17. Juni 2024

Buwog-Podcast #27: Reiner Nagel im Interview: Wir brauchen eine neue Umbaukultur!

Reiner Nagel ist Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Foto: Mezger


Anzeige – Der BUWOG-Podcast geht in die 5. Staffel. Zum Start ist Reiner Nagel, Chef der Bundesstiftung Baukultur im Interview. Er fordert eine neue Umbaukultur und mehr Fantasie.

Die gute Nachricht: Die „German Baukultur“ ist mittlerweile ein feststehender Begriff. Reiner Nagel im Interview: „Ja, inzwischen wird das deutsche Wort Baukultur sogar international verwendet und hat Einzug in gefunden etwa in die englische Sprache.“ Dort ist „Baukultur“ ein feststehender Begriff ist, so wie die Worte „Kindergarten“, „Zeitgeist“ oder „Fernweh“.

Zum Auftakt der neuen Podcast-Staffel ist der Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur zu Gast. Die öffentlich-rechtliche Stiftung setzt sich für qualitätsvolles und reflektiertes Planen und Bauen ein und veröffentlicht alle zwei Jahre den Baukulturbericht für die Bundespolitik. „Baukultur ist wesentlich, um eine Umwelt zu schaffen, die als lebenswert empfunden wird“, so Nagel. Neben sozialen, ökologischen und ökonomischen Bezügen habe Baukultur auch eine emotionale und ästhetische Dimension. Ihre Herstellung, Aneignung und Nutzung ist ein gesellschaftlicher Prozess, der auf einer breiten Verständigung über qualitative Werte und Ziele beruht.

Die neueste Ausgabe des Baukulturberichts trägt bezeichnenderweise den Titel „Neue Umbaukultur“. Faktoren wie gestiegene Zinsen und Materialkosten machen Neubauten wirtschaftlich herausfordernd. Auch Ressourcenmangel und knappes Bauland grenzen Neubauvorhaben ein. Die Konsequenz: „Das Umbauen bestehenden Baubestands ist also nicht nur aus Nachhaltigkeits- und Klimaaspekten attraktiv für Bauschaffende und gewinnt an Bedeutung“, erklärt Reiner Nagel.

Praktisches Beispiel: In Deutschland gibt es 16,1 Million Einfamilienhäuser. „Ältere Menschen, die ursprünglich ein Eigenheim selbst erbaut oder gekauft haben, können durch den Einbau eines separaten Eingangs im oberen Stockwerk eine neue Wohnung schaffen. Wenn sich nur zehn Prozent der Hauseigentümer:innen zu diesem Schritt entschließen, lassen sich so 1,6 Millionen neue Wohnungen aus vorhandenem Bestand generieren – eine große Chance.“

Außerdem: „Das Umbauen von Gebäuden schafft oftmals eine ganz besondere Atmosphäre, die sich mittels eines Neubaus so nicht realisieren lässt“, gibt Nagel zu bedenken. „Handelt es sich um ein schönes und gutes altes Gebäude, ist immer abzuwägen, ob keine Möglichkeit besteht, das Objekt in die Zukunft zu führen.“

Neubau ergänzt historischen Bestand: Abtei Michaelsberg. Foto: PR

Gute Beispiele für gelungenen Umbau gibt es viele, so Nagel im BUWOG-Podcast, allein rund 250 gelungene Beispiele finden sich auf der Webseite der Bundesstiftung. Etwa die Abtei Michaelsberg in Siegburg. Mit viel Gespür für Historie und Materialien wurde die ehemalige Benediktinerabtei zu einem Tagungszentrum ausgebaut und mit einem Neubau, dem sogenannten Forum, ein harmonisches Gesamtensemble geschaffen. Die Trennung von Neu und Alt wird mittels zweier schmaler Brücken überwunden, baulich wie symbolisch. Das Forum wirkt besonders durch seine Gliederung dem Ursprungsbau zugehörig. Der zweigeschossige Sockel orientiert sich mit seinem Natur-Bruchstein an der historischen Abtei-Fassade. Darauf folgen ein gläsernes Verwaltungsgeschoss, darüber ein Restaurant, sowie Tagungs- und Büroräume. Die Geschichte der einstigen Benediktinerabtei wurde von caspar.architects mit einem modernen Neubau weitergeschrieben.

Mehr im BUWOG Podcast zum Thema „Von der Baukultur zur Umbaukultur“: https://buwog.podigee.io/29-baukultur

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