15. Juli 2024

Chaos-Studie: 92% der deutschen Stadtbewohner wünschen sich besser gestaltete Städte der Zukunft, um den Klima- und Wirtschaftsherausforderungen zu trotzen

© Chaos

Karlsruhe (pm) – Laut der von Chaos durchgeführten Umfrage erwägen 55% der deutschen Befragten, aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen aus Städten wegzuziehen.

Die Städte von heute müssen sich verändern. Es gibt zahlreiche Probleme, die sich negativ auf das körperliche und geistige Wohlbefinden ihrer Bürger auswirken. Doch wie genau muss dieser Wandel aussehen?

Chaos, einer der führenden Anbieter von 3D-Visualisierungstechnologien, enthüllt heute seine Studie “Architects of Change”. Die Ergebnisse der Studie betrachten die aktuellen Erfahrungen und Herausforderungen der Einwohner in urbanen Räumen sowie die wesentlichen Merkmale für lebenswertere und nachhaltigere Städte der Zukunft. So sollen Architekten und Planer besser verstehen können, wie sie künftig Städte (zum Beispiel mit Hilfe digitaler Visualisierung, die bereits im Planungsprozess eingesetzt wird) optimierter gestalten können.

Im Januar befragte Chaos gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Censuswide 4024 Großstadtbewohner ab 16 Jahren in Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich und den USA. Einige der Erkenntnisse waren hierbei:

Die Mehrheit der deutschen Großstädter (64%) berichten, dass die wirtschaftlichen Belastungen sowie steigende Lebenshaltungskosten und Miete die Lebensqualität negativ beeinträchtigen.

42 % der deutschen Großstadtbewohner haben bereits konkret über einen Auszug nachgedacht, z. B. wegen steigender Miet- und Lebenshaltungskosten (55%). Ein Prozentsatz, der bei den 25- bis 34-Jährigen sogar über 56% liegt.

51% der deutschen Befragten geben an, dass Temperaturextreme in der Stadt das Wohlbefinden im letzten Jahr beeinträchtigt haben.

Knapp ein Viertel (23%) der Befragten geben an, dass sich ihr urbanes Zuhause (beispielsweise durch externe Faktoren wie Klima, Kosten, Lärm etc.) negativ auf ihr psychisches Wohlbefinden auswirkt.

Klima & Lifestyle: Herausforderungen in städtischen Räumen

Während Städte zwar viele Möglichkeiten bieten (von Jobs über Unterhaltung bis hin zu Kultur und Lebensraum), gibt es in vielen anderen Bereichen Herausforderungen, die sich negativ auf das Leben und das Wohlbefinden der Bewohner auswirken und das Stadtleben generell erschweren.

Nach den Ergebnissen der Chaos-Studie sagen in Deutschland mehr als ein Drittel (37%) der Befragten aus, dass Verkehr und Umweltverschmutzung zu den größten Problemen in städtischen Gebieten zählen, dicht gefolgt von der Luftqualität (35%) sowie dem Geräuschpegel (34%). Auch der Zugang zu Parkplätzen wurde von rund einem Viertel der Deutschen kritisiert (25%), ebenso wie die Überbevölkerung in urbanen Räumen (24%).

Global betrachtet liegen die Zahlen sogar noch etwas höher mit Verkehr (42%), Luftqualität (38%), Zugang zu Parkplätzen (29%) und Überfüllung (27%).

Interessant ist hier auch der Vergleich zwischen den verschiedenen Regionen. So ist beispielsweise der Prozentsatz derer, die Verkehr als größtes städtisches Problem sehen in Brandenburg und Schleswig-Holstein (jeweils 50%) sowie Sachsen (44%) und Baden-Württemberg (42%) am höchsten, während Hessen und Saarland (je 25%) hier weniger eine Herausforderung sehen. In größeren Städten wie Berlin (44%) und Hamburg (35%), aber auch in Sachsen (48%) steht vor allem der Lärm an erster Stelle der Herausforderungen – schließlich kann dauerhafte Lärmbelastung auch zu gesundheitlichen Folgen führen. In Bayern (45%) und Hessen (42%) sorgen sich die Großstadtbewohner vor allem um die Luftqualität. Nicht umsonst ist besonders in Städten wie München, Augsburg, aber auch Frankfurt und Darmstadt immer wieder das Thema Feinstaub und Luftverbesserung auf der lokalen Agenda.

Einfluss des Klimas auf Großstadtbewohner

Neben diesen alltäglichen Belastungen sehen sich die Großstadtbewohner heute zudem mit einem raschen Klimawandel konfrontiert, der besondere Anforderungen an das Leben in der Stadt stellt. Bereits jetzt sehen wir, dass Sommer immer heißer werden. Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und EU-Klimawandeldienst Copernicus war 2023 weltweit mit 1,48 Grad Celsius wärmer als im bisherigen Durchschnitt das wärmste Jahr aller Zeiten. Global betrachtet gibt es bereits Studien, die belegen, dass besonders urbane Räume im Rahmen der zunehmenden Emissionen von steigenden Temperaturen betroffen sein werden. Im Durchschnitt werden Städte 1,9 bis 4,4 Grad wärmer sein als das Umland, was einen enormen Unterschied darstellt.

Daher überrascht es nicht, dass die Großstadtbewohner bereits nach Lösungen hinsichtlich ihrer Wohnsituation suchen, die ihnen helfen, die steigenden Temperaturen in der Stadt zu kontrollieren bzw. zu ertragen. Zudem sind sich knapp 92% der Deutschen einig, dass bei der Planung künftiger Gebäude diese extremen Klimaveränderungen berücksichtigt werden sollten.

Unter den deutschen Studienteilnehmern fordern 43% eine bessere Isolierung der Gebäude (global 38%). Rund 20% wünschen sich eine eingebaute Klimaanlage für heiße Tage (global 23%), noch übertroffen von dem Wunsch nach einer verbesserten Luftfilterung (24% in Deutschland, global 29%). Neben diesen Komfort-Änderungen, zeigt sich in den Daten aber auch ein klarer Wille der Mehrheit der Städter auf nachhaltige Features zu achten und sogar in diese Maßnahmen zu investieren:

Knapp ein Drittel der deutschen Befragten (29%) gibt an, dass die Häuser der Zukunft über kohlenstoffarme Heizungslösungen verfügen müssen (global 35%) und mit effizienteren Beleuchtungssystemen ausgestattet sein müssen (27% in Deutschland, global 34%).

Zudem ist die deutliche Mehrheit deutscher Studienteilnehmer (55%) bereit, mehr in die Installation von Solarpanelen zu investieren (nahe an dem globalen Durchschnitt von 60%). Auch für die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien (43% Deutschland, 47% global) und Wärmepumpen (39% Deutschland, 37% global) herrscht Bereitschaft. Nur bei der Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge zieht die Automobil-Nation Deutschland (28%) im globalen Vergleich nicht mit (32%).

„Bis 2050 werden voraussichtlich fast 70 % der weltweiten Bevölkerung in Städten leben. Damit stehen Architekten vor der Aufgabe, Städte zu entwerfen, die diesem demographischen Anstieg gerecht werden und trotz der Herausforderungen, die die Umfragedaten aufzeigen, die Lebensqualität aufrechtzuerhalten”, erklärt Martin Jasper, Architekt und Gründer des Architekturbüros Jasper Architects.

„Umso wichtiger ist es daher, eine Stadtplanung zu haben, die Lebensqualität, Widerstandsfähigkeit gegenüber kurzfristigen Herausforderungen und Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Bedürfnisse priorisiert. Gebäudestrukturen, als “Grundbausteine“ des städtischen Gefüges, sollten Flexibilität und Nachhaltigkeit verkörpern. Hierbei spielt auch das Konzepts der adaptiven Wiederverwendung, also die Nutzung bestehender bauliche Strukturen für einen neuen Zweck, eine wichtige Rolle.” sagt Jasper weiter.

Ökonomische Hürden der Städte und ihre mentalen Folgen

Globale wirtschaftliche Schwerpunktthemen haben große Auswirkungen, die sich am stärksten in Ballungsräumen wie Städten niederschlagen. Die Erschwinglichkeit von Wohnraum, einschließlich der Höhe von Hypotheken und Mieten, ist für viele die Hauptsorge, die von über der Hälfte (55%, global 47%) derjenigen genannt wird, die einen Umzug in Erwägung gezogen haben. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass Mieten in Deutschland konstant steigen und der Index der Wohnungsmieten über die letzten drei Jahre hinweg auf über 6,4 Prozent angestiegen ist (mit Mietpreisen von 20+ Euro pro Quadratmeter)

An zweiter Stelle der Sorgen stehen in dieser Kategorie die Energiekosten, die ein Viertel der deutschen Befragten umtreibt (25%, global 28%).

Insgesamt machen sich aber fast drei Viertel (68 %) der Großstadtbewohner Gedanken über die Energiekosten. Während auch die Mehrheit der deutschen Großstädter (64%) berichten, dass die wirtschaftlichen Belastungen wie steigenden Lebenshaltungskosten und Miete die Lebensqualität negativ beeinträchtigen.

Für den Wohnkontext ist hierbei herauszuheben, dass rund die Hälfte der befragten Städter in Deutschland zur Miete wohnt (49%), während knapp ein Drittel (30%) Hausbesitzer sind.

Die Umfrage zeigt auch, dass diese Wirtschafts- und Umwelteinflüsse nicht spurlos an den Menschen vorübergehen. Knapp ein Viertel der Befragten (23 %) gibt an, dass ihr Zuhause in der Stadt sich negativ auf ihr psychisches Wohlbefinden auswirkt, und fast genauso viele (22 %) berichten von negativen Auswirkungen auf ihr körperliches Wohlbefinden.

Roderick Bates, Director of Corporate Development bei Chaos sagt dazu: „Wir sind uns bewusst, dass die Städte ständig im Wandel sind, und unsere Umfrageergebnisse belegen das nun auch. Die Daten zeigen nicht nur, welche Veränderungen stattfinden, sondern auch, dass diese schneller denn je voranschreiten. Die Herausforderungen, mit denen die Großstädter konfrontiert sind, sind unglaublich vielschichtig und miteinander verwoben. Allen voran zu nennen, sind hier die wirtschaftlichen Belastungen sowie der rasch voranschreitende Klimawandel und seine bereits jetzt spürbaren Auswirkungen. In den nächsten 10 Jahren wird sich unser städtisches Umfeld deutlich verändern – und die Architektur ist in der einzigartigen Lage, diesen Wandel zu strukturieren und zu gestalten. Die Chaos-Studie zeichnet ein Bild von der Realität der Städte von heute und befähigt Architekten, die Städte von morgen zu entwerfen, zu visualisieren und zu bauen.”

Martin Jasper, Architekt und Gründer des Architekturbüros Jasper Architects führt fort: „Die Städte selbst sollten als zusammenhängende Netze hochwertiger sozialer Räume und Grünflächen funktionieren, die das Konzept der 15-Minuten-Stadt aufgreifen. In diesem Modell steht die Erreichbarkeit von wichtigen Einrichtungen in kurzer Zeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad im Fokus. Dieser Ansatz fördert das Gemeinschaftsengagement sowie ein nachhaltiges Leben. Durch die Integration dieser Prinzipien in die Stadt- und Gebäudeplanung können Architekten die Schaffung von Städten anführen, die nicht nur Platz bieten, sondern auch das Leben ihrer Bewohner inmitten der rapiden Urbanisierung bereichern.”

Professor John Cays, Associate Dean for Academic Affairs am Hillier College of Architecture and Design erklärt: „Die Chaos-Studie “Architects of Change” zeigt deutlich die wachsenden Probleme, die sich für Stadtbewohner ergeben, auf. Angesichts der enormen ökonomischen und ökologischen Kräfte, die auf Städte einwirken, können diese urbanen Räume für die Menschen, die in ihnen leben, belastend, wenn nicht gar bedrohlich sein.

Angesichts der immer drängenderen Probleme wie der Erschwinglichkeit von Wohnraum und Klimaextremen haben Architekten die einmalige Gelegenheit, das Stadtbild komplett neu zu gestalten. Die heutigen Technologien ermöglichen es uns, viele Alternativen in Betracht zu ziehen und wirklich innovative Wohnkonzepte zu entwerfen – wie z. B. Mikro- und Mehrfamilienhäuser – um ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Großstadtbewohner von morgen und ihren Wohnwünschen zu schaffen.”

Quelle: Chaos