5. Februar 2023

Bauindustrie Hessen: „Kreislaufwirtschaft am Bau gezielt fördern! Initiative des Landes erwartet“

Wiesbaden (pm) – „Die Corona-Pandemie hatte bereits unsere Schwachstellen, der Ukraine-Krieg hat nun unsere Abhängigkeiten schonungslos offenlegt. Darauf müssen wir ebenso schnell wie weitsichtig reagieren. Dass wir uns auf weniger Importe einstellen und mit unseren Rohstoffen effektiver umgehen müssen, liegt auf der Hand“, sagt Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen angesichts der extrem angespannten Lage auf den hessischen Baustellen.

„Das Thema Rohstoffsicherung steht ganz oben auf unserer Tagesordnung. Dazu müssen wir die Recyclingquote erhöhen. Die hessische Bauwirtschaft steht zu ihrer Verantwortung, zukünftig mehr mineralische Bau- und Abbruchabfälle, insbesondere aus der Fraktion Boden und Steine, selbst Beton zu recyceln und hochwertig im Stoffkreislauf zu behalten. Aber die Verordnungen des Bundes hemmen die Kreislaufwirtschaft, führen sogar zu einem Anstieg der Deponierung von wertvollen Bauabfällen. Die unspezifischen Ausschreibungen für Entsorgungsleistungen haben zur Folge, dass der Lebenszyklus von Rohstoffen nicht in der Planung berücksichtigt werden kann. Das Recycling aber muss bereits in die Ausschreibung einfließen. Und der Abfallbegriff muss grundhaft überdacht werden. Derzeit kostet allein die Entsorgung des Erdaushubes für ein Einfamilienhaus etwa 30.000 €. Nur weil Erdreich in eine Baggerschaufel gelangt, handelt es sich noch nicht um Abfall, so aber wird das Material nach aktueller Gesetzeslage klassifiziert.

Viele komplizierte Regelungen und bürokratische Anforderungen haben im praktischen Baugeschehen zu weniger Verwertung, mehr Deponierung und höheren Entsorgungskosten geführt. Wir können uns da jetzt nicht mehr leisten! Mineralische Ersatzbaustoffe, die einer strengen Qualitätskontrolle unterliegen, müssen aus dem Abfallregime entlassen werden. Recyclingbaustoffe sollten als das gelten, was sie sind: wertvolle Ressourcen und hoch innovative Baumaterialien. Wir müssen deutlich mehr wertvolle Bau- und Abbruchabfälle in der Kreislaufwirtschaft halten. Wir benötigen entweder schnell eine bundeseinheitliche Verordnung, die die Weichen sehr deutlich in Richtung einer Stärkung des Baustoffrecyclings stellt. Oder das Land Hessen sollte den Einsatz gütegesicherter Recyclingstoffe gezielt fördern. In Rheinland-Pfalz gibt es ein entsprechendes Bündnis für die Kreislaufwirtschaft am Bau mittlerweile“, so Dr. Burkhard Siebert.

Pressemitteilung: Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V.