18. September 2026

BiB Event 2026: „Wir wissen, was geht! Jetzt müssen wir es machen!“

Berlin (pm) – Wie gelingt es, bestehende Gebäude schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger weiterzuentwickeln? Und was braucht es, damit vorhandenes Wissen tatsächlich in der Praxis ankommt? Unter dem Motto „WISSEN, was geht“ hat der Verband für Bauen im Bestand (BiB) am 10. September gemeinsam mit der Tempelhof Projekt GmbH zum BiB Event 2026 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof eingeladen. Im Mittelpunkt standen konkrete Lösungen und Erfahrungen rund um Schadstoffe, Digitalisierung, Denkmalschutz, Zirkularität und die Transformation von Bestandsgebäuden. Das Veranstaltungsformat setzte dabei bewusst nicht auf klassische Frontalvorträge, sondern auf Impulse, Couchgespräche, Wetten und Challenges.

„Wir müssen beim Bauen im Bestand weg von der permanenten Diskussion darüber, warum etwas schwierig ist, und stärker darüber sprechen, wie es gehen kann. Viele Lösungen sind längst vorhanden. Entscheidend ist, Wissen zusammenzubringen, voneinander zu lernen und den Mut zu haben, es in die Umsetzung zu bringen“, so Sarah Dungs, Vorstandsvorsitzende des Verbands für Bauen im Bestand. „Genau dafür steht unser Verband, und genau das wollten wir mit diesem Event erlebbar machen.“

Bestand braucht Wissen möglichst früh

Eine zentrale Erkenntnis der Veranstaltung ist, dass viele Risiken von Bestandsprojekten sich zwar nicht vollständig vermeiden lassen, aber deutlich besser beherrschen sind, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Das gilt beispielsweise für Schadstoffe. Sie sollten bereits vor Beginn der eigentlichen Planung systematisch untersucht und bewertet werden. Frühzeitige Klarheit schützt nicht nur Termine und Budgets, sondern auch Beschäftigte und Gebäudenutzer. Zudem wirken sich Schadstoffe auf Planung, Vergabe, Bauablauf und Entsorgung aus.

Auch eine belastbare Kenntnis des tatsächlichen Gebäudezustands wird zum entscheidenden Faktor. Digitalisierung kann dabei helfen, Informationen zusammenzuführen, Datenlücken sichtbar zu machen und Risiken besser zu bewerten. 3D-Modelle und digitale BIM-Gebäudemodelle spielen insbesondere bei der Bestandsaufnahme und Projektplanung eine zunehmend wichtige Rolle. Zugleich wurde deutlich: Digitale Werkzeuge ersetzen weder Erfahrung noch Fachwissen, sie schaffen aber eine bessere Entscheidungsgrundlage.

„Bestand ist komplex, aber Komplexität darf kein Argument gegen den Bestand sein. Wir müssen lernen, mit seinen Besonderheiten professioneller umzugehen. Dazu gehören bessere Daten und Prozesse ebenso wie klare Verantwortlichkeiten und vor allem eine frühzeitige Zusammenarbeit aller Beteiligten“, so Anastasija Walcher-Radke, Vorständin des Verbands für Bauen im Bestand. „Wenn wir den Bestand zum neuen Normal machen wollen, müssen wir genau dieses Wissen in die Breite bringen.“

Flughafen Tempelhof als Reallabor für die Bauwende

Mit dem Flughafen Tempelhof fand das BiB Event an einem Ort statt, der die Herausforderungen und Chancen des Bauens im Bestand wie kaum ein anderer bündelt. Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble soll schrittweise transformiert werden. Nachhaltigkeit und Denkmalschutz müssen dabei mit Fragen der Mobilität, Erschließung, Nutzung, des Betriebs und der Wirtschaftlichkeit zusammengedacht werden. Das Entwicklungskonzept setzt deshalb nicht auf einen starren Masterplan, sondern auf einen experimentellen und adaptiven Prozess.

Auch Berlins Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin für Stadtentwicklung, Prof. Petra Kahlfeldt, diskutierte beim BiB Event über die Zukunft des Bestands. Tempelhof biete als größter Bestandsbau Berlins die Chance, zu einem Schaufenster für das Bauen im Bestand und für eine stadtorientierte Umnutzung zu werden. Gleichzeitig stehen dem erheblichen Investitionsbedarf die im Gebäude gebundene graue Energie und die Verantwortung für den Erhalt des technischen Denkmals gegenüber.

Nicht maximal sanieren, sondern sinnvoll

Wie differenziert die Transformation bestehender Gebäude betrachtet werden muss, zeigte auch die Auseinandersetzung mit der ökologischen Bilanz von Sanierungsmaßnahmen. Nicht jeder Eingriff ist automatisch nachhaltig. Materialwahl, Dämmstandard, künftige Nutzung und die durch eine Maßnahme verursachten Emissionen müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein Leitmotiv des Events brachte diesen Ansatz auf den Punkt: Es gehe weder darum, „so viel wie möglich“ noch „so wenig wie nötig“ zu sanieren, sondern so sinnvoll wie möglich.

Dass sich Bestandserhalt und innovative Verfahren verbinden lassen, wurde auch praktisch demonstriert. Bei einer Live-Sanierung bestehender Abwasserleitungen zeigte die Rohrgroup ein Verfahren, bei dem Leitungen ohne klassischen Ausbau von innen saniert werden. Dadurch können Eingriffe in die Bausubstanz, Lärm, Staub, Folgegewerke und Sanierungszeiten reduziert werden.

Auch Zirkularität spielte eine zentrale Rolle. Bestehende Gebäude sind nicht nur Immobilien, sondern zugleich Rohstofflager. Urban Mining ermöglicht es, vorhandene Materialien zurückzugewinnen und erneut einzusetzen. Sanierung und Wiederverwendung des Gebäudebestands besitzen damit ein erhebliches Potenzial für die Reduzierung von CO₂-Emissionen.

Vom Wissen ins Machen

Das BiB Event machte zugleich deutlich, dass die Transformation des Gebäudebestands nicht allein eine technische Aufgabe ist. Fehlende Kommunikation, unklare Schnittstellen und schlecht gesteuerte Prozesse können Bestandsprojekte ebenso gefährden wie unerwartete bauliche Befunde. Partnerschaftliche Zusammenarbeit, Transparenz und eine frühzeitige gemeinsame Bewertung von Risiken werden deshalb zu zentralen Voraussetzungen erfolgreicher Projekte.

„Die Bauwende wird nicht dadurch gelingen, dass wir auf die eine perfekte Lösung warten. Sie entsteht aus vielen Lösungen, die heute schon funktionieren und die wir konsequenter anwenden müssen“, so Dungs. „Wir wollen Bauen im Bestand nicht nur fordern, sondern möglich machen. Dafür bündeln wir das Wissen unserer Mitglieder, entwickeln gemeinsam, was noch fehlt, und machen Lösungen für alle zugänglich. Denn Fortschritt entsteht, wenn aus Wissen Handeln und aus Einzelnen eine Bewegung wird.“

Das BiB Event 2026 knüpfte damit unmittelbar an den Anspruch des Verbands an: Bestand nicht als zweite Wahl zu betrachten, sondern als zentrale Aufgabe für die Zukunft des Bauens.

Quelle: Verband für Bauen im Bestand e.V.