10. Oktober 2026

Brandschutz-Planung zwischen Bestandserhalt und Sicherheitsniveau

Mirco Sachse, Geschäftsführer der Infiprotec GmbH
Mirco Sachse, Geschäftsführer der Infiprotec GmbH © Infiprotec GmbH

Gastbeitrag – Brandschutz im Bestand verlangt von Planenden eine differenzierte Herangehensweise, die sich von denbaulichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei Neubauten unterscheidet. Während die Schutzziele unverändert bleiben – die Vermeidung von Brandentstehung und -ausbreitung sowie der Schutz von Menschen und Sachwerten –, sind diese im Bestand deutlich komplexer. Historische Konstruktionen, begrenzte Eingriffsmöglichkeiten und denkmalrechtliche Anforderungen erfordern Lösungen, die sich an der vorhandenen Struktur orientieren und dennoch ein mit aktuellen Anforderungen vergleichbares Sicherheitsniveau gewährleisten. 

Herausforderungen durch alte Baustoffe 

Als Grundlage für die Sicherheitsanforderungen dient die jeweilige Landesbauordnung. In Deutschland gibt es jedoch keine gesonderten Bau- und Brandschutzvorschriften für historische Bauten. Für Planende verschiebt sich damit der Fokus auf eine integrative Bewertung aus Risikoanalyse, Nutzung und Bestandssituation. Die Herausforderung liegt darin, bestehende Defizite wie leichter brennbare Materialien oder Türen mit geringer Feuerwiderstandsdauer zu identifizieren und mit möglichst minimalinvasiven Maßnahmen zu kompensieren. Dadurch entsteht oft ein höherer Aufwand beim Brandschutz für Bestandsbauten – etwa bei der Anbringung von Brandlöschsystemen und der Wasserbevorratung. Denn diese Anlagen benötigen Platz und Leitungen müssen in die vorhandene Bausubstanz integriert werden, wobei Wände, Decken und Böden teilweise marode sind. Dies erfordert häufig das Anbringen von Sonderhalterungen und Quertraversen, um neue Leitungen sicher zu befestigen. Gleichzeitig müssen Komponenten wie Panzerschläuche und Fallrohre so integriert werden, dass sowohl die hydraulischen Anforderungen als auch die baulichen Einschränkungen Berücksichtigung finden. Dafür gilt es meist statische Nachweise und/oder Ausnahmegenehmigungen einzuholen.

BMA, um bei Gefahr schnellstmöglich zu reagieren 

Konkret bedeutet das für Planende, vor allem vorhandene Strukturen zu sichern, damit die Ausbreitung von Feuer und Rauch verhindert und begrenzt werden können, und dies eng mit Monteuren, Servicetechnikern, Behörden, Feuerwehr und Sachverständigen abzustimmen. Die Erhöhung der Feuerwiderstandsdauer von Bauteilen wie Wänden oder Decken sowie das Nachrüsten vorhandener Türen durch Dichtungen, Türschließer oder Brandschutzverglasung gehören zu solchen Maßnahmen. Doch vor allem moderne Brandschutzsysteme spielen für den Bestand eine zentrale Rolle, insbesondere wenn bauliche Maßnahmen nur eingeschränkt umsetzbar sind. Brandmeldeanlagen gehören zu den effektivsten Instrumenten, da sie Brände bereits in der Entstehungsphase detektieren und frühzeitig Alarm auslösen. Ihre Nachrüstung wird nicht nur bei Sonderbauten häufig gefordert, sondern auch im Zuge von Sanierungen oder Nutzungsänderungen zunehmend zur Voraussetzung für die Genehmigungsfähigkeit.

Brandschutztechnik mit möglichst wenig Wassereinsatz

Grundsätzlich sind etwa Sprinkler-, Gas-, Feinsprüh- und Hochdruck-Wassernebel-Löschanlagen einsetzbar. Sprinkleranlagen haben jedoch in der Regel einen hohen Löschwasseraustrag, wodurch enorme Wasserschäden entstehen können. Gaslöschanlagen ermöglichen eine rückstandsfreie Brandbekämpfung ohne Wasser- oder Schaumschäden, allerdings ist ihre Installation teuer und aufwendig. Bei einer Gasflutung entsteht ein hoher Druck im Raum, sodass häufig Druckentlastungseinrichtungen erforderlich sind, um die Bausubstanz zu schützen. Wandkonstruktionen müssen diesem Vorgehen standhalten können. Alternativ lassen sich Niederdruck-Wassernebellöschanlagen verbauen. Diese erzeugen feinste Wassertröpfchen mit hoher Kühlleistung bei gleichzeitig reduziertem Wassereinsatz. Dies minimiert Folgeschäden an der Bausubstanz und ermöglicht einen gezielten Einsatz auch in besonders schützenswerten Bereichen. Es besteht auch ein geringerer Installationsaufwand, weil teilweise bestehende Wasserleitungen Verwendung finden können. 

Autor: Mirco Sachse, Geschäftsführer der Infiprotec GmbH 

Mirco Sachse ist gelernter technischer Zeichner und war unter anderem als Projekt-, Vertriebs- und Abteilungsleiter bei verschiedenen Brandschutzunternehmen tätig. 2025 machte er sich selbstständig und gründete die Infiprotec GmbH. www.infiprotec.com