Berlin (pm) – Bei einer festlichen Preisverleihung wurden Ende Juni 2026 auf dem EUREF-Campus in Berlin die Preise des Wettbewerbs zum Deutschen Bauherrenpreis 2026 vergeben. Der Deutsche Bauherrenpreis steht traditionell unter dem Motto „Hohe Qualität – tragbare Kosten“ und feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Prämiert werden zukunftsweisende und innovative Beispiele, die den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden und übertragbare Lösungen für bezahlbares, qualitätsvolles und nachhaltiges Wohnen anbieten.
Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 176 Projekte deutschlandweit für den Deutschen Bauherrenpreis beworben. Darunter befinden sich Neubauten, Modernisierungen, Um-bauten sowie Projekte des Bauens im Bestand. Aus der Vielzahl der Einreichungen wurden 30 Projekte für den begehrten Preis nominiert. Die interdisziplinär zusammengesetzte Jury unter dem Vorsitz von Jörn Walter, ehemaliger Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, zeichnete insgesamt fünf Projekte mit dem Deutschen Bauherrenpreis aus.
Drei weitere Beiträge erhielten von der Jury einen Sonderpreis. Mit diesen Sonderpreisen wurden Projekte gewürdigt, die in besonderer Weise beispielhafte Antworten auf zentrale Zukunftsfragen des Wohnungsbaus geben – von der Sicherung sozialer Infrastruktur über die Weiterentwicklung bestehender Quartiere bis hin zur Revitalisierung vorhandener Gebäudestrukturen.
„Der Mut, Gewohntes zu hinterfragen und neue Wege zu gehen, ist der Schlüssel für den Wohnungsbau von morgen. Seit 40 Jahren zeichnet der Deutsche Bauherrenpreis Projekte aus, die zeigen: Gute Architektur, Innovation und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch. Die klügsten Lösungen sind oft nicht die aufwendigsten, sondern die am besten durchdachten. Die diesjährigen Preisträger zeigen: Es geht. Genau solche Projekte brauchen wir als Vorbild für den Wohnungsbau von morgen“, sagt Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
„Der Deutsche Bauherrenpreis zeigt seit vier Jahrzehnten, dass qualitätsvolles Wohnen zu tragbaren Kosten möglich ist. Die ausgezeichneten Projekte sind ermutigende Beispiele dafür, wie bezahlbares und zugleich architektonisch, sozial und ökologisch hochwertiges Wohnen gelingen kann. Sie setzen starke Impulse für lebenswerte Städte und Quartiere. Gleichzeitig dürfen solche Projekte künftig nicht zur Ausnahme werden. Dafür müssen sich die Rahmenbedingungen für bezahlbaren Wohnungsbau endlich spürbar verbessern: Bau- und Finanzierungskosten müssen sinken, Planungs- und Genehmigungsverfahren einfacher werden und die Förderkulisse muss verlässlich genug sein, damit bezahlbarer Neubau wieder in der Breite möglich wird“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.
„Der Deutsche Bauherrenpreis ist wichtig, weil er beweist, dass qualitätsvoller und bezahlbarer Wohnungsbau funktioniert. Er zeichnet diejenigen aus, die den Mut aufbringen, diese Aufgabe anzugehen – weil ihnen Qualität ein unverzichtbares Anliegen ist“, sagt Alexander Poetzsch, Präsident des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA.
„Der Deutsche Bauherrenpreis beweist jedes Mal aufs Neue, dass Projekte mit hoher Qualität zu tragbaren Kosten möglich sind. Die Vielfalt und Lösungsansätze sind dabei beeindruckend. Gemeinsam wollen wir sie publik machen und zur Nachahmung anregen. Damit es aber nicht nur bei den einzelnen guten Beispielen bleibt, sondern alle Projekte diesen Standard erfüllen können, benötigen die Kommunen weitere Erleichterungen im Bau- und Planungsrecht, eine verbesserte Förderpolitik und weniger starre Standards. Alle Faktoren müssen zusammen gedacht und angepasst werden, damit wir das Ziel – mehr bezahlbarer Wohnraum – erreichen“, sagt Uwe Conradt, Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken und Vizepräsident des Deutschen Städtetages.
Der Deutsche Bauherrenpreis ist der wichtigste Preis im deutschen Wohnungsbau und wird von den drei auslobenden Verbänden GdW, BDA und Deutscher Städtetag, die sich zur AG KOOP zusammengeschlossen haben, bereits seit 1986 vergeben. Neben dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen wird der Preis auch vom bdla Bund Deutscher Landschaftsarchitekt gefördert. Der Preis würdigt die besondere Verantwortung von Bauherren für wirtschaftliche, gestalterische, ökologische und soziale Qualität im Wohnungsbau und macht übertragbare Lösungen für die Praxis sichtbar.
Die Preisträger:
W1OXF – Weiler 1 Oxford, Münster
Bauherrschaft: Grüner Weiler eG, Münster
Architektur: office03, Köln; Birgit Brewe Architekten, ARGE Birgit Brewe Architekten & Seraina Merz Architektur, Zürich
Freiraumplanung: SOWATORINI Landschaft, Bochum
Der Grüne Weiler verbindet in vorbildlicher Weise kostenbewusstes Bauen, klimafreundliche Energieversorgung und Suffizienz mit vielfältigen Wohnformen. Die Jury würdigt das Projekt als vorbildliches und übertragbares Beispiel für genossenschaftlichen Wohnungsbau in Deutschland.

LANGHAUS BRAUNSFELD, Köln
Bauherrschaft: DIE EHRENFELDER Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft eG, Köln
Architektur: Damrau Kusserow Architekten BDA, Köln
Freiraumplanung: Studio Grijsbach Landschaftsarchitektur, Bergisch Gladbach
Das Projekt „Langhaus Braunsfeld“ zeigt in vorbildlicher Form, wie schwierige Grund-stücke, die es in vielen Städten gibt, durch kreative architektonische Konzepte sinnvoll erschlossen und nutzbar gemacht und zugleich ein wertvoller Beitrag Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geleistet werden kann.

Mut zum Aufbruch: Aktionsraum Oderbruch, Eberswalde
Bauherrschaft: Wohnungsgenossenschaft Eberswalde 1893 eG, Eberswalde
Architektur: Frank Zimmermann Architekt, Cottbus
Freiraumplanung: Senator. Die Project Management Service GmbH, Dresden
Mit einem fortschrittlichen Baustellenmanagement, transparenter Mieterkommunikation und einer klugen Quartiersvermarktung hat die Genossenschaft ein ehemals tristes Viertel in ein lebendiges, offenes Quartier verwandelt – ein Projekt mit Vorbildcharakter für den Aufbruch im Plattenbaubestand.

Kalksandsteinwerk – urbane Transformation, Bremerhaven
Bauherrschaft: GEWOBA AG Wohnen und Bauen, Bremen
Architektur: Spengler Wiescholek Architektur//Stadtplanung PartGmbB, Hamburg
Freiraumplanung: A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin; p+t planung stadt land freiraum | protzke + theiling GbR, Bremen
Das Projekt „Kalksandsteinwerk – urbane Transformation“ dient als Vorbild für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in bevorzugten Lagen und für die Revitalisierung urbaner Uferzonen, die durch die Neuordnung wieder für die gesamte Bevölkerung zugänglich gemacht wurden.

Roter Backsteinhof am Rathausmarkt, Kronshagen
Bauherrschaft: Baugenossenschaft Mittelholstein eG, Kiel
Architektur: BSP Architekten BDA Schulz, Burwitz und Sternitzke, Partnerschaft mbB, Kiel
Freiraumplanung: Trüper Gondesen und Partner mbB TGP Landschaftsarchitekten BDLA, Lübeck; BSP Architekten BDA, Kiel
Der „Rote Backsteinhof am Rathausmarkt“ bildet die neue Ortsmitte von Kronshagen und verbindet in vorbildlicher Weise Wohnen, öffentliche Nutzungen und gemeinschaftliche Freiräume zu einem identitätsstiftenden Ensemble. Das Projekt zeigt, wie wirtschaftliches Bauen, hohe Wohnqualität und Baukultur zusammengehen.

Die Sonderpreise:
Platensiedlung, Frankfurt am Main
Bauherrschaft: ABG Frankfurt Holding GmbH, Frankfurt am Main
Architektur: Stefan Forster GmbH, Frankfurt am Main
Freiraumplanung: freiraumX, Frankfurt am Main
Die Platensiedlung im Frankfurter Stadtteil Ginnheim ist in Deutschland ein einzigartiges Nachverdichtungsprojekt einer 50erJahre-Siedlung. So viel städtebaulicher Mut und eine so hohe Qualität ist selten. Ein Leuchtturm im Ringen um Flächenverbrauch, bezahlbaren Wohnraum und Klimaverträglichkeit.

Revitalisierung Hochhaus Sterntalerweg, Lübeck
Bauherrschaft: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE mbH, Lübeck
Architektur: ppp architekten + stadtplaner gmbh, Lübeck; AWB Ingenieure GmbH, Lübeck
Freiraumplanung: arbos landscape gmbh, Hamburg
Das Projekt „Revitalisierung Hochhaus Sterntalerweg“ beweist, dass durch präzise bauliche Eingriffe und den Einsatz serieller Elemente eine anonyme Bestandsimmobilie in ein hochwertiges, zeitgemäßes Wohngebäude überführt werden kann, das ökonomische Effizienz mit einem deutlichen Mehrwert für die Bewohnerschaft vereint.

Geförderter Wohnungsbau mit Arztpraxis, Auerbach
Bauherrschaft: Gemeinde Auerbach, Auerbach
Architektur: Bert Reiszky, Architekt BDA, Deggendorf
Freiraumplanung: Jocham Kessler Kellhuber Landschaftsarchitektur Stadtplanung GmbH, Iggensbach
Das Projekt „Wohnungsbau mit Arztpraxis“ in Auerbach beweist, dass baukulturelle Qualität, soziale Stabilität und Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum durch weitsichtiges kommunales Handeln vereinbar sind, und dient als Mutmacher für ähnliche Vorhaben in anderen Kommunen.

Quelle: GdW