Straßburg (abki) – Mit dem Bildungsensemble Jean Mentelin ist in Straßburg eine neue Schulanlage für Kindergarten, Volksschule, Kantine und Hort entstanden. Das in Holzbauweise realisierte Projekt wurde von feld72 Architekten mit MW Architectes umgesetzt und reagiert auf einen Bauplatz mit gegensätzlichen räumlichen Bedingungen: Im Osten grenzt das Areal an eine semiindustrielle Peripherie, im Westen öffnet es sich zu einem Naturschutzgebiet.
Drei kompakte, großflächig facettierte Baukörper vermitteln zwischen Straßenraum und Auenlandschaft. Trotz des umfangreichen Raumprogramms bleibt das Ensemble auf einen kindgerechten Maßstab ausgerichtet. Kinderfreundliche Proportionen, individuelle Adressbildung und eine jeweils eigene Identität für die unterschiedlichen Schulformen strukturieren die Anlage.



Dem Projekt liegt ein offenes architektonisches Verständnis zugrunde. „In Anlehnung an Giancarlo De Carlo verstehen wir Architektur als offenes Gefüge: wandelbar und dialogisch. Der Kindergarten wird zum kollektiven Raum: offen für Aneignung und Interpretation. Die Architektur schafft den Rahmen – Kinder und Pädagog:innen schreiben ihn fort“ (De Carlo 1969: 32).
Die architektonische Setzung versteht sich als Ort des Lernens und Wachsens im respektvollen Dialog mit der Natur. Diese Haltung zeigt sich auch in der Materialwahl: Das Ensemble ist als ökologisch nachhaltige Holzkonstruktion ausgebildet. Holz prägt Tragstruktur, Fassade und Innenausbau gleichermaßen. Die Lamellen der vorgegrauten und lasierten Lärchenholzverkleidung fungieren als durchgängiges Gestaltungselement und zugleich als visueller Filter. Fensteröffnungen mit integrierten Sitznischen stärken den Bezug zwischen Innen- und Außenraum.




Zugleich wird die Architektur selbst zum Teil des pädagogischen Konzepts. Konstruktion und technische Infrastruktur bleiben dort sichtbar, wo dies sinnvoll ist. So wird nachhaltiges Bauen nicht nur räumlich organisiert, sondern auch unmittelbar erfahrbar gemacht. Architektur, Technik und Nachhaltigkeit treten dabei in einen anschaulichen Zusammenhang.
Auch die Freiräume sind als Teil dieses Lernumfelds angelegt. Die klare Geometrie der straßenseitigen Schrägdächer geht zur Aulandschaft hin in eine Terrassenstruktur über, die sich mit vielfältigen Freiräumen und begehbaren Dächern zum Naturraum öffnet. Zwei wettergeschützte Schulhöfe, ein Biotop und pädagogische Gärten erweitern das Ensemble um differenzierte Lern- und Spielräume.
Ein zentrales Element ist der didaktische Parcours, der sich wie ein Loop vom Freiraum der Aulandschaft über die Dächer bis durch die Gebäude zieht. Atelier Roberta konzipierte diesen Bereich als Lernlandschaft, die zur selbstständigen wie auch pädagogisch begleiteten Auseinandersetzung mit Vegetation, Materialität und Wasserkreislauf einlädt. Hölzerne Stege führen über die Aue und bilden ein Freiluftklassenzimmer im Biotop.
Ort: Straßburg, FR
Auftraggeber: Stadt Straßburg
Architekten: feld72 Architekten mit MW Architectes
Landschaftsarchitektur: Atelier Roberta
Projektpartner: Ausschreibung & Bauleitung: Echoes-Economie / Statik: M.H. Ingénierie & Ingénierie Bois / Haustechnik & Elektro: M.H. Ingénierie / Infrastruktur & Dépollution: Lollier Ingénierie / Akustik: INGEMANSSON / Küchenplaner: IG Consultant
BGF: 6.330 m²
Quelle: feld72 · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt