23. September 2026

Bayerischer Denkmalpflegepreis 2026 verliehen: Renommierter Preis würdigt herausragende Ingenieurleistungen

München (pm) – Sechs bayerische Baudenkmäler und ihre Bauherrschaften wurden am 17. September 2026 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 ausgezeichnet. Zu den prämierten Bauwerken gehören eine Schlossbrücke, historische Personenaufzüge und ein internationales Mahnmal. Den Preis überreichte Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, gemeinsam mit dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Dr. Florian Herrmann.

Sieger bei den öffentlichen Bauwerken sind die Bronzeplastik Internationales Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau (Gold), die Shedhalle des Städtischen Berufsschulzentrums für das Bau- und Kunsthandwerk in München (Silber) und die Pfarrkirche Zwölf Apostel in Augsburg (Bronze).

Bei den privaten Denkmälern wurden die Brücke des Schlosses Greifenberg (Gold), die Restaurierung und Wiederinbetriebnahme zweier historischer Personenaufzüge in München (Silber) und das Hudlerhaus in Moosburg (Bronze) ausgezeichnet.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vergibt den Preis zum inzwischen zehnten Mal gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. 59 Bauwerke aus ganz Bayern wurden der Jury zur Prüfung vorgelegt.

In den beiden Kategorien öffentliche und private Bauwerke wurde je einmal Gold, Silber und Bronze vergeben. Für die Gewinner der Kategorie „Private Bauwerke“ stellt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau zusätzlich zur Auszeichnung ein Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro bereit.

Ein besonderes Augenmerk bei der Vergabe des Preises gilt den herausragenden Leistungen der beteiligten Ingenieurbüros, die maßgeblich zum Erfolg der Instandsetzungen beigetragen haben.

„So einmalig wie jedes Baudenkmal ist, so einzigartig und behutsam ist auch die Herangehensweise bei der Modernisierung und beim Erhalt. Hierfür gibt es keine Standardlösungen, sondern nur individuell auf das jeweilige Baudenkmal angepasste Lösungen. Und das macht den Reiz dieser Ingenieurbaukunst aus. Es ist mir auch dieses Jahr eine große Freude und ein besonderes Anliegen, mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis das erfolgreiche Zusammenspiel der beiden Disziplinen Ingenieurbaukunst und Denkmalpflege sowie die erfolgreichen fachdisziplinübergreifenden Teamarbeiten zu würdigen und mit dem Preis den Blick von Öffentlichkeit und Fachwelt auf die herausragenden Ingenieurleistungen zu lenken“, sagt Prof. Dr. Norbert Gebbeken, der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

„Der Bayerische Denkmalpflegepreis würdigt nicht nur hervorragende bauliche Ergebnisse, sondern vor allem die Menschen, die mit Leidenschaft, Fachwissen und Ausdauer Verantwortung für unser bauliches Erbe übernehmen. Die ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für eine Baukultur, die den Wert des Bestandes erkennt und ihn mit hoher fachlicher Qualität weiterträgt. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die mit ihrem Engagement zum Gelingen dieser Projekte beitragen. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass Bayerns vielfältige Denkmallandschaft auch für kommende Generationen erlebbar bleibt“, ergänzt Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Die Gewinner im Überblick:

Kategorie Öffentliche Bauwerke

Gold: Bronzeplastik Internationales Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau, Oberbayern

Internationales Mahnmal – Bronzeplastik in der KZ-Gedenkstätte Dachau © Kaiser + Böttges

Jurybegründung:

Der Instandsetzung des Mahnmals gingen eine umfangreiche Analyse und Kategorisierung der Risse voran. Darauf aufbauend erfolgte eine ausführliche Modellbildung mit genauer Betrachtung der unterschiedlichen Lastwege. Für die Instandsetzung wurden dann nicht nur umfangreiche Berechnungen angestellt, sondern es erfolgten auch genaue Betrachtungen zur Verträglichkeit der Materialien. Additive Elemente wurden dabei so eingeplant, dass sie später nicht mehr sichtbar sind. Insgesamt handelt es sich hier um eine äußerst sensible Herangehensweise, durch die das wichtige Denkmal wieder gesichert werden konnte.

Silber: Shedhalle des Städtischen Berufsschulzentrums für das Bau- und Kunsthandwerk München, Oberbayern

Shedhalle des Städt. Berufsschulzentrums für das Bau- und Kunsthandwerk München © Stefan Müller-Naumann

Jurybegründung:

Für die Instandsetzung des Schalentragwerks wurden mit Carbonfasern neue Baustoffe eingesetzt. So war es möglich, die Tragfähigkeit der Schalen wieder zu erhöhen und gleichzeitig das Zusatzgewicht gering zu halten. Mithilfe einer speziellen Sensortechnik wird sichergestellt, dass die Schalen der gering beheizten Hallen frostfrei gehalten werden. Die Instandsetzung zeigt, wie innovative Ingenieurmethoden und zeitgemäße Nutzung bei filigranen Stahlbetonkonstruktionen der Nachkriegsmoderne erfolgreich miteinander verbunden werden können. Hierdurch gelang es, einen typischen Vertreter der Nachkriegsmoderne auf beispielhafte Weise zu erhalten.

Bronze: Pfarrkirche Zwölf Apostel, Augsburg, Schwaben

Pfarrkirche Zwölf Apostel © Mittnacht – Kehl

Jurybegründung:

Im Zuge der Planung wurde das Potential des Deckenhohlraums erkannt. Das Tragwerkskonzept ergänzt die geschädigten Hohlkastenbinder seitlich durch ein Holzfachwerk-Subsidiärtragwerk, das die Dachhöhe ausnutzt und kraftschlüssig angeschlossen wird. Alle Dachlasten werden dabei dem neuen Tragwerk zugeordnet. So war es möglich, die Originalkonstruktion zu erhalten und gleichzeitig auf aufwendige Dachöffnungen, Gerüste sowie Schutzdächer zu verzichten. Die Kirche blieb nutzbar und die Instandsetzung erfolgte auf eine besonders wirtschaftliche Art.

Kategorie Private Bauwerke

Gold: Sanierung und Instandsetzung der Brücke von Schloss Greifenberg, Oberbayern

Brücke zum Schloss Greifenberg © Oliver Jaist

Jurybegründung:

Die bestehenden Bögen der Schlossbrücke wurden abgestützt, Geländer, Belag und Abdichtung entfernt und schadhafte Stellen gereinigt. Anschließend erfolgte die Reprofilierung der geschädigten Betonbögen. Darauf entstand dann eine 20 cm dicke Ortbeton-Gehwegplatte mit nichtrostender Bewehrung, die als Belag, Verschleiß- und Schutzschicht dient. Durch die Platte erfolgt eine Lastverteilung auf die Stampfbetonkonstruktion, wodurch diese letztendlich entlastet wird. Durch den Erhalt der eigentlichen Brückenkonstruktion und durch den Verzicht eines eigenen Fahrbahnbelags gelang eine besonders kreative und wirtschaftliche Instandsetzung.

Silber: Restaurierung und Wiederinbetriebnahme zweier historischer Personenaufzüge, München, Oberbayern

Historische Personenaufzüge © Robin Augenstein

Jurybegründung:

Die Wiederinbetriebnahme der historischen Aufzüge nach Jahrzehnten ist deutschlandweit einmalig. Die detaillierte Bestandsaufnahme, Archivrecherche und eine Bewertung von Sicherheitsbauteilen und Funktionszusammenhängen der historischen Steuerungen ermöglichten ein abgestimmtes Restaurierungskonzept. Nur irreparable Teile wurden unter Anwendung historischer Techniken – wie zum Beispiel Metallverguss der Seile – erneuert. Die Aufzüge präsentieren sich in musealer Qualität und sind dennoch alltagstauglich und sicher. Die robuste 1920er-Technik ist langfristig reparierbar und verbraucht nur ein Drittel der Energie moderner Anlagen – ein nachhaltiges Vorbild.

Bronze: Hudlerhaus in Moosburg, Oberbayern

Hudlerhaus Moosburg © Johanna Borde

Jurybegründung:

Beim Hudlerhaus in Moosburg lagen auf jeder Ebene unterschiedliche statisch konstruktive Probleme vor, die allesamt gelöst werden konnten. Besonders hervorzuheben ist die Verbesserung der Gründung mit Mikropfählen in Verbindung mit einer tragenden Bodenplatte. Diese bindet zahnartig in die Wände ein und überträgt deren Lasten auf die Pfähle. Beim stark geneigten Westgiebel erfolgte die Stabilisierung und Instandsetzung durch ein räumliches Faltwerk aus Holzwerkstoffplatten, das die Horizontallasten letztendlich in die Außenwände ableitet. Bei allen Maßnahmen wurden die Eingriffe in den Bestand auf das Nötigste reduziert. Hierdurch war die Instandsetzung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch denkmalgerecht.

Quelle: Bayerische Ingenieurekammer-Bau