2. Dezember 2021

David Jan Wilk von der TU Dortmund erhält international renommierten Architekturpreis

Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur

David Jan Wilk hat einen Fritz-Höger-Preis für seine Masterarbeit „Pathos Backstein – Eine Betrachtung der Entwicklung von Lehre und Rezeption sichtbaren Backsteinmauerwerks“ erhalten. Foto: Privat.

Dortmund (pm) – TU-Mitarbeiter David Jan Wilk hat die Fachjury des Fritz-Höger-Preises mit seiner Masterarbeit „Pathos Backstein – Eine Betrachtung der Entwicklung von Lehre und Rezeption sichtbaren Backsteinmauerwerks“ überzeugt und eine Auszeichnung in der Kategorie „Newcomer“ erhalten. Er konnte sich damit gegen fast 600 weitere Einreichungen aus aller Welt durchsetzen. Der Preis zählt zu den wichtigsten Architekturpreisen in Deutschland und stößt auch international auf große Resonanz. Mit ihm werden Projekte prämiert, die das Potenzial des Baustoffs Backstein nutzen, der auch im Ruhrgebiet traditionell verbaut ist. Der Preis wird alle drei Jahre in verschiedenen Kategorien verliehen, die ökonomische, ökologische und gestalterische Aspekte berücksichtigen.

David Jan Wilk hat in seiner Abschlussarbeit die Rezeption von Backstein in der Baupraxis untersucht. Backsteinflächen und -bauten werden von einer kleinen Berufsgruppe aus den Bereichen Architektur und Handwerk entworfen – rezipiert werden sie aber von der breiten Öffentlichkeit. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der TU Dortmund hat deshalb den Zusammenhang zwischen dem „Vorgegebenen“ und dem „Empfundenen“ erforscht. „Man kann bei der Architektur immer den Vergleich zur Musik ziehen, die Harmonie sucht und Missklänge vermeidet. Diese Wahrnehmung der Ruhe in der Fläche und Unruhe im Einzelnen, die Logik der Fügung und Abfolge des Backsteins im Verband und in der Konstruktion ist auch für Laien sichtbar“, erklärt David Jan Wilk.

Die Arbeit nimmt sich damit eines Themas an, das in der Architekturdebatte nicht unbedingt im Fokus liegt. Denn die Wahrnehmung von Bauten und die unbewusste Wertung von Architektur werden dabei oftmals außen vor gelassen. „Selbstverständlich nutzt die Backsteinindustrie den emotionalen Faktor, der Assoziationen wie ‚handwerklich‘, ‚robust‘ oder ‚für die Ewigkeit‘ ermöglicht, zu ihrem Vorteil. Trotzdem sollte der Einsatz eines Materials der Architektur dienen und nicht Selbstzweck sein. Diesen Aufruf formuliert meine Arbeit“, sagt David Jan Wilk.

Für diese hat er den Fritz-Höger-Preis 2020 als Special Mention in der Kategorie „Newcomer“ erhalten und sich gegen rund 600 Einreichungen durchgesetzt. Es ist zugleich die erste Auszeichnung für eine schriftliche Arbeit beim Fritz-Höger-Preis. Dieser wird seit 2008 von der „Initiative Bauen mit Backstein“ der Deutschen Ziegelindustrie in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA e.V.  sowohl für handwerkliche, als auch innovative Lösungen mit Backstein verliehen.

Der unabhängige und nicht-kommerzielle Architekturpreis ist international hoch angesehen. Auch die Jurymitglieder und Teilnehmenden sind international vertreten; weitere Gewinnerinnen und Gewinner stammen bespielweise aus Mexiko und Spanien. Der Preis soll auch dazu dienen, dem Produkt Backstein zu neuer Öffentlichkeit zu verhelfen. Denn der Baustoff weist viele Vorteile auf. „Backstein kann Jahrhunderte überleben und für fast alle Aufgaben des Bauens genutzt werden. Er ist mit lokalen Rohstoffen zudem in jedem erdenklichen Format herzustellen. Die Potenziale des Backsteins werden zunichtegemacht, sobald er ausschließlich als Dekorationselement genutzt wird“, erklärt David Jan Wilk. „Ein Backstein ist nachhaltig, was vor allem in Zeiten von Rohstoffknappheit eine wichtige Rolle spielt“, ergänzt er.

Der Einfluss der Backsteinarchitektur ist bis heute im Ruhrgebiet zu spüren. Vor allem viele denkmalgeschützte Bauten sind in ihrer Konstruktion oder Fassade aus Backstein. „Das liegt an der lokalen Baukultur, die gerade in Zeiten des Bergbaus vom Backstein lebte. Blickt man in die Zukunft des Backsteins für das Ruhrgebiet und allgemein, sollte man sich folgende Fragen stellen: Welche Rolle kann der Backstein langfristig für das Ruhrgebiet haben? Wie können wir sinnvoll mit Rohstoffen und Konstruktionen umgehen? Der Backstein liefert einige Denkanstöße für eine im Kern nachhaltige Bauweise, die von Architekturtrends unabhängig ist“, sagt David Jan Wilk. In seiner Forschung wird er sich deswegen weiter mit der Rezeption gebauter Werke und mit dem Baustoff Backstein auseinandersetzen.

Pressemitteilung: TU Dortmund