantwortliches und ökologisches Bauen schaffen wir zum einen den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum und zum anderen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Preisträger geben hierzu architektonisch und ökologisch überzeugende Antworten.“

Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, unterstrich „Klima- und ressourcenschonender als mit Holz kann man kaum bauen. Die eingereichten Bauwerke gehören zum Besten, was der deutsche Holzbau in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Besonders beeindruckt hat mich, wie wichtig es den Hochschulen und den Studierenden ist, sich mit Lösungsvorschlägen zu gesellschaftlich wichtigen Themen wie Klimaschutz oder Wohnraumversorgung einzubringen.“

Die Preisverleihung fand am 28. Mai 2019 im Rahmen einer Feierstunde auf der LIGNA in Hannover statt. Der Deutsche Holzbaupreis wird von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen der Forst- und Holzwirtschaft ausgelobt. Geehrt werden gleichermaßen Bauherren, Architekten, Tragwerksplaner und Holzbaubetriebe als Urheber der ausgezeichneten Beiträge. Der Hochschulpreis Holzbau wurde in diesem Jahr zum dritten Mal an Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens vergeben. Ausgelobt wird er von den Holzbau Deutschland Leistungspartnern. Vorrangiges Ziel beider Preise ist es, die Verwendung und Weiterentwicklung des ressourcenschonenden, umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffes zu fördern.

Die Preisverleihung auf der LIGNA war auch Startschuss für die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Ausstellung „HOLZ.BAU.ARCHITEKTUR – Entwerfen, Konstruieren und Bauen mit Holz“, die neben allen ausgezeichneten Arbeiten des Holzbaupreises 2019 auch die Preisträger des Hochschulpreises Holzbau 2019 der Öffentlichkeit vorstellt und anschließend auf die Reise durch Deutschland geht.

 

Preisträger Deutscher Holzbaupreis 2019

Preisverleihung Deutscher Holzbaupreis 2019 – Alle Preisträger des Deutschen Holzbaupreises 2019
(c) Holzbau Deutschland/M.Hölzel

 

Einen Preis erhält das aufsehenerregende Studentenwohnheim „Woodie“ in Hamburg von Sauerbruch Hutton Architekten aus Berlin. Es handelt sich um das derzeit weltweit größte Wohnbauprojekt in Modulbauweise. Auf einem Betontisch stapeln sich 371 vorgefertigte Wohnmodule zu fünf und sechs Geschossen, die in nur vier Monaten montiert wurden. Es fügt sich sehr gut in die städtebauliche Umgebung ein und hat hohe Vorbildwirkung für andere modular hergestellte Gebäude aus Holz im städtischen Kontext.

Studentenwohnheim Woodie © Jan Bitter

 

Ein weiterer Preis ging an das Thüringer Forstamt Jena-Holzland in Stadtroda von Cornelsen und Seelinger Architekten aus Darmstadt. Es erfüllt sehr präzise die gegebene Aufgabenstellung in Form eines klassischen Tragskeletts mit Holz-Beton-Verbunddecken aus Buchen-Furnierschichtholz, einem zukunftsweisenden Material, das im Vergleich zu Nadelhölzern höhere Biege-, Zug- und Druckfestigkeiten aufweist. Nach Ansicht der Jury ist auch dieses wohlgestaltete Gebäude besonders nachahmenswert, da es exemplarisch als Konzept für kleinere Büro- oder Verwaltungsbauten von Kommunen und Firmen dienen kann.

Forstamt Jena Holzland © Thomas Eicken Eckenfotografie

 

Ebenso ausgezeichnet wurde das Gründerlabor in Würzburg. Konzipiert und entworfen wurde es an der TU Darmstadt unter Prof. Anett-Maud Joppien. Die Planung und Realisierung erfolgte durch Henne Schönau Architekten und Hofmann Keicher Ring Architekten. Es handelt sich um ein signifikantes Gebäude von hoher architektonischer Qualität, das jungen Firmengründern aus der IT-Branche einen inspirierenden Rahmen für gemeinschaftliches Arbeiten bietet. Die transluzente Fassade des „Cube“ genannten Quaders besteht aus einer Konstruktion aus Brettschichtholz in Kombination mit bedruckter Polycarbonatpaneele.

Gründerlabor © Thomas Ott

 

In der Kategorie „Bauen im Bestand“ wurde der Umbau eines alten Stadels zu einem Büchereigebäude im Zentrum von Kressbronn am Bodensee ausgezeichnet. Nach Ansicht der Jury gelang es dem Architekten Thomas Steimle eindrucksvoll, ein Haus mit wenigen architektonischen Mitteln in der heutigen Zeit zu verorten, ohne seine Geschichte zu verdrängen. Durch den Erhalt der städtebaulichen Struktur, ohne äußeren Anbau und ohne Veränderung des prägnanten Satteldaches wurde die historische Bausubstanz auf hohem Niveau weiterentwickelt. Auch im Innenbereich wird die Balance aus Geschichte und Gegenwart zur überzeugenden Qualität dieses Hauses.

Bücherei Kressbronn © Brigida Gonzàlez

 

Preisträger Hochschulpreis Holzbau 2019

Preisverleihung Hochschulpreis Holzbau 2019 – Preisträger 2019
(c) Holzbau Deutschland/M.Hölzel

 

Einen ersten Preis erhielt das Projekt „Platte Plus“ von Maximilian Kurz. Die Arbeit entstand an der Universität Stuttgart, im IBK2 Institut für Baukonstruktion Lehrstuhl 2 und wurde von Dipl.-Ing. Peter Seger, AOR, und Dipl.-Ing. Johannes Pellkofer betreut. Die Jury würdigte diese Arbeit als einen klugen und konsequent durchdachten Entwurf, der Lösungsmöglichkeiten für die Verdichtung städtischer Ballungsräume aufzeigt.

Platte Plus (c) Uni Stuttgart

 

Den zweiten ersten Preis erhielt das Projekt „Institut für digitale Holzverarbeitung“ von Philipp Köpfler und Felix Stach. Diese Arbeit entstand an der HTWG Konstanz an der Fakultät Architektur und Gestaltung und wurde von Prof. Stefan Krötsch und Prof. Dr. Markus Faltlhauser betreut. Das Projekt zeigt klare Strukturen trotz vielseitiger Nutzungsmöglichkeiten und ein durchdachtes Tragwerk mit großer Stützenfreiheit. Es zeigt außerdem einen Weg für den Holzbau auf, Hybridsysteme vermehrt und umfänglich weiter zu entwickeln.

Institut für Holzberarbeitung © HTWG Konstanz

 

Einen dritten Preis erhielt Hendrik Nagel mit seinem Projekt „Studentenwohnheim München“. Auch dieses Projekt entstand an der Universität Stuttgart am IBK2 Institut für Baukonstruktion Lehrstuhl 2 und wurde von Dipl.-Ing. Peter Seger, AOR, Dipl.Ing. Johannes Pellkofer MBA, und Dipl.-Ing. Stefan Robanus betreut. Die Jury war beeindruckt vom Mut des Verfassers, ein Hochhaus in hybrider Bauweise aus Holz und Stahlbeton zu konzipieren. Er war damit der einzige Teilnehmer im Wettbewerb, der die Potenziale des Holzbaus im Hochhaus auslotete. Es ist ein Beitrag um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München zu begegnen.

Studentenwohnheim Muenchen © Uni Stuttgart

 

Pressemitteilung: Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes