29. September 2022

Büroerweiterung 2.0: nentwig.notbohm Architekten revitalisieren ehemalige Geschäftsstelle der Altoba zu Büroflächen

Hamburg (pm) – Im Hamburger Stadtteil Altona wurden im historischen Bestand des ehemaligen Altonaer Spar- und Bauverein neue Büroflächen aktiviert, die als Erweiterungsfläche des in der gleichen Straße ansässigen Ingenieurbüros dienen. Durch eine einheitliche Formensprache und ähnliche Farb- und Materialbeschaffenheit gelingt es Identität zu erzeugen und beide Standorte trotz räumlicher Trennung miteinander zu verknüpfen.

Mitten in Altona hat 2020 ein Hamburger Ingenieurbüro seinen neuen Hauptsitz bezogen. Die Flächen, über drei Etagen des 1955 erbauten Bürogebäudes, wurden intern miteinander verbunden und aufwändig renoviert. Durch einen Zusammenschluss mit einem anderen Ingenieurbüro benötigte man bereits ein Jahr später weitere Büroflächen. Nach dem Umzug des Altonaer Bau- und Sparvereins ergaben sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite freie Teilflächen. Nur durch einen Park und eine Straße getrennt, bot sich so die Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe weitere 14 Arbeitsplätze einzurichten. Dabei soll es sich eindeutig um eine Erweiterungsfläche handeln, die nicht losgelöst funktioniert, damit sich nach wie vor alle Mitarbeiter im Hauptsitz treffen und der Kontakt untereinander nicht abreißt. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz in der neuen Fläche beziehen werden, nicht das Gefühl bekommen, ausgelagert zu werden. Darüber hinaus bot die Erweiterungsfläche grundlegende andere bauliche Gegebenheiten, als die zuvor umgebauten Räumlichkeiten des Hauptbüros. Ein spannender Spagat für die Planungsaufgabe.

 

(c) Katrin Arfmann

 

Die Substanz

Beim Stammhaus handelt es sich um einen klassischen Zweibund mit langen Fluren und beidseits angeordneten Zellen- und Gruppenbüros. Fensterbandfassaden auf beiden Seiten des langestreckten Baukörpers und Glastüren mit Glasseitenteilen fluten die in den oberen Etagen gelegenen Bürogeschosse mit Licht. Im Vergleich dazu liegt die neue Fläche im Hochparterre und besteht aus zwei Bauabschnitten, von denen nur der straßenseitige über eine Fensterfassade verfügt. Dieser Teil wurde 1953 im Stil des in den 1920er Jahren errichteten Eckgebäude der Altoba erbaut. Große Raumhöhen und eine Pfeilerstruktur charakterisieren den Raum.

Die Fläche wurde 1996 um einen rückwärtig liegenden, eingeschossigen Baukörper ergänzt. Das vorhandene Baufeld erzeugt einen polygonalen Grundriss. An der Decke des stützenfreien Raumes zeichnet sich die optimierte Struktur der Unterzüge ab. Drei diagonal in den Raum gesetzte Oberlichter belichten die ansonsten fensterlose Fläche.

So entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem imposanten, mit hohen Decken versehenen und einem rhythmischen Fassadenbild erbauten vorderen Teil und dem Konstruktionsbauteil, das in seiner Willkür Widersprüche erzeugt.

 

(c) EresiaK

 

Das Raumkonzept

Der Entwurf sieht vor, die Stärken der verschiedenen Flächen hervorzuarbeiten und diese gegenseitig zu stärken. So ist der vordere, gut belichtete Bereich transparent und offen gehalten, um möglichst viel Licht in den hinteren Bereich zu lenken und Durchblicke zu ermöglichen. Zur Straße sind zwei Einzelbüros durch raumhohe Glassystemtrennwände abgeteilt. Der verbleibende Raum ist als offener Eingangs- und Küchenbarbereich gestaltet; die konstruktiven Pfeiler im Übergang freigestellt und herausgearbeitet. Zentrales Element stellt ein eingestellter Barren dar, um den Übergang zwischen den beiden Bereichen zu markieren. Untergeordnete Funktionen und alle Nebenräume sind kompakt organisiert; im Bereich der Pfeiler transparente ThinksTanks in den Barren eingestellt. Optisch setzt sich der Barren farblich ab. So wird das Volumen des großen Raumes reduziert. Auf der verbleibenden Fläche sind Arbeitsplätze als openspace organisiert, die Belichtung verteilt sich durch die Flachdachfenster gleichmäßig und sind nicht durch eingestellte Wände oder Raumteiler unterbrochen.

 

(c) Katrin Arfmann

 

Die Materialität

Ausgehend von der Materialwelt im Haupthaus, kommen hier die gleichen Oberflächen zum Einsatz. Der schwarze Teppich mit grauer Melange bildet einen starken Kontrast zu den weißen Wänden. Metallische Oberflächen und Profile in naturbelassenem Aluminium setzen technoide und klare Akzente. Fortgesetzt wird das Farbkonzept mit dem nüchternen blau des Barrens und setzt sich gleichzeitig als eigenständiges Element ab. Die Teeküche als Insellösung mitten im Raum referenziert mit seinen Holzoberflächen aus Nussbaumfurnier auf den Empfangstresen im Stammhaus.

Ergänzt wird das Materialkonzept für die neue Fläche um den Naturton der vollflächig installierten Akustikdecke aus Holzwolleleichtbauplatten. Die warmen Nuancen an der Decke beruhigen die Räume optisch, bauliche Gegebenheiten treten in den Hintergrund. Downlights erzeugen ein Meer aus Lichtern.

So entsteht ein eigener Kosmos in der gleichen Galaxy – ein kleiner Bruderplanet, der eigenständig existiert, aber mit zur Familie gehört.

 

(c) Katrin Arfmann

 

Pressemitteilung: nentwig.notbohm ARCHITEKTEN partG mbB