1. Oktober 2022

BDA Frankfurt fordert transparente Planungskultur für Frankfurt

Frankfurt (pm) – Ein Kaufhaus aus den 1950er Jahren an der Hauptwache soll für ein Geschäftshaus mit Läden im Erdgeschoss verschwinden. Das in der FAZ am 9. April 2022 vorgestellte Neubauprojekt „Hauptwache Eins“ zeigt exemplarisch die fehlende Transparenz in der Frankfurter Planungskultur. Der Bericht zeugt von vollendeten Tatsachen: Ein 1956 errichtetes, den Frankfurtern bekanntes und städtebaulich vielschichtiges Bestandsgebäude wird zeitnah abgerissen und durch einen stadträumlich undifferenzierten Neubau ersetzt.
Der Umgang mit dem markanten Bestandsgebäude scheint unabhängig eines Denkmalschutzes unverantwortlich. Denn im Hinblick auf die aktuellen Krisen und die hieraus sich verschärfenden Forderungen zum ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand, sind Abrissentscheidungen bei Bestandsbauten vielschichtig und differenziert abzuwägen.

Das Grundstück grenzt an die Hauptwache und trägt maßgeblich zur räumlichen Arrondierung rund um die Katharinenkirche bei. Es fehlt die öffentliche Debatte zur Nutzung und Gestaltung an diesem für Frankfurt prominenten Ort.
Die Auswirkungen der Pandemie auf den Einzelhandel waren bei dem Kaufhaus spürbar. Eine Umwandlung zu einem Geschäftshaus mit Läden scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar. Doch das Projekt ist nicht eingebunden in eine Gesamtstrategie, wie sich hier öffentlicher Raum, Nutzungsmischung, Stadtgestalt und Umfeld in Zukunft entwickeln sollen. Vor Einzelfallentscheidungen sollten die Herausforderungen der Post-Corona-Stadt mit und in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Für diesen Ort ist die Chance vertan, neue Qualitäten für die Innenstadt zu entfalten.

Die Visualisierung zeigt eine gerasterte Fassade mit Fassadenmodulation zur Einbindung im Umgriff zur Katharinenkirche. Die in den letzten Jahren im Städtebaubeirat und im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030+ formulierten Thesen und Positionen zu einem qualitätvollen Städtebau bleiben unberücksichtigt, ebenso die Auseinandersetzung mit einer klimagerechten Architektur und Maßnahmen gegen das Aufheizen der Innenstadt, beispielsweise durch Anpflanzungen oder eine Fassadenbegrünung. Die vom Städtebaubeitrat erarbeiteten Thesen sowie die allgemeinen Leitlinien zum qualitativen Städtebau der Bauaufsicht Frankfurt, die sich mit der Gliederung von Sockel, Mittelteil und Dach sowie spezifischen Eingangssituationen auseinandersetzen, werden ignoriert.

Der BDA fordert bei Neubauten an solch städtebaulich bedeutenden Orten die Sicherung einer hohen städtebaulichen und gestalterischen Qualität und eine transparente Planungskultur. Die Chancen eines Strukturwandels hin zu einer zukunftsfähigen Nutzungsmischung und klimagerechten Innenstadt müssen genutzt werden. Wettbewerbsverfahren oder das Hinzuziehen eines Gestaltungsbeirats bieten hier geeignete Methoden.

Pressemitteilung: BDA Frankfurt