30. Mai 2020

„DesignBuild“: Plattformen für den Wissensaustausch schaffen

Sto-Stiftung fördert Kunstausstellung „DesignBuild“ an der Pinakothek der Moderne in München

Prof. Dr. phil. Andres Lepik ist Direktor des Architekturmuseums der TU München, einem der vier Museen in der Münchener Pinakothek der Moderne, und gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der TUM. Foto: Ester Vletsos

Essen (pm) – Prof. Dr. phil. Andres Lepik ist Direktor des Architekturmuseums der TU München, einem der vier Museen in der Münchener Pinakothek der Moderne, und gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der TUM. Am 19. Mai 2020 eröffnet das Architekturmuseum erstmalig in Deutschland eine Ausstellung zum Thema „DesignBuild“. Unter dem Titel „Experience in Action!“ werden studentische Bauprojekte präsentiert, die weltweit in Eigenregie realisiert wurden. Die Ausstellung läuft bis zum 13. September 2020 und wird von der gemeinnützigen Sto-Stiftung gefördert. Wir trafen Professor Lepik vorab zum Interview.

 

Professor Lepik, die von Ihnen betreute Ausstellung legt nahe, dass Sie ein Verfechter von „DesignBuild“ sind. Wie kam es zu der Idee für die Ausstellung?

In der von mir kuratierten Ausstellung „Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement“ von 2010 im MoMA, New York konnte ich ein Projekt von Rural Studio präsentieren. Rural Studio ist ein „DesignBuild“ Programm, das in den USA schon seit 1994 existiert. In einer strukturschwachen Region in Alabama hat Rural Studio seither über 150 Projekte gebaut. Ich habe erkannt, dass solche Programme große Wirkung auf die Studierenden, aber auch für Menschen in unterversorgten Gebieten haben. Seither hatte ich wahrgenommen, dass immer mehr Architekturschulen solche Programme anbieten, auch in Europa, darunter auch die TUM, an der ich lehre.

An wen richtet sich die Ausstellung und welche Impulse möchten Sie vermitteln?

Die Ausstellung soll sowohl die aktiv in „DesignBuild“ Programmen beteiligten Dozenten und Studenten, aber auch eine breite Öffentlichkeit erreichen. Unser Ziel ist es, deutlich werden zu lassen, dass die akademische Lehre im Architekturbereich den Elfenbeinturm verlassen hat und an einem positiven Wandel der globalen Gesellschaft mitwirken kann.

Was kann „DesignBuild“ leisten?

„DesignBuild“ kann, wenn es von den Lehrenden professionell vorbereitet wird, auf drei Ebenen positive Wirkungen entfalten. Erstens entstehen so sozial wirksame Bauten wie Kindergärten, Schulen und Kliniken in unterversorgten Gebieten. Damit wird ein Anschub zu medizinischer, edukativer, sozialer und kultureller Versorgung gegeben. Zweitens kann „DesignBuild“ zu einer nachhaltigen Anregung des lokalen Handwerks führen, wenn hier – wie es oft geschieht – mit regionalen Traditionen und Materialien gearbeitet wird und gemeinsam mit den Handwerkern vor Ort nach Innovation und Verbesserung gesucht wird. Ein dritter Faktor ist die starke Veränderung des Bewusstseins der teilnehmenden Studierenden, die in Teams unter realen Bedingungen soziale Projekte umsetzen und damit die gesellschaftliche Dimension des Berufsfelds kennenlernen.

Wie können Ihrer Meinung nach praktische Erfahrungen der Studierenden die akademische Ausbildung beeinflussen?

Es gibt immer mehr Hochschulen, die „DesignBuild“ Programme anbieten, meist auf freiwilliger Basis und mit eingeschränkter Reichweite, weil es in der Regel mehr Bewerber als Plätze gibt. Notwendig wäre es, die Erfahrungen der Studierenden aus solchen Programmen methodisch zu evaluieren und hier Plattformen für den Wissensaustausch zu schaffen. Oft entstehen solche Programme noch zu oft als private Initiative eines Dozenten, es wäre meines Erachtens nach auch notwendig, hier stabile akademische Strukturen aufzubauen, die eine übertragbare Methodik, nachhaltige Forschung und gezielte Weiterentwicklung gewährleisten.

Welche Erfahrungen können Sie aus Ihrer Arbeit als Architekturprofessor an der TUM zu der Ausstellung beisteuern?

Durch die Betreuung theoretischer und methodischer Untersuchungen kann ich den Studierenden im Ansatz eine übergreifende Denkweise vermitteln, ihnen beibringen, wie sie die Projekte in einem breiteren Kontext verstehen lernen. Vor allem aber möchte ich durch die Ausstellung, die Konferenz und den begleitenden Katalog die Anregung und Grundlage schaffen, dass noch mehr Studierende solche Programme in ihren Hochschulen fordern.

Wie sind Sie auf die Arbeit der Sto-Stiftung, insbesondere die Förderung studentischer Summerschool-Projekte, aufmerksam geworden?

Bei den Recherchen zu sozial wirksamen Architekturprojekten im Allgemeinen und in der Vorbereitung der Ausstellung sind mir immer wieder qualitativ hochwertige Projekte aufgefallen, die durch das Summerschool-Programm der Sto-Stiftung gefördert worden sind. Ich hoffe, dass wir die Zusammenarbeit in der nächsten Zukunft noch intensivieren können, weil sich die Erfahrungen von beiden Seiten gegenseitig gut ergänzen lassen.

Hatten Sie bereits im Rahmen Ihrer Lehrtätigkeit an einem „DesignBuild“ oder Summerschool-Projekt der Sto-Stiftung gearbeitet?

Um ehrlich zu sein,: Ich bin persönlich kaum in der Lage, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen, meine Mitwirkung an einem solchen Projekt wäre vermutlich eher hinderlich. Aber ich stehe bei den laufenden und geplanten Projekten hier an der TUM immer wieder als Berater bei, vor allem um Studierenden den methodischen Hintergrund zu geben.

Sie selbst sind Architekturhistoriker und beschäftigen sich vor allem mit der Vergangenheit. Inwiefern kann „DesignBuild“ Impulse für die Architektur von Gegenwart und Zukunft geben?

„DesignBuild“ ist als Instrument der Architekturlehre noch vergleichsweise neu, vor allem in der Ausrichtung auf soziale Wirksamkeit. Ich glaube, dass nur durch eine solide Kenntnis der bereits gesammelten Erfahrungen und durch eine vergleichende und kritische Auswertung von Referenzprojekten eine dauerhafte Verbesserung der „DesignBuild“ Programme in der Planung, Umsetzung und Wirkung erreicht werden kann. Der differenzierte Blick auf die Geschichte schärft die Wahrnehmung für die Grundlagen der eigenen Möglichkeiten und damit eine bessere Grundlage für neue Ansätze.

Pressemitteilung: Sto-Stiftung