30. November 2021

BIVO erwartet Konjunkturdelle am Bau Ostdeutschland

Leipzig (pm) – Nach einem guten Start ins Baujahr 2020 mit steigender Nachfrage nach Bauleistungen und einer Bautätigkeit über dem Vorjahresniveau in den ersten beiden Kalendermonaten traf die Corona-Krise Deutschland im März unvermittelt und hart. Als nachgelagerter Branche werden sich deren wirtschaftliche Auswirkungen am Bau erst zeitlich verzögert zeigen. Der Bauindustrieverband Ost e. V. (BIVO) hat Mitte April 2020 eine Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt, um die Auswirkungen der Corona-Krise für das ostdeutsche Bauhauptgewerbe zu erfassen.

  • Drei von vier Bauunternehmen sind von Corona-Krise betroffen

77 Prozent der befragten Betriebe gaben an, dass sie bereits jetzt von negativen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind. Der Anteil von Bauunternehmen, die überwiegend Tiefbauleistungen erbringen, ist dabei mit 88 Prozent deutlich höher als der der Betriebe mit Schwerpunkt Hochbau. Hier sind es bisher 61 Prozent.

  • Personalprobleme verlangsamen Bauabläufe – Zahlungsmoral leidet

Als größtes Hemmnis für einen reibungslosen Bauablauf stellen sich laut der Befragung Personalprobleme dar. Zum einen haben rund 50 Prozent der Betriebe Probleme, die Bauausführung mit dem eigenen Personal vollumfänglich sicherzustellen. Haupthindernis dafür sind notwendige Freistellungen von Arbeitnehmern für die Betreuung ihrer Kinder auf Grund der Schließung von Kitas und Schulen. Das betrifft jedes zweite Unternehmen. Knapp 30 Prozent der Betriebe vermelden zudem krankheitsbedingte Ausfälle in ihrer Belegschaft und bei 20 Prozent fehlen Arbeitskräfte ganz oder teilweise auf Grund der Grenzschließungen. Zum anderen sind die fehlenden Kontaktpersonen auf Bauherrenseite ein großes Problem. So gaben 60 Prozent der Unternehmen an, dass dringend notwendige Ansprechpartner in Genehmigungsbehörden, aber auch Ausschreibungs- und Rechnungsstellen gegenwärtig kaum  oder gar nicht erreichbar sind. „Angesichts der ohnehin dünnen Personaldecke am Bau betrachten wir es als großartige Leistung, dass es den ostdeutschen Bauunternehmen dennoch weitgehend gelingt, die Bauaufgaben unter diesen Bedingungen zu stemmen, umso mehr kritisieren wir, wenn sich Rechnungsprüfung und -begleichung für erbrachte Bauleistungen nicht nur verzögern, sondern im Einzelfall sogar ausbleiben“, so Verbandshauptgeschäftsführer Dr. Robert Momberg.

  • Materialknappheit behindert Bautätigkeit

Schwierigkeiten bereitet dem ostdeutschen Bauhauptgewerbe momentan die reibungslose Versorgung seiner Baustellen mit Material. Auf Grund von Ausfällen bei den Produzenten, Grenzschließungen und Kapazitätsengpässen des Speditionsgewerbes kommt es zu Lieferverzögerungen. 51 Prozent der befragten Bauunternehmen stehen vor der Herausforderung mit diesen Problemen umzugehen. Mit kompletten Lieferausfällen sind derzeit nur knapp fünf Prozent der Befragten konfrontiert.

  • Bauhauptgewerbe vermeldet Rückgang und Stornierung von Aufträgen

Bereits jetzt, also noch relativ am Anfang der Krise, schlagen deren Auswirkungen erheblich negativ in der Auftragslage des Bauhauptgewerbes zu Buche. Der BIVO hat im Rahmen seiner Umfrage ermittelt, dass 44 Prozent der ostdeutschen Unternehmen rückläufige Auftragseingänge registrieren und jeder zehnte Betrieb schon Stornierungen bereits angenommener Aufträge erhalten hat. Vor allem die öffentliche Hand investiert gegenwärtig mehr als nur zögerlich in notwendige Baumaßnahmen. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer vermeldeten rückläufige Auftragseingänge im Öffentlichen Bau. 36 Prozent der Firmen stellten dies für den Wirtschaftsbau und zwölf Prozent für den Wohnungsbau fest. „Der Rückgang der Auftragsvergabe für öffentliche Bauvorhaben ist für uns alarmierend, nicht nur, weil die Gebietskörperschaften in Ostdeutschland der wichtigste Auftraggeber sind, sondern weil damit eine falsche Weichenstellung für die Zukunft erfolgen kann“, befürchtet Momberg.

  • BIVO senkt Konjunkturprognose für 2020 – Aufbauplan muss kommen

51 Prozent der Unternehmen des ostdeutschen Bauhauptgewerbes erwarten entsprechend der Aprilumfrage im Gesamtjahr 2020 rückläufige Umsätze. Bei der letztmaligen Befragung im November 2019 waren es nur 29 Prozent. Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation sieht der Verband zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. „Sobald die Phase vorüber ist, in der mit staatlichen Hilfen die akuten wirtschaftlichen Härten der Corona-Krise finanziell abgefedert werden, ist es zwingend erforderlich, dass Bund, Länder und Kommunen Investitionsprogramme auf- und zügig umsetzen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig beleben und zukunftsfähig stärken. Dazu gehören dringend notwendige Programme zum Erhalt und zum Ausbau der Bausubstanz“, so Momberg abschließend.

Pressemitteilung: Bauindustrieverband Ost e. V.