15. August 2022

Bauindustrie Hessen zu der aktuellen Konjunktur: „Wir geraten in einen verhängnisvollen Kreislauf!“

Wiesbaden (pm) – Im hessischen Bauhauptgewerbe betrug der Auftragseingang im Februar dieses Jahres 455 Mio. €, das sind 14,5 Prozent mehr als im Februar 2021. Der Umsatz betrug 374 Mio. €, das sind im Vergleich mit dem Vorjahresmonat 31,7 Prozent mehr. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe blieb in Hessen mit 35.467 (minus 1,1 Prozent) beinahe konstant im Vergleich mit dem Februar 2021. Die Angaben beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamtes und gelten für Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten.

Die Februar-Zahlen spiegeln eher die Erholung nach Corona wider als die Auswirkungen der globalen Situation. Der Ukraine-Krieg seit dem 24. Februar 2022 hat die Lage – Preisanstieg der Baustoffe, Lieferengpässe, Materialknappheit, die sich öffnende Schere zwischen Aufträgen und Umsätzen – extrem verschärft. „Wir müssen von einer veritablen Krise reden. Die Auswirkungen des Krieges werden auf den Baustellen in Hessen auf dramatische Weise sichtbar“, kommentiert Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen, die gerade veröffentlichten Konjunkturindikatoren für den Monat Februar 2022.

„Die Verknappung auf den Rohstoffmärkten hat die Preise für Konstruktionsstahl und Bitumen, aber auch Spundwände, Rohre, Aluminium und Kupfer in die Höhe getrieben. Gestiegene Dieselkosten lassen seriöse Kalkulationen kaum noch zu. Das macht es für die Firmen fast unmöglich, Aufträge zu erfüllen oder überhaupt Angebote abzugeben. „Es kommt zu Bauverzögerungen, auch Baustopps“, erläutert Burkhard Siebert die angespannte Lage auf dem Bau. „Und die Folgen für die Volkswirtschaft sind unabsehbar. Es entsteht durch die Preisexplosion, Inflation und Unsicherheit ein Kreislauf nach unten. Die Nachfrage sinkt: Die privaten Aufträge gehen zurück. Die öffentliche Hand überdenkt Investitionen, weil die Baubudgets nicht beliebig gesteigert werden können. Die Umsetzung großer öffentlicher Vorhaben des Wohnungsbaus und der Mobilitätswende sind massiv gefährdet. Die Folge sind einerseits Insolvenzen, Kurzarbeit und Entlassungen. Anderseits, wenngleich verzögert geringere Gewebesteuereinnahmen und höhere Sozialkosten – und wiederum geringere Investitionsmöglichkeiten.“ Burkhard Siebert fordert in Wiesbaden: „Dringlich ist jetzt die Einführung und Anwendung der Stoffpreisgleitklausel auf allen Baustellen des Landes und der kommunalen Ebene. Es bedarf dazu klarer Ausführungsbestimmungen. Und das Bauen muss schnell von vielen bürokratischen Hemmnissen, die Planungen verlangsamen und das Bauen verteuern, befreit werden: angefangen bei einfacheren Transportgenehmigungen.“

Pressemitteilung: Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V.