9. Juli 2026

Cybersecurity in der Gebäudeplanung: Wie sich Smart Buildings wirksam gegen Bedrohungen schützen lassen

Gastbeitrag – Vernetzte und automatisierte Bürogebäude sind mittlerweile kaum wegzudenken aus Metropolen und Ballungsgebieten in Deutschland. Woran häufig aber zu wenig gedacht wird: Je digitaler ein Gebäude, desto höher die Anfälligkeit für Cyberattacken und digitale Bedrohungen. Neue Gesetze und Richtlinien sollen Sicherheit bieten, doch reichen diese Standards und gesetzlichen Vorgaben bei Weitem nicht aus. Wer Gebäude zukunftssicher planen will, sollte Cybersecurity deshalb von Anfang an mitdenken.

Keine digitale Infrastruktur, keine Effizienz. So die einfache Regel in der modernen Gebäudeplanung. Gebäudeautomation, Energiemanagement, Zutrittskontrolle oder Klimatechnik kommunizieren über digitale Netzwerke und sorgen für einen effizienten Betrieb. Doch mit dem steigenden Digitalisierungsgrad wächst auch die Angriffsfläche für Cyberattacken. Malware und Ransomware zielen vor allem auf Firewalls und Router ab und legen einzelne oder mehrere Komponenten der Gebäudesteuerung lahm. Im schlimmsten Fall bis hin zum Stillstand des kompletten Gebäudes. Gerade bei Finanzmarktteilnehmern wie Banken oder Versicherungen ein No-Go. Aber auch für alle anderen Unternehmen kann ein Ausfall der Systeme existenzgefährdend sein.

Cybersecurity ist Planungsaufgabe – von Anfang an

Doch obwohl die Konsequenzen für Unternehmen massiv sein können, wird Cybersecurity noch zu oft unterschätzt. Das hat Nachteile, weil sich viele Sicherheitsmaßnahmen später nur mit hohem technischen und finanziellen Aufwand nachrüsten lassen. Cybersecurity muss darum schon in der frühen Planung berücksichtigt werden, so selbstverständlich wie beispielsweise Brandschutz und Energieeffizienz auch. Damit ist sie keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern Teil einer ganzheitlichen technischen Gebäudeplanung.

Gesetzliche Vorgaben und Standards reichen nicht aus

Richtlinien sollen helfen, die Sicherheit in Smart Buildings zu stärken. Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) hat die Europäische Union erste Anforderungen an die Sicherheit digitaler Produkte geschaffen. Hersteller müssen Sicherheitslücken minimieren, Updates bereitstellen und bekannte Schwachstellen melden.

Doch der Anspruch moderner, gewerblich genutzter Smart Buildings geht über Einzellösungen auf Bauherren- und Herstellerseite weit hinaus. Für sie braucht es ganzheitliche Sicherheitskonzepte. Diese umfassen unter anderem:

  • Physikalische und digital getrennte Gebäude- und Mieternetzwerke
  • Eine hochverfügbare und professionell gesteuerte digitale Infrastruktur mit konsequentem Patch- und Update-Management
  • Einsatz zertifizierter Hard- und Softwarekomponenten, die updatefähig und mit allen anderen Komponenten kompatibel sind
  • Kontinuierliche Überwachung der Sicherheit und regelmäßige Stress-Tests

Mehr Handlungsdruck durch kriminellen Einsatz von KI

Besondere Aufmerksamkeit gilt an dieser Stelle dem Thema Künstliche Intelligenz (KI). Denn durch deren rasante Entwicklung hat die Bedrohungslage von Smart Buildings ein neues Niveau erreicht. Die Konsequenzen und Gefahrentrends können wir heute noch gar nicht genau absehen. Was jetzt aber schon passiert: KI ermöglicht es Angreifern, Schwachstellen automatisiert zu identifizieren, Phishing- und Social-Engineering-Attacken präziser zu formulieren und Angriffe deutlich schneller und gezielter durchzuführen. So sind selbst gut abgesicherte Systeme KI-gesteuerten Attacken ausgeliefert.

Nachhaltige Gebäude müssen deshalb künftig nicht nur energieeffizient, sondern auch digital resilient sein. Je höher der Digitalisierungsgrad, desto wichtiger ist es, Cybersecurity als integralen Bestandteil der technischen Gebäudeplanung, des laufenden Gebäudebetriebs und der gesamten Gebäudeinfrastruktur zu verstehen.

Gastbeitrag von Sven Diehl, Geschäftsführer SBC GmbH Frankfurt

Sven Diehl, Geschäftsführer SBC GmbH Frankfurt

Sven Diehl ist Geschäftsführer der SBC GmbH Frankfurt sowie der SBC.sim. Das unabhängige Beratungsunternehmen entwickelt ganzheitliche Konzepte für nachhaltige, digitale und smarte Immobilien. Die Beratung umfasst dabei alle Schritte von der frühen Planung über die Betriebsphase bis hin zu Monitoring und Zertifizierung. Das Schwesterunternehmen SBC.sim ergänzt die Leistungen um Gebäudesimulationen, datenbasierte Analysen und KI-Gebäudebetrieb. https://sbc-frankfurt.com/