13. Juli 2024

BDA Masters 2023: Fünf Gewinner:innen und ein Nominiertenpreis

(c) Nicole Richter

Düsseldorf (pm) – Am 16. November 2023 tagte die Jury des BDA Masters 2023 in der diesjährigen Partnerhochschule, der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Seit 2008 vergibt der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA NRW den BDA Masters an Absolvent:innen der Bachelorstudiengänge Architektur und Städtebau, um die Qualität der Ausbildung durch ein Stipendium des Masters zu fördern. Insgesamt wurden 32 Arbeiten von 13 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen für die Teilnahme nominiert. Fünf gleichrangige Gewinner:innen zeichnete die Jury aus, den „Preis der Nominierten zum BDA Masters“ wählten die Teilnehmer:innen aus ihren Reihen.

Konnte man Projekte, die sich mit Fragestellungen der Umbaukultur, Kreislauffähigkeit, Partizipation u.ä. beschäftigten, in der Vergangenheit noch an einer Hand abzählen, setzen sich die Bachelorarbeiten inzwischen mit erfreulich vielen relevanten Zukunftsthemen auseinander. Von klassischen Aufgabenstellungen zu Konstruktion, Hoch- und Städtebau bis hin zu Interventionen im städtischen Raum und zahlreichen Umbauprojekten war die Bandbreite der Sujets vielfältig repräsentiert und die Qualität der Arbeiten auf einem hohen Niveau. Entsprechend schwer fiel den Juroren Prof. Juan Pablo Molestina (Landesvorsitzender BDA NRW), Liza Heilmeyer-Birk (Landesvorsitzende BDA Baden-Würtemberg), Tim Panzer (Architekt BDA Köln) und Annette Paul (Architektin BDA Köln) dann auch die Eingrenzung auf fünf Preisträger. So kam es, dass die entgegen der bisherigen Praxis auch die Studienprojekte der engeren Wahl auf der Preisverleihung genannt wurden.

Der Preis Nominierten ist mit 750 Euro dotiert, die fünf Preisträger:innen des BDA Masters 2023 dürfen sich auf ein Stipendium in Höhe von 2000 Euro freuen, sobald sie ihr Masterstudium beginnen.

PREIS DER NOMINIERTEN ZUM BDA MASTERS 2023

KLAPPE DIE ZWEITE
Licht an, Film ab
Verfasserin Anneke Gerdes
Hochschule MSA I münster school of architecture FH Münster
Betreuung Prof. i.V. Christoph Achterkamp

DIE PREISTRÄGERINNEN DES BDA MASTERS 2023

VIERSEITENHOF BILLIGHEIM
Verfasserin Valerie Schlüter
Hochschule PBSA Düsseldorf, Fachbereich Architektur
Betreuung Prof. Dennis Müller, Prof. Thomas Fenner

Jurybegründung

Die Arbeit von Valerie Schlüter adressiert neben aktuellen Themen wie dem Weiterbauen und Umnutzen von Bestandsgebäuden im ländlichen Raum insbesondere die Frage der möglichen Gemeinschafts- und Nutzungsformen, die es erlauben, alte Dorfinnenbereiche mit gemeinschaftlichem Leben und Arbeiten zu füllen.
Sensibel und pointiert wird Altes verändert und Neues gefügt. Bis hin zur Anbindung an die bestehende Landschaft ist die Arbeit durchdacht und reif; die Nutzungen sind wohl gewählt. Mikroappartments und Shared Spaces, größere Wohnungen und großzügige kommunikative Arbeitsbereiche schaffen einen Mix, der Lebendigkeit verspricht, wie man sie sonst eher im urbanen Raum findet.
Gezielt gesetzte Öffnungen erlauben die Teilhabe und Kommunikation mit der Umge- bung. Die architektonisch reduzierte Sprache der neuen Bauteile artikuliert deren Eigen- ständigkeit und spielt gleichzeitig mit der eigenartigen und gewachsenen Fügung des Be- standes. Die Arbeit hat die Jury in ihrer geschickten und feinsinnigen Durcharbeitung überzeugt.

ZUKUNFTSMOTOR
Transformation des KHD Verwaltungsgebäudes zu einem durchmischten Stadtbaustein
Verfasser:innen Jakob Mehrens, Paul Epple, Silva Schulz
Hochschule Alanus Hochschule, Fachbereich Architektur
Betreuung Prof. Swen Geiss, Miriam Hamel

Jurybegründung

Die Strategie zur Revitalisierung dieses industriegeschichtlich bedeutsamen Ortes be- steht in einem flexiblen Umgang mit neuen Nutzungen und intelligenten Antworten auf die unterschiedlichen räumlichen Situationen des Bestandes. So werden Arbeitsräume und Werkstätten in den tieferen Gebäudeteilen untergebracht, während die schmaleren Bauteile mit adäquaten Wohnfunktionen belegt werden.
Diese flexible Nutzungsstrategie ermöglicht eine vielfältige Interpretation der vorhande- nen Räume, kann mit unterschiedlichen Anforderungen gut umgehen und erfüllt so ein Schlüsselkriterium für echte Nachhaltigkeit.
Um die Resilienz der bestehenden Struktur aus technischer Sicht zu gewährleisten, wird der Bestand teilweise durch eine unsentimentale, aber sensible Neuerschließung ergänzt, die neue Nutzungsqualitäten bringt. Insbesondere fehlende Terrassen und Kommunikati- onsflächen im Außenraum werden auf diese Weise dem Wohnen zugeschlagen und ver- sprechen eine wirklich gute Wohnqualität.
Die neuen Bauteile treten selbstbewusst als Holzkonstruktion in einen angenehmen Kon- trast zum alten Mauerwerk. Das Neue konkurriert nicht mit dem Alten, sondern führt zu einer neuen Gesamtkomposition, in der Alt und Neu eine ästhetische Einheit bilden.
Die Arbeit gibt eine überzeugende Antwort auf die immer wiederkehrende Aufgabe, Neues zu schaffen und gleichzeitig Altes aufzuwerten.

STRUKTUR ALS KONZEPT
ein.werkatelier.ohne.grenzen
Verfasserin Maike Jungius
Hochschule RWTH Aachen, Lehrstuhl Baukonstruktion
Betreuung Prof. Hartwig Schneider, Sven Aretz, Lucas Schrader

Jurybegründung

Subtil und zurückhaltend, fast immateriell reiht sich die Arbeit in die Reihe der Universi- tätsgebäude in unmittelbarer Nähe des Reiff Museums und ergänzt das räumliche Ange- bot der Architekturfakultät. Die flexibel bespielbare Werkhalle bietet viel Raum für For- schung, Lehre und Austausch. Sie kann komplett zum Campus geöffnet werden und lässt die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen. Der Verfasserin gelingt es, ihren Entwurf konstruktiv überzeugend durchzuarbeiten und ihm durch Reduktion auf das We- sentliche eine gestalterische Klarheit abzugewinnen.
Das Projekt überzeugt einerseits durch die materielle Effizienz des feingliedrigen Stahl- tragwerks mit den optimal dimensionierten Trägern und Stützen, auf die eine leichte Fas- sade aus pneumatischen Luftkissen montiert wird sowie durch die gestalterische Kraft der feingliedrigen Struktur andererseits.
Die gelungene Auseinandersetzung mit konstruktiven Fragestellungen vor dem Hinter- grund der aktuellen Herausforderungen hat die Jury überzeugt. Es entsteht im wörtlichen wie übertragenden Sinne ein Atelier ohne Grenzen, das sich künftigen Anforderungen an- passen und durch weitere Module sinnvoll erweitert werden kann.

NAÓS
Verankerung der Zukunft von Perast
Verfasser Jonathan Wahl
Hochschule RWTH Aachen, Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens
Betreuung Prof. Vladimir Milenkovic, Prof. Anne-Julchen Bernhardt, Milica Lopicic

Jurybegründung

Die Arbeit von Jonathan Wahl beschäftigt sich mit der Transformation und Neuprogram- mierung von zwei Kirchen in Perast an der Küste von Montenegro. Abgeleitet aus der handwerklichen Tradition des Ortes werden die obsoleten Sakralräume mit einer Boots- werkstatt neu lesbar und konkret nutzbar gemacht. Die architektonischen Eingriffe aus Subtraktion und Addition verhandeln dabei die Bedingungen der existierenden Struktur mit den funktionalen Erfordernissen des neuen Programms.
Durch einen Schnitt durch die gewachsene Struktur der nebeneinanderliegenden Sakral- räume werden diese räumlich zueinander in Beziehung gesetzt und die Zugänglichkeit der Bootswerkstatt zum Wasser hergestellt. Der subtrahierte Gebäudeteil wird im Gegen- zug an einem anderen Ort in Perast wiedererrichtet und komplettiert ein bestehendes En- semble. Die Transformationsstrategien, die in der Arbeit an einem spezifischen Ort entwi- ckelt werden, haben über die konkrete Aufgabenstellung hinaus auch einen prototypi- schen Charakter und können auf eine Vielzahl von Bestandssituationen auch in unserem näheren Kontext übertragen werden. In dem „Experimentalaufbau“ werden dabei we- sentliche Fragestellungen zu Um-, An- und Weiterbauen adressiert: Wie können Trans- formationspotenziale in bestehenden Strukturen identifiziert und aktiviert werden? Wel- che programmatischen Optionen verbergen sich in bestehenden Strukturen? Wie kann das bereits existierende als Ressource für Neues nutzbar gemacht werden.

BESTsELLER
produktiv.grün.gerecht
Verfasser Fares Arnold Selo
Hochschule Fachhochschule Aachen, Fachbereich Architektur
Betreuung Prof. Stefan Werrer

Jurybegründung

Der neuentwickelte Stadtbaustein in Düsseldorf Eller weist eine vorbildliche Verbindung von Wohnen, Kulturbausteinen und produktiver Stadt auf. Von Ost nach West wird das Quartier an die Bestandstrukturen angebunden, wobei die bestehenden Typologien adä- quat umgenutzt und neu interpretiert werden.
Die Arbeit zeigt, wie Bestand identitätsstiftend in ein neues Quartier integriert werden kann. Hierbei wird ein behutsamer Übergang zwischen alten und neuen Strukturen sowie zwischen Produktion, Kultur, Gewerbe und Wohnen geschaffen.
Die Verteilung und Gliederung der unterschiedlichen Nutzungen erfolgt zum einen über eine horizontale Schichtung, die eine zusammenhängende belebte Erdgeschosszone ent- stehen lässt. Zum anderen wird das Gebiet von Ost nach West so zoniert, dass Nutzun- gen, die Lärm vertragen, sinnvoll im Gebäudebestand entlang der Bahn verortet sind. Nach Osten stellt das hauptsächlich durch Wohnen geprägte Areal einen Übergang zur Nachbarschaft her. Die Dachformen einzelner Bausteine nehmen Bezug auf die ehemali- gen Sheddächer und die Maßstäblichkeit der umgebenden Wohnbebauung.
Das Gebiet weist eine hohe Dichte auf, offeriert aber gleichzeitig eine Vielzahl von attrak- tiven Freiräumen. Über diese Freiräume, die begrünten Dächer, PV Anlagen und die Ver- wendung von Bestandsstrukturen wird hier ein Beispiel nachhaltiger Stadtentwicklung aufgezeigt, die für unterschiedliche Nutzer:innen und Bewohner:innen generationsüber- greifend einen neuen Lebens- und Arbeitsraum bietet.

Quelle: BDA Nordrhein-Westfalen