Frankfurt am Main (pm) – Während 2010 etwa jeder dritte Haushalt im Alter zwischen 25 und 45 Jahren im selbstgenutzten Eigentum lebte, ist es heute nur noch etwa jeder vierte. Wäre die Quote stabil geblieben, gäbe es bundesweit rund 600.000 junge Eigentümerhaushalte mehr. „Diese Entwicklung hin zu einer „Generation Miete“ hat gravierende Folgen für Vermögensaufbau, Altersvorsorge und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“, warnt Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland. Wohneigentum dürfe kein Privileg weniger bleiben. Die Landesregierung müsse energisch gegensteuern.
• Zahl der Baugenehmigungen steigt, bleiben aber unter Höchststand
• Fertigstellungen brechen drastisch ein
• Private Bauherren investieren 1,9 Milliarden Euro
• Rheinland-Pfalz und Saarland: Genehmigungsplus aber unter früherem Niveau
Dass sich immer weniger junge Familien den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können, sei nicht nur ein wohnungspolitisches, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Problem. „Wohneigentum ist ein zentraler Baustein für Vermögensbildung, Altersvorsorge und soziale Stabilität. Wenn junge Familien und Normalverdiener dauerhaft vom Eigentum ausgeschlossen werden, wächst die Vermögensungleichheit weiter“, betonte Lipka.
In Hessen haben sich die Baugenehmigungen im Wohnungsbau 2025 erstmals wieder deutlich stabilisiert. Nach Jahren des Rückgangs wurden 16.772 Wohnungen genehmigt – 5.233 mehr als im Vorjahr und damit ein Plus von 21,8 Prozent. „Das ist ein wichtiges Signal, aber noch keine Entwarnung“, erklärte Geschäftsführer Lipka anlässlich der Vorstellung des aktuellen BFW-Konjunkturberichts Wohnen 2025/2026. „Hessen liegt bei den Genehmigungen immer noch 43,5 Prozent unter dem letzten Höchststand. Von einer echten Normalisierung kann keine Rede sein.“ Weltpolitische Einflüsse wie der Krieg im Iran lassen Preise und Zinsen bereits wieder steigen, was den Wohnungsbau erneut ins Stocken geraten lässt und im schlimmsten Fall einen möglichen Aufschwung wieder zunichtemacht.
Besonders problematisch sei, dass sich die leichte Erholung bei den Genehmigungen noch nicht in mehr fertiggestellten Wohnungen niederschlage. Im Gegenteil: Die Baufertigstellungen in Hessen liegen noch nicht vor, aber schon im Jahr 2024 brachen die Fertigstellungszahlen um 15,6 Prozent auf 17.977 Wohnungen ein. „Für die Menschen zählt am Ende nicht die Genehmigung, sondern die bezugsfertige Wohnung. Genau hier verschärft sich die Lage weiter“, so Lipka.
Zugleich zeigt der Bericht, dass private Investitionen für den Wohnungsbau unverzichtbar bleiben. Private Bauherren haben ihr Engagement in Hessen 2025 auf 1,9 Milliarden Euro erhöht und rund 6.600 neue Wohnungen auf den Weg gebracht. Ihr Investitionsanteil liegt bei 48 Prozent. Wohnungsunternehmen investierten 1,7 Milliarden Euro und erreichten ebenfalls einen Marktanteil von 48 Prozent bei der Zahl der genehmigten Wohnungen.
„Ohne private Bauherren, Projektentwickler und Wohnungsunternehmen wird Hessen seine Wohnungsprobleme nicht lösen“, betonte Lipka. „Wer mehr bezahlbaren Wohnraum will, muss Bauen und Kaufen wieder wirtschaftlich möglich machen. Dazu gehören schnellere Genehmigungen, mehr Bauland, weniger Regulierung und eine spürbare Entlastung bei den Erwerbsnebenkosten.“
Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Das hessische Bruttoinlandsprodukt ging 2025 preisbereinigt leicht um 0,2 Prozent zurück. Der Wohnungsbau verlor beim baugewerblichen Umsatz 5,8 Prozent und kam nur noch auf 1,1 Milliarden Euro. „Die Zahlen zeigen: Die Bauwirtschaft läuft nicht von selbst wieder an. Die Politik darf die aktuelle Stabilisierung nicht mit einer echten Trendwende verwechseln“, so Lipka.
Rheinland-Pfalz: Genehmigungen steigen, Fertigstellungen brechen ein
In Rheinland-Pfalz wurden 2025 insgesamt 13.026 Wohnungen genehmigt, 18,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 10.073 Wohnungen auf Neubauten. Dennoch liegen die Genehmigungen weiterhin 31,1 Prozent unter dem Niveau von 2021, im Neubau sogar 48,7 Prozent darunter. Besonders deutlich zeigt sich die Krise bei den Fertigstellungen: Sie sanken 2024 um 23,6 Prozent auf 10.815 Wohnungen.
Private Bauherren bleiben in Rheinland-Pfalz die tragende Säule des Wohnungsneubaus. Sie stehen für 56 Prozent der genehmigten Wohnungen und 65 Prozent der veranschlagten Investitionen. Seit 2021 ist ihre Bautätigkeit jedoch um rund 50 Prozent zurückgegangen.
Saarland: Starkes Plus auf niedrigem Niveau
Im Saarland wurden 2025 insgesamt 1.957 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 71,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Zuwachs ist deutlich, erfolgt aber von niedrigem Niveau aus. Gegenüber 2021 liegen die Genehmigungen weiterhin 23,3 Prozent niedriger, im Neubau sogar 59 Prozent.
Besonders drastisch ist der Rückgang bei den Fertigstellungen: 2024 wurden im Saarland nur 1.383 Wohnungen fertiggestellt, 42,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch hier dominieren private Bauherren den Neubau. Sie stehen für 55 Prozent der genehmigten Wohnungen und 71 Prozent der Investitionen.
„Die Talsohle bei den Genehmigungen könnte erreicht sein. Aber Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bauen weiterhin deutlich zu wenig“, erklärte der Geschäftsführer des BFW. „Wer die Wohnungsfrage lösen will, muss jetzt die Eigentumsbildung – gerade für junge Haushalte – stärken, private Investitionen mobilisieren und die Kosten des Bauens senken. Sonst bleibt aus der jungen Generation dauerhaft eine Generation Miete.“
Lipka stellte den Wohnungswirtschaftlichen Konjunkturbericht 2025/2026 gemeinsam mit dessen Verfasser, Professor Dr. Dieter Rebitzer, vor. Professor Rebitzer ist Studiendekan an der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen (HfWU) und Experte für Immobilienwirtschaft.
Quelle: BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/ Rheinland-Pfalz/Saarland