27. November 2022

Der Wiederaufbau der Bauakademie – Plädoyer des BDA Berlin für eine historische Chance

(c) Rainer Gollmer

Berlin (pm) – Die Wiedererrichtung der Bauakademie, um die jahrzehntelang gerungen wurde, ist seit dem Haushaltsbeschluss des Deutschen Bundestages 2016 unter dem Motto «so viel Schinkel wie möglich» beschlossene Sache. 2017/18 wurde ein international offener Pro-grammwettbewerb durchgeführt und damit die Basis für die Nutzung durch die Bundesstif-tung Bauakademie als offenes Haus geschaffen. Das erklärte Ziel heißt, dem Bauen der Zukunft einen Ort zu geben: im Diskurs und Dialog, im Experiment und Ausstellen und in der Bauweise selbst.

Nun endlich ist der international offene Realisierungswettbewerb für das kommende Jahr geplant. Um den Ansprüchen Historie, Nachhaltigkeit und Innovationskraft gerecht zu wer-den, wurde zur Wettbewerbsvorbereitung ein Thinktank berufen. Aufgabe dieses Ex-pert*innengremiums ist die Erarbeitung von „Handlungsempfehlungen für die Wettbe-werbsauslobung, die Zielmarken des nachhaltigen Bauens, z.B. zur Lebenszykluskostenbe-trachtung, zum ressourcenschonenden Materialeinsatz, zu digitalisierten Planungs-, Bau- und Nutzungsprozessen sowie zur Rekonstruktion“.

Die Vorbereitung der Auslobung scheint allerdings paradox:
Anstatt das Ergebnis des noch laufenden Thinktanks abzuwarten, präsentierte die Senats-verwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen jüngst den Entwurf einer Gestal-tungsverordnung, welche die originalgetreue äußere Gestalt auf Grundlage der Schinkel-schen Bauzeichnungen festsetzt und damit weit über die aktuell im Bebauungsplan festge-setzten stadträumlichen Vorgaben zu Kubatur und Außenmaßen hinausgeht. Dies steht im Widerspruch zum abgestimmten Verfahren, aber auch zum Vorhaben selbst: Denn die historische Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel stand in ihrer Zeit für Innovation und zukünftige Bauweisen. Im Sinne der heute dringend gebotenen Nachhaltigkeit bedeutet die Festlegung auf eine originalgetreue Rekonstruktion hingegen einen Rückschritt, der bei-spielsweise re-use Lösungen unmöglich macht und das erklärte 1,5°C-Klimaziel völlig außer Acht lässt.
Damit untergräbt die vom Berliner Senat geplante Gestaltungsverordnung bereits jetzt die gesteckten Ziele für die Errichtung des neuen Gebäudes.

Mit ihrer Vorgabe zur originalgetreuen Rekonstruktion formuliert die Senatsverwaltung ihr Misstrauen in die zeitgenössische Baukultur. Warum soll sich gerade die Bauakademie nicht den aktuellen Fragen nach klima- und ressourcengerechten Bauweisen stellen? Die Antworten zur Zukunft des Bauens sind so dringend gesucht, und es gibt kein Bauvorhaben mit einer vergleichbaren öffentlichen Strahlkraft und internationalen Bedeutung. Gerade deshalb ist es so wichtig, das Vorhaben nicht durch eine Gestaltungsverordnung, die der Aufgabe nicht gerecht wird, und unter Missachtung des hoch qualifizierten Thinktanks einzuengen. Eine Banalisierung der Bauakademie in Zeiten der weltweiten Material- und Klimakrise sollten wir uns nicht leisten.
Welche Chance besteht darin, in einem offenen Realisierungswettbewerb die besten Ideen zu finden und daraus die zeitgemäße Antwort für die Wiedererrichtung der Bauakademie zu schaffen!

Gleichzeitig zeigt die Vorgehensweise der Senatsverwaltung, wie laufende Verfahren mit einem hervorragend besetzten Experten-Thinktank und inhaltlichem Anspruch in Frage gestellt werden – ein durchaus fragwürdiger Umgang mit der Planungs- und Baukultur.

Mit Blick auf den Wettbewerb ist schließlich bereits abzusehen, dass durch einen solchen Vorgriff auf die äußere Form das Verfahren in ein Dilemma geführt und eine Auslobung hervorbringen wird, die nur unbefriedigende Ergebnisse als Resultat haben wird – Inhalt und Form können auf diese Weise nicht zusammen gedacht und in Einklang gebracht werden.
Der BDA Berlin fordert die Senatsverwaltung auf, einen echten zukunftsoffenen Realisie-rungswettbewerb im Sinne Karl Friedrich Schinkels zur Wiedererrichtung der Bauakademie zuzulassen und sich als oberste Bauherrin der Stadt vorbildhaft und ohne Einschränkungen für eine angemessene Verfahrens- und Planungskultur einzusetzen!

Pressemitteilung: BDA Berlin