20. Januar 2022

Bauwirtschaft meldet zahlreiche offene Lehrstellen

Verstärkte Ausbildung von Frauen soll Personalmangel lindern

Stuttgart (pm) – In der Baubranche sind im Spätherbst 2021 zahlreiche Ausbildungsplätze noch unbesetzt. Dies ergab eine aktuelle Erhebung der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Demnach melden 66 % der befragten Bauunternehmen, dass sie für ihre offenen Lehrstellen bisher keine passenden Bewerber finden konnten. Gleichzeitig klagen 78 % der Firmen über Arbeitskräftemangel bei Facharbeitern und Hilfskräften als größte Beeinträchtigung ihrer Bautätigkeit. „Dieses Ergebnis zeigt, welch zentrale Bedeutung die Personalfrage in unserer Branche hat. Grund ist der enorm hohe Baubedarf in den kommenden Jahren z.B. im Verkehrswegebau, im Wohnungsbau und in der energetischen Sanierung von Gebäuden“, erklärt Geschäftsführer Thomas Möller. Wie die Umfrage belegt, ist die Ausbildungsbereitschaft der Bauunternehmen nicht zuletzt deshalb nach wie vor sehr hoch: 46 % der Firmen planen, im kommenden Jahr die Zahl ihrer Lehrlinge zu erhöhen.

Die Bauwirtschaft zählt zu den Branchen, die trotz Corona-Krise stabile Ausbildungszahlen verzeichnen. Im letzten Ausbildungsjahr gab es bei den Baulehrlingen in Baden-Württemberg immerhin ein Plus von 4,9 %. Dies reicht jedoch bei weitem nicht aus, um den Fachkräftebedarf nachhaltig zu decken; leider kann der Bau-Nachwuchs die in den nächsten Jahren zu erwartenden Abgänge in die Rente nicht mehr ausgleichen. Um die durch den demographischen Wandel drohende Fachkräftelücke zu schließen, sind daher grundlegende Gegenmaßnahmen notwendig. „Die Politik muss vor allem dafür sorgen, dass duale und akademische Ausbildung in der Öffentlichkeit als gleichwertig wahrgenommen werden. Wir brauchen eine ergebnisoffene berufliche Orientierung vor allem auch an den Gymnasien“, fordert Möller. Zusätzlich sollten die Mittel für die Begabtenförderung im Ausbildungsbereich finanziell aufgestockt werden. Wünschenswert sei außerdem die flächendeckende Einführung eines Azubitickets für den Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch das mache die handwerkliche Berufsausbildung attraktiver. Nur durch ein komplexes und effizientes Maßnahmenbündel könne der einseitige Trend zur Akademisierung gebremst werden. „Handwerk hat tatsächlich goldenen Boden. Diese Erkenntnis muss wieder in die Köpfe der jungen Menschen. Unsere Branche blieb inmitten der Krise stabil. Und wir sind auch für die kommenden Jahrzehnte gut aufgestellt.“

Handlungsbedarf gibt es aus Sicht der Bauwirtschaft außerdem im Bereich der Zuwanderung. „Da sich der Fachkräftemangel in der Zukunft voraussichtlich weiter zuspitzen wird, müssen wir verstärkt Auszubildende und Arbeitskräfte im Ausland anwerben. Die politisch Verantwortlichen müssen jetzt  schnellstmöglich neue Möglichkeiten der legalen Einwanderung zwecks Arbeitsaufnahme schaffen“, so Möller. Einige im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien angekündigten Schritte gingen in die richtige Richtung.

Um die Nachwuchssituation in ihrer Branche zu verbessern, hat die Bauwirtschaft bereits Eigeninitiative ergriffen. So läuft seit 2011 die groß angelegte Verbandswerbekampagne „Bau – Dein Ding“, bei der durch Unterrichtsangebote an Schulen sowie multimediale Info-Stände auf Berufsmessen Schüler und Lehrer über die vielfältigen Karrierechancen in den Bauberufen informiert werden. „Unsere Branche bietet nicht nur ausgezeichnete berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, sondern auch sichere Arbeitsplätze und eine Top-Bezahlung. Damit ist sie hochattraktiv für junge Schulabgänger“, betont Thomas Möller. Interessante Berufsperspektiven eröffnen sich im Übrigen auch für Frauen. „Da auf den Baustellen verstärkt moderne Maschinen und digitale Technologien zum Einsatz kommen, ist heute in der Baupraxis weniger Muskelkraft, sondern Fachwissen gefragt“, so der Geschäftsführer. Tatsache ist, dass inzwischen zahlreiche Frauen als Fach- und Führungskräfte erfolgreich am Bau tätig sind. Die Bauwirtschaft erkennt in der verstärkten Beschäftigung von Frauen ein erhebliches Potenzial, das dazu beitragen kann, den Personalmangel zu lindern.

Pressemitteilung: Bauwirtschaft Baden-Württemberg