30. Juni 2022

BOKU eröffnet neues Institut für Hochbau, Holzbau und kreislaufgerechtes Bauen

(c) BOKU / Christoph Panzer

Wien (pm) – Neugründung an der BOKU: Das Institut für Hochbau, Holzbau und kreislaufgerechtes Bauen ist nun der jüngste Spross unter den BOKU-Instituten. Die Leitung übernimmt Professor Benjamin Kromoser. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe erforscht er die bestmögliche Nutzung von Ressourcen im Bereich Bauen mit besonderem Fokus auf den Hochbau.

„Aufgrund der sehr positiven Entwicklung meiner Arbeitsgruppe sowie meiner Berufung als Professor für Ressourceneffizienten Hochbau durfte ich ein neues Institut gründen und nun auch leiten“, betont Benjamin Kromoser. Was vor vier Jahren mit zwei Mitarbeitern begann, wuchs mittlerweile auf zwölf Mitarbeiter*innen an. Fünf Themenschwerpunkten stehen im Fokus der Arbeitsgruppe: Hochbau und Holzbau, sowie automatisiertes, kreislaufgerechtes und nachhaltiges Gestalten und Bauen. Mit der Neugründung des Instituts ist, durch die Abdeckung des konstruktiven Holzbaus, die gesamte Wertschöpfungskette von Holz an der BOKU vertreten – vom Baum über die Materialproduktion, den Holzbau bis hin zur Wiederverwendung des Baustoffes Holz.

Minimierung des Umwelteinflusses und geschlossener Kreisläufe im Bauwesen

Zentrale Themen sind die Strukturoptimierung von Bauteilen unterschiedlicher Materialien sowie deren effiziente (automatisierte) Herstellung. Im Fokus steht dabei die Minimierung des Umwelteinflusses über den gesamten Lebenszyklus und die Etablierung geschlossener Kreisläufe im Bauwesen. Durch die Industrialisierung und den wirtschaftlichen Vorteil in der Herstellung dominieren derzeit ressourcenineffiziente Bauweisen mit hohem Materialverbrauch und schwer trennbaren Verbindungen.

Früher bauten Menschen Holzhäuser und verwendeten Moos als Fugenmasse. Ließ man das Haus zurück, gingen die Baustoffe wieder nahtlos in den natürlichen Kreislauf über. „Heute sind in einem Quadratmeter eines Gebäudes durchschnittlich hundert Materialien verbaut“, erklärt Kromoser. Sie wieder zu trennen sei sehr schwierig. „Durch den technischen Fortschritt haben wir uns in dieser Hinsicht von einer intelligenten und kreislauffähigen Bauweise entfernt“, so der BOKU-Wissenschaftler.

Recyclingkreisläufe anstatt Downcycling

Damit verfügbare Rohstoffe effizienter genutzt werden und dadurch der enorme Rohstoffbedarf des Bauwesens reduziert werden kann, Häuser nicht einfach abgerissen und neu gebaut, sondern die Baustoffe wiederverwendet werden, erforscht Kromoser gemeinsam mit seinem Team neue Wege von innovativem, ressourceneffizientem Bauen. Dies kann in Form einer flexiblen Nutzbarkeit/ Umnutzung geschehen, beispielsweise wenn aus einer Wohnfläche eine Bürofläche entsteht. Des Weiteren können einzelne Bauteile wie Beton- oder Holzträger an einem anderen Ort neu eingebaut werden. Ist beides nicht möglich, so besteht die Möglichkeit einzelne Materialien wiederzuverwenden. Beton, Ziegel oder auch Holz werden zerkleinert und für eine gleichwertige Anwendung wieder verlustfrei eingesetzt. „Es ist notwendig, reale Recyclingkreisläufe zu schaffen, anstatt Materialien lediglich niederwertiger im Rahmen eines Downcyclings zu nutzen, wie dies momentan meist der Fall ist“, so Kromoser.

Durch die Entwicklung neuer Baumethoden, den Einsatz digitaler Entwurfs- und automatisierter Produktionsmethoden sowie die Arbeit mit innovativen Baustoffen und die Optimierung des Energie- und Materialbedarfs wollen Kromoser und sein Team künftig neue Optionen für kreislaufgerechtes Bauen erforschen.

Basierend auf den Prinzipien des neuen Instituts, besteht das strukturoptimierte und vom Team gebaute Tragwerk des institutseigenen Roboterlabors ausschließlich aus Holz, wobei die Knotenverbindungen mit dem hauseigenen Roboter hergestellt wurden.

Pressemitteilung: Universität für Bodenkultur Wien