14. Juni 2021

Berlin baut richtungsweisenden Zukunftsort

Berlin (ab) – Der „Berlin Urban Tech Summit 2021“, eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie der Investitionsbank Berlin, stellte unter anderem die Entwicklung des ehemaligen Flughafengeländes Berlin Tegel in den Vordergrund der Veranstaltung. Die Berlin Tegel GmbH entwickelt im Auftrag des Landes Berlin auf dem 500 ha großen Areal die sogenannte Urban Tech Republic mit einem Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien sowie ein neues Wohnquartier in Holzbauweise, dem sogenannten Schumacher Quartier. Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe sieht die zur Verfügung stehende Fläche als großen Luxus für die Stadtentwicklung. „Tegel war für die Berliner das Tor zur Welt, nun wird es das Tor der Zukunft“, so Senatorin Pop.

 

Berlin TXL, Überblick (c) Tegel Projekt GmbH / Macina

 

Prof. Dr. Philipp Bouteiller, CEO der Tegel Projekt GmbH, unterstrich die Bedeutung der zu entwickelnden Fläche für die Zukunft Berlins, da hier sowohl Wissenschaft und Wirtschaft als auch ein Vorzeigewohnquartier mit moderner Mobilität und Klimawirtschaft verbunden wird.  Die Räume werden planerisch in Etappen entwickelt, damit man aktuelle und zukunftsrelevante Einflüsse, Innovationen und Ideen aufnehmen kann, berichtete Prof. Bouteiller.

Die Fläche des projektierten Schumacher Quartiers ist 50 ha groß und wird das größte Stadtquartier in Holzbauweise mit 5000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen. „Es ist auch ein soziales Modellprojekt“, hebte Prof. Bouteiller hervor, da etwa 40 Prozent des Wohnraums gefördert wird. 50 Prozent der Wohnungen werden durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften entstehen.

 

Berlin TXL, Schumacher Quartier (c) Tegel Projekt GmbH / Macina

 

In der Planung ist der öffentliche Raum zukunftsorientiert gedacht. Wohnen, arbeiten, Einkaufsmöglichkeiten, Kita und Schule sind in wenigen Gehminuten erreichbar. Die Vision der sogenannten 15-Minuten-Stadt wird hier umgesetzt.

 

Berlin TXL, Schumacher Quartier, Quartiersplatz (c) Tegel Projekt GmbH / rendertaxi

 

Das Quartier wird weitgehend autofrei. An den Rändern wird es Mobility Hubs geben. Im Innovationspark Urban Tech Republic werden neue Mobilitätskonzepte entwickelt von Sharing-Diensten bis zum autonomen Fahren.

 

Berlin TXL, Perspektive Südzufahrt (c) Tegel Projekt GmbH / Atelier Loidl

 

Prof. Bouteiller hob die Besonderheit hervor, dass das Quartier als sogenannte Schwammstadt entwickelt wurde. Die zukünftigen Wetterphänomene berücksichtigend wird Regenwasser zurückgehalten, um in Hitzeperioden zu verdunsten und damit kühlend zu wirken. Zudem machen die innovative, CO2 speichernde Holzbauweise und ein innovatives Energiekonzept des Low-Energie-Netzes das Quartier zu einem Zukunftsort.

„Das Projekt soll in die Welt strahlen“, sagte Prof. Dr.-Ing. Holger Kohl, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK).  Mit dem Verbau nachwachsender Rohstoffe kann dem Klimawandel entgegengewirkt werden. In der Holzbauweise des Schumacher Quartiers werden verschiedene Konstruktionsprinzipen angewandt und vorgefertigte Elemente eingesetzt. Ein Vorteil des Holzbaus ist, dass man hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft die Elemente wieder ausbauen und weiterverwenden kann. „So etabliert man die Stadt als Materialdepot von morgen“, so Architektin Elise Pischetsrieder, Geschäftsführerin von weberbrunner berlin Gesellschaft von Architekten mbh.

 

Berlin TXL, Schumacher Quartier, Kleiner Quartiersplatz (c) Tegel Projekt GmbH / rendertaxi

 

Mit so einem Projekt werden Impulse in die regionale holzverarbeitende Industrie gesetzt, freute sich Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie e.V. (HDH). Die neue Baukultur mit nachwachsenden Rohstoffen müsse aufgebaut werden, sowohl in der Ausbildung des Nachwuchses als auch in den Genehmigungsbehörden. Ebenso müssen die Weichen für die Infrastruktur gestellt werden und Unternehmen müssen zusammenarbeiten, so Thomas Kraubitz, Direktor des Buro Happold. „Wir brauchen ein Holzbaucluster in Berlin und Brandenburg“, stellt sich Prof. Kohl vor. Hinsichtlich der derzeitigen Baustoffknappheit und Preisentwicklung hofft Dr. Ohnesorge vielleicht schon Ende des Jahres auf eine Normalisierung.

Der „Berlin Urban Tech Summit 2021“ hat viele Eindrücke gegeben, wie eine Stadt neu gedacht werden kann. „Die Begeisterung ist heute übergesprungen“, freute sich Dr. Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin (IBB).