9. Juli 2020

DAM PREIS 2019: Die Finalisten

DIE FINALISTEN STEHEN FEST: VIER BAUTEN SIND IN DER ENDRUNDE FÜR DEN DAM PREIS FÜR ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND 2019

WAECHTER + WAECHTER ARCHITEKTEN AIZ Ausbildungs- und Seminargebäude, Bonn Foto: Thilo Ross, Heidelberg

Frankfurt am Main (pm) – Die Finalistengruppe des DAM Preis 2019 bilden vier Projekte aus den Bereichen Wohnen, Kultur und Bildung – jedes von ihnen mit einer sehr spezifischen Bauaufgabe, Komplexität und städtebaulichen Bedeutung. Die Jury wählte folgende Projekte (in geographischer Sortierung von Norden nach Süden) als Finalisten:

 

Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt, Berlin ARGE IFAU / HEIDE VON BECKERATH

ARGE IFAU / HEIDE VON BECKERATH Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt, Berlin Foto: Andrew Alberts

Das Projekt beruht auf einem Konzeptverfahren für das Gelände der ehemaligen Blumengroßmarkthalle in Berlin-Kreuzberg, die heute als Erweiterung des Jüdischen Museums an der Lindenstraße dient. Das Programm für die gemischte Baugruppe besteht aus Ateliers und Wohnungen in Eigentum, genossenschaftlichen Wohn- und Atelierflächen, Wohnungen für einen sozialen Träger sowie Gewerbeflächen. Das Gebäude folgt der maximal möglichen Auslegung des Bebauungsplans. Die Architektur beruht auf drei horizontalen und über zwei Treppenhäuser verbundenen Erschließungswegen sowie auf dem Verhältnis zwischen der Gebäudehülle und fünf innenliegenden Lichthöfen. Das Erdgeschoss wird über einen umfahrbaren Weg erschlossen, an den drei Hauseingänge sowie die Zugänge zu unterschiedlichen, teilweise mehrgeschossigen Ateliers, einem Garten, gemeinschaftlichen Hauswirtschaftsräumen und dem Keller angeschlossen sind.

Eine der drei Erschließungsachsen befindet sich als Rue intérieure auf Ebene 1 und ist mit begrünten Lichthöfen verbunden. Hier liegen nach Süden kleine Studiowohnungen. Die Räume nach Norden mit den darüberliegenden Wohnungen, die über einläufige Treppen direkt erreicht werden, sind intern verbunden. Die obere Erschließungsachse befindet sich im Außenbereich auf Ebene 4. Auch hier werden, jedoch vertikal gespiegelt, zwei Ebenen gleichzeitig erschlossen. Hinzu kommen weitere Ateliers, ein Gemeinschaftsraum und der Dachgarten sowie Terrassenflächen auf dem darüberliegenden Deck.

 

Modernisierung, Umbau Kulturpalast, Dresden GMP – ARCHITEKTEN VON GERKAN MARG UND PARTNER

GMP – ARCHITEKTEN VON GERKAN MARG UND PARTNER Modernisierung, Umbau Kulturpalast, Dresden Foto: Christian Gahl / gmp Architekten

Der Umbau und die Sanierung des Kulturpalasts Dresden umfasste den Neubau eines Konzertsaals für 1.800 Besucher im Kern des Bestandsbaus, der gemäß denkmalpflegerischen Vorgaben strukturell erhalten wurde. Dabei wurde die originäre Bausubstanz rekonstruiert und in die Neugestaltung integriert; die Fassaden wurden energetisch saniert. Mit den Hauptnutzern Dresdner Philharmonie, Städtische Zentralbibliothek und Kabarett Herkuleskeule entstand ein neues Miteinander von Kultur, Bildung und Unterhaltung, das sich räumlich im großen Südfoyer verdichtet, welches als gemeinschaftliche Erschließung dient. Der Kabarettsaal befindet sich unterhalb des Konzertsaals, der passgenau wie ein Futteral von den Räumen der Bibliothek umschlossen wird. Einen Akzent setzt der aus dem Ursprungszustand übernommene Rotton der textilen Oberflächen, der sich als Leitmotiv durch das Gebäude zieht.

Die Architektur des Konzertsaals folgt dem Typus des »Weinbergs« mit einer in das hexagonale Baufenster eingepassten terrassenartigen Anordnung der Sitzplätze. Akustisch unterstützt der Saal den traditionell dunkleren Klang der Dresdner Philharmonie und ermöglicht zugleich die multifunktionale Nutzung für weitere Veranstaltungsformen. Mit der Neukonzeption des Kulturpalasts verfügt Dresden über einen Konzertsaal von internationalem Rang in einem konzeptionell offenen Haus der Kultur und des Wissens, das als Ort bürgerschaftlicher Begegnung und Kommunikation an die gelebte Tradition des Gebäudes anknüpft.

 

AIZ Ausbildungs- und Seminargebäude der Akademie für Internationale Zusammenarbeit, Bonn WAECHTER + WAECHTER ARCHITEKTEN

WAECHTER + WAECHTER ARCHITEKTEN AIZ Ausbildungs- und Seminargebäude, Bonn Foto: Thilo Ross, Heidelberg

Der strukturalistische, clusterartige Entwurfsansatz drückt die Unruhe des Lernens aus – das ständige Suchen, Reflektieren, das Ausschweifen, das Neugierige, in alle Richtungen Schauende, dies trotz allem diszipliniert und mit systematischer Ordnung. Der pavillonartige Neubau schmiegt sich in den Landschaftsraum des angrenzenden Kottenforsts und fügt sich kleinteilig und maßstäblich in den gebauten, heterogenen Kontext ein. Die vielgliedrig gestufte Fassade erlaubt Ausblicke in mehrere Richtungen um das lernende Suchen zu ermöglichen. Die Lernorte sind in beiden Ebenen um Innenhöfe angeordnet, woraus sich klare, kurze und seitlich gut belichtete Rundwege ergeben.

Die netzartige Gebäudestruktur wird in ein Holzskelett mit klarem, durchgehenden Stützenraster und wirtschaftlichen Spannweiten übertragen und ermöglicht eine hohe Variabilität und Flexibilität. Es entsteht eine vielfach gegliederte, multimodale und kommunikationsorientierte Lernlandschaft, welche zum differenzierten und selbstorganisierten Lernen und Arbeiten einlädt. Durch den auf nur zwei Rasterfeldgrößen basierenden Grundriss wird die Anzahl der Bauteilanschlüsse auf ein Minimum reduziert, sodass die Vorzüge der modularen Bauweise optimal ausgenutzt werden. Der kompakte Baukörper, bauliche passive Maßnahmen und eine effiziente Anlagentechnik erreichen die gewünschte Energieeffizienz und bilden in Kombination mit ressourcenschonenden Materialien die Grundlage für den DGNB-Standard Gold.

 

Stadtbibliothek, Rottenburg HARRIS + KURRLE

HARRIS + KURRLE Stadtbibliothek, Rottenburg Foto: Roland Halbe

An der Schnittstelle zwischen mittelalterlicher Altstadt und bischöflichem Palais sollte eine neue Stadtbibliothek entstehen, die darüber hinaus an prominenter Stelle als Treffpunkt für die Bürger dient. Auf stadträumlicher Ebene ist ein kommunizierender Baustein entstanden, bei dem Themen im Gefüge der Umgebung aufgenommen, interpretiert und neu wiedergegeben werden. So konnte etwas Neues entstehen, dessen Code aus der Umgebung gespeist wird. Der Baukörper für die Stadtbibliothek wurde in Anlehnung an die geknickte Bauform des Nachbargebäudes entwickelt. So entsteht ein räumlicher Dialog. Das Grundstück liegt an der Schnittstelle ganz unterschiedlicher Maßstäbe. Die verschiedenen Traufhöhen des Neubaus – bedingt durch das gerade Satteldach auf der geknickten Gebäudeform – vermitteln zwischen dem imposanten bischöflichen Palais und den niedrigeren Gebäuden der Altstadt.

Ein Gebäuderücksprung weist auf den Eingang hin. Im Erdgeschoss gelangt man an einer großzügigen Theke vorbei in das Lesecáfe, das im Sommer über Schiebetüren zu einem Straßencafé erweitert wird. Die Innenwände der Bibliothek sind weitgehend mit Regalen belegt, es entstehen Bücherräume. Unterbrochen werden diese durch große Fenster mit tiefen Laibungen, die zum Sitzen und Lesen geeignet sind. Die Leser werden von außen sichtbar und transportieren so die Funktion des Hauses in den öffentlichen Raum. Von innen bietet jedes der Lesefenster einen eigenen, gerahmten Blick in die Stadt.

 

AUSSTELLUNG. 26. Januar – 21. April 2019 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Schaumainkai 43, Frankfurt am Main

Pressemitteilung: DAM /Stadt Frankfurt