13. Juli 2024

Deutscher Architekt*innentag 2023: Veränderung ist möglich.

Berlin (pm) – Über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Architektur, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Stadtplanung sowie zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Forschung tauschten sich am 29.9.2023 im bcc Berlin Congress Center über die Herausforderungen der Bauwende aus.

„Just do it!“ lautete stellvertretend für die Stimmung des Tages die Antwort der dänischen Architektin und Keynote-Speaker Camilla van Deurs, die in Kopenhagen die Politik berät, auf die Frage, wie wir neue Ideen befördern und dabei Tempo machen können.

Die Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel eröffnete den DAT und warb für kluges Transformationsdesign, um Flächenkonkurrenz und Multigewinnstrategien entgegenzuwirken. Im anschließenden Eröffnungspodium stellte Dr. Rolf Bösinger, Staatsekretär im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Ergebnisse des Wohngipfels vor und äußerte seine Anerkennung zur konstruktiven Zusammenarbeit mit den Architekten- und Ingenieurkammern für mehr Experiment beim Wohnungsbau. Keynote Speaker Architekt Christoph Ingenhoven teilte seine Erkenntnisse, dass es nicht immer schwierig sein muss, Bauherren für nachhaltige Lösungen mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu begeistern.

Dr. Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, eröffnete den Veranstaltungsteil nach der Mittagspause mit einer „Grundsatzrede zur Bauwende“ (Online aktuell in der ZDF Mediathek) und betonte darin die gesellschaftliche Dimension von Architektur und Stadtplanung. Nachhaltiges Wachstum sei möglich durch klimaneutrale Energieformen, kluge Materialwahl, Gebäuderecycling und Kreislaufwirtschaft – und weniger Bürokratie, so der Vizekanzler.

Zu sieben Themenräumen in insgesamt 14 Panels diskutierten insgesamt über 60 Speaker aus allen Planungsdisziplinen über das Stadt-Land-Kontinuum, Quartiere, Umbaukultur, Kreislaufwirtschaft, Baustoffe, neue Lösungswege für die notwendige Verknüpfung von High- und Low-Tech Ansätzen und eine neue Ästhetik beim Wiederverwenden von Material. Das Abschlusspodium führte die vielschichtigen Themen des Tages zusammen und leitet konkrete Handlungsempfehlungen und politische Forderungen ab. Der Architekt und Ingenieur Prof Dr. Werner Sobek mahnte, sich nicht von falschen Zielen leiten zu lassen und Fehlentwicklungen nur zu kompensieren, anstatt die Ursachen anzupacken. Der Pritzker-Preisträger und Berliner Architekt Diébédo Francis Kéré lud in seinem Vortrag am Abend als Special Guest alle Gäste zu mehr „Mut zum Wagnis“ ein, denn ohne Architektur könne kein gesellschaftlicher Traum verwirklicht werden.

„Die überaus wertvollen, vielseitigen und sehr persönlichen Beiträge und Diskussionen des Tages haben uns alle inspiriert und Mut gemacht“, sagt Andrea Gebhard, die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. „Veränderung ist möglich. Jede Aufgabe lädt ein, zu lernen, in den Dialog zu gehen, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Ideen umzusetzen. Räume stärken, darum geht es bei unserer Arbeit. Wir müssen die ökologischen Fragen in ihrer Gesamtheit ernst nehmen und als lebendige Baukultur umsetzen. Bestehendes nutzen und aufwerten, sorgsam mit Flächen haushalten, Standards hinterfragen, Experimentierfelder und Reallabore entwickeln. Die Diskussionen nahmen alle wesentlichen Handlungsfelder unter die Lupe, denn wir müssen mehr verflechten, umbauen, mischen, materialisieren, wertschätzen, zusammenarbeiten, einnehmen und wiederverwenden. Lassen Sie uns dazu produktive Risikogemeinschaften bilden!“

ABSCHLUSSBOTSCHAFTEN DAT/23 – WIRKUNGSVOLLES HANDELN VERSTETIGEN. JETZT.

  1. VERANTWORTUNG FÜR DIE WELT VON MORGEN ÜBERNEHMEN

Jede Planung verpflichtet uns, den schonenden Umgang mit unseren Ressourcen, Energie und Flächen als oberste Priorität zu setzen und damit den sozialen Zusammenhalt zu gestalten.

  1. GEBÄUDEBESTAND PRIORISIEREN

Die bewusste Einbindung des Baubestandes und die Anwendung kreislaufgerechter Bautechniken erweisen sich als klügere Wahl im Vergleich zu Abriss und Neubau. Grüne und blaue Infrastrukturen verbinden Kulturräume mit Naturräumen und transformieren unsere gebaute Umwelt.

  1. INNOVATION ERMÖGLICHEN

Planungsansätze wie zum Beispiel der Gebäudetyp-e laden neue Ideenkulturen ein, um dem kostengünstigen Bauen und der Ressourcenschonung den Weg zu ebnen. Die mutige Gestaltung nachhaltiger Bauwerke schafft neue Visionen für Architektur.

  1. AUS- UND WEITERBILDUNG VERTIEFEN

Die Förderung von Nachhaltigkeit in Planung und Bau erfordert eine Intensivierung von Aus- und Weiterbildung sowie Forschung – für den Paradigmenwechsel und die Zukunft unserer Branche.

  1. DISZIPLINÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT STÄRKEN

Eine frühzeitige und enge Kooperation zwischen Bauherrinnen, Architekten, Ingenieurinnen, Fachplanern und Baufirmen ist die unabdingbare Grundlage für Synergien und neue Lösungswege.

  1. FORDERN UND FÖRDERN

Finanzielle Anreize und transparente Informationen über bauliche Möglichkeiten stärken Auftraggebende und Planende zur effektiven Bewältigung von Zielkonflikten. Das ist der Schlüssel für eine neue nachhaltige Gestaltung.

  1. POLITISCHE ZYKLEN ÜBERWINDEN

Überzeugende Praxisbeispiele für Nachhaltigkeit untermauern einen notwendigen Rechtsrahmen, um die Unsicherheit begrenzter politischer Zyklen zu überwinden auf dem Weg in eine grünere Zukunft.

Quelle: Bundesarchitektenkammer