19. Mai 2024

Baugenehmigungen für Wohnungen im September 2023: -29,7 % gegenüber Vorjahresmonat – Kommentare

Wiesbaden (pm) – Im September 2023 wurde in Deutschland der Bau von 19 300 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach teilweise geschätzten Ergebnissen mitteilt, waren das 29,7 % oder 8 200 Baugenehmigungen weniger als im September 2022. Von Januar bis September 2023 sank die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28,3 %. Dies entspricht einem Rückgang um 76 900 auf 195 100 Wohnungen. Zum Rückgang der Bauvorhaben dürften weiterhin vor allem hohe Baukosten und schlechte Finanzierungsbedingungen beigetragen haben. In den Ergebnissen sind sowohl die Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Gebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

Deutliche Rückgänge der Baugenehmigungen bei Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis September 2023 insgesamt 160 400 Wohnungen genehmigt. Das waren 31,7 % oder 74 500 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei ging die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um über ein Drittel (-38,4 % beziehungsweise -23 600 Wohnungen) auf 37 900 zurück. Bei den Zweifamilienhäusern hat sich die Zahl genehmigter Wohnungen sogar mehr als halbiert (-51,9 % beziehungsweise -12 000) auf 11 100. Auch bei der Gebäudeart mit den insgesamt meisten Wohnungen, den Mehrfamilienhäusern, verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich und zwar um mehr als ein Viertel (-27,2 % beziehungsweise -39 300) auf 105 200. Nur die Wohnheime konnten durch einen Anstieg auf 6 200 neu errichtete Wohnungen ein positives Ergebnis verzeichnen (+8,4 % beziehungsweise +500).

Quelle: DESTATIS | Statistisches Bundesamt

Kommentare

Keine Trendwende in Sicht. Branche blickt auf Bauministerkonferenz

„Der September 2023 markiert einen neuen traurigen Negativrekord: Seit nunmehr einem Jahr gehen die Genehmigungszahlen im Wohnungsbau mit zweistelligen Raten zurück. Mit 19.300 Wohnungen wurden 29,7 Prozent weniger genehmigt als vor Jahresfrist. Dies war die geringste Zahl seit 2013. Weder der Wohnungsgipfel noch die zögerlichen Initiativen der Politik waren bisher in der Lage, die Trendwende einzuleiten und neues Vertrauen in den Markt zu bringen. Die Politik muss nun endlich überzeugend und kraftvoll reagieren, damit die Wohnungsnot sich nicht weiterverschärfe.“ So kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, die Genehmigungszahlen, die das Statistische Bundesamt heute bekannt gegeben hat. Der ungebremste Zuzug nach Deutschland verschärfe noch das Problem. „Der Rückgang der Zahl aller Wohnungen durch Neu- und Umbaugenehmigungen in den ersten 9 Monaten um 28,3 Prozent ist ein Warnsignal an alle,“ meint Müller.

Auch der Hinweis auf die hohe Zahl (100.000 Wohnungen) an genehmigten, aber noch nicht begonnenen Wohnungen helfe nicht weiter, so Müller. „Unsere Wohnungsbaufirmen berichten unisono von Gesprächen mit Investoren, die sagen, die gestiegenen Baukosten nicht mit den dann notwendigen Mieten auf dem Wohnungsmarkt refinanzieren zu können.“ Bei Kaltmieten von – je nach Region – 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche werden die erteilten Genehmigungen nicht in Baumaßnahmen umgesetzt. „Die Bauindustrie hat bereits geliefert und aufgezeigt, wie etwa mit industriellem, seriellen Bauen Mieten um rund 20 Prozent gesenkt werden könnten. Bund und Länder müssen nun endlich vergleichbar effektive Maßnahmen einleiten, damit Wohnen in Deutschland wieder bezahlbar wird“, sagt Müller. Kämen keine weiteren Schritte von Bund und Ländern hinzu, stehe zu befürchten, dass im Jahr 2025 die Fertigstellungszahlen unter die 200.000-Grenze fallen würden.

Mit Sorge blickt die Branche deshalb auf die Bauministerkonferenz Ende November. Müller wiederholt die Forderung nach einer flächendeckenden Absenkung der Grunderwerbsteuer durch die Bundesländer sowie die seit vielen Jahren überfällige Vereinheitlichung der Landesbauordnungen. Von der Bundesregierung erwartet er schnellstmöglich das derzeit diskutierte Zinsverbilligungsprogramm. Nur wenn es gelinge, die Refinanzierungskosten der Investoren zu senken, sei auch mit einem Anspringen des Wohnungsbaumotors zu rechnen.

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.

Immer weniger Baugenehmigungen in Deutschland: „Wohnungsbau muss oberste Priorität bekommen“

„Der Wohnungsbau ist in einer tiefen Krise“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen. Nach dem spektakulären Urteil zum Schutz der Schuldenbremse appelliert Pakleppa, die Ampel müsse jetzt die richtigen Prioritäten setzen.

„Im September verzeichnete das Statistische Bundesamt zum Vorjahresmonat einen Rückgang um fast 30 Prozent (29,7 %). Bis September wurden in diesem Jahr fast 77.000 Wohnungen weniger genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Bei den Mehrfamilienhäusern erteilten die Behörden 27 Prozent weniger Baugenehmigungen, bei Einfamilienhäusern waren es minus 38 Prozent.

Die Politik darf Hausbauer und Bauwillige nicht weiter im Stich lassen. Seit sechszehn Monaten in Folge sind die Baugenehmigungszahlen nun im negativen Bereich. Hinzu kommt eine beispiellose Stornierungswelle. All diese Wohnungen werden uns in zwei bis drei Jahren auf dem ohnehin aufgeheizten Markt fehlen. Wenn es so weitergeht, werden 2024 nicht einmal 250.000 Wohnungen fertig. Das ist ein Fiasko mit Ansage.

Die Ampel muss den Wohnungsbau ganz oben auf ihre Agenda setzen. Ein Dach über dem Kopf und eigene vier Wände für Mieterinnen und Mieter sowie für die vielen Menschen, die zu uns kommen, muss ein Schwerpunkt der Bundesregierung werden – und das auch bei eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. Sonst wird die Wohnungsnot noch größer. Wohnen darf nicht zum Luxusgut werden.

2/3 aller Wohnungen bauen private Bauherren. Gerade sie sind angesichts der schwierigen Finanzierungsbedingungen mehr denn je auf die Förderung des EH 55-Standards und bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten angewiesen. Die Länder können das Bauen in Deutschland ankurbeln, indem sie Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer einräumen und ihre Landesbauordnungen endlich harmonisieren. Wenn nicht gebaut wird, läuft der Bauturbo ins Leere. Die ganze Branche blickt gespannt auf die Ergebnisse der bevorstehenden Bauministerkonferenz.“

Quelle: Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Immobilienwirtschaft: „Wer angesichts des Rückgangs der Baugenehmigungen zur Tagesordnung übergeht, versündigt sich am sozialen Zusammenhalt im Land“

Die Immobilienwirtschaft warnt davor, die anhaltend finsteren Zahlen des Statistischen Bundesamts zu den Baugenehmigungen mit resigniertem Schulterzucken zur Kenntnis zu nehmen. „Wer angesichts des Rückgangs der Baugenehmigungen zur Tagesordnung übergeht, versündigt sich am sozialen Zusammenhalt im Land“, kommentiert Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), die aktuellen Meldungen aus Wiesbaden. „Aus Denkmodellen und starken Überlegungen für den Wohnungsbau müssen unbedingt sehr, sehr schnell politische Taten werden.“

Hintergrund: Nach den heute publizierten Informationen des Statistischen Bundesamtes ging im September dieses Jahres in Deutschland die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 30 Prozent (29,7 Prozent) zurück. „Damit setzt sich eine traurige Entwicklung fort, die nun zum deutschen Dauertrend zu werden droht“, klagt Mattner. Denn von Januar bis September dieses Jahres sank die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28,3 Prozent.

Die sinkenden Baugenehmigungszahlen seien nur „Vorboten des Schreckens“, so Mattner: Entscheidend seien die schon jetzt fehlenden Wohnungen. Der ZIA selbst hat seine Prognosen für die weitere Entwicklung beim Wohnungsmangel zuletzt nach oben korrigiert: Aktuell geht die Immobilienwirtschaft von 750.000 fehlenden Wohnungen bis 2025 aus – das ist eine um 50.000 größere Lücke als Anfang 2023 taxiert. Bis 2027 könnten, so die Prognose, bis zu 830.000 Wohnungen fehlen.

Der ZIA ruft die politischen Entscheiderinnen und Entscheider dazu auf, die Ideen aus dem Bündnis bezahlbarer Wohnraum „unverzüglich“ anzugehen. Angesicht der jüngsten Signale der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sei mit steigenden Anträgen auf Asyl zu rechnen. „Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, sollten wir Wohnraum bieten können. Und ein Konkurrenzkampf zwischen denjenigen, die neu ankommen, und denen, die hier schon lange vergebens nach Wohnraum suchen, muss unbedingt verhindert werden“, so Mattner.“

Der Verband hat hier auch große Erwartungen an die Bauministerkonferenz in einigen Tagen.

Der ZIA fordert:

  • Ein großvolumiges „KfW-Kreditprogramm Wohnen“ mit einem Zinssatz von zwei Prozent für Neubauten ab Standard EH 55. Die Aufwendungen für ein solches Programm, das Mietwohnungen pushen könnte, liegen laut Mattner bei etwa neuen Milliarden Euro. Diese Summe werde, so der ZIA-Präsident, „durch mehr Steuereinnahmen aufgrund von Bautätigkeit und ersparte Transferleistungen für Arbeitslosigkeit kompensiert“
  • Ein temporäres Aussetzen der kommunalen Abschöpfungsmodelle bei Projektentwicklungen sowie ein Aussetzen der Grunderwerbsteuer, und zwar auch für Mietwohnungen
  • Mutige Planungsentscheidungen, um den Wohnungsneubau auch durch serielles und modulares Bauen voranzutreiben

Quelle: Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA)

Einstürzende Neubaugenehmigungszahlen – Sofortmaßnahmen dringend nötig

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen fordert von der Bundesregierung Sofortmaßnahmen angesichts der aktuellen Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamts. Bei Einfamilienhäusern lag der Rückgang bei – 38,4 Prozent, bei Zweifamilienhäusern um – 51,9 Prozent und Mehrfamilienhäusern um – 27,2 Prozent. „Wir müssen jetzt handeln, bevor der Markt komplett kollabiert. Wir brauchen jetzt als Sofortmaßnahme zinsvergünstigte Darlehen auf zwei Jahre begrenzt für Gebäude nach dem aktuell gültigen Standard. Alle anderen beschlossenen Maßnahmen sind richtig, wirken aber erst, wenn es schon zu spät ist“ erklärte BFW-Präsident Dirk Salewski in Berlin.

„Ein Blick auf die Zahlen genügt, um zu erkennen: Bei diesen Bedingungen wird der Absturz weitergehen, die Talsohle ist noch lange nicht erreicht. Aber wenn wir jetzt nicht aktiv werden und breiten Schichten ermöglichen zu bauen, dann werden alle guten Maßnahmen zu spät kommen, die wir als Partner im Bündnis für bezahlbaren Wohnraum auch mittragen. Denn sie wirken erst mittelfristig. Dann wird es aber vermutlich keinen Markt mehr geben, den wir stützen oder retten könnten.

Es ist nicht wegzudiskutieren: Die abertausenden fehlenden Wohnungen und die negativen wirtschaftlichen Effekte durch Insolvenzen und Arbeitslosigkeit sind sozialer Sprengstoff. Vom Baggerfahrer bis zum Maler, von den Familien über die Rentner und die Auszubildenden und Studierenden – alle sind hiervon betroffen.

Jetzt heißt es: Runter mit allen vermeidbaren Kosten. Es muss entschieden gehandelt werden, und zwar von allen Beteiligten: Bund, Ländern, Kommunen. Wir brauchen einen echten Bau-Aufbruch“, so der BFW-Präsident.

Quelle: BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen

Baugenehmigungen im Abwärtsstrudel: Zinsverbilligungen für bezahlbaren Wohnungsbau müssen schnell kommen

Berlin – Im September 2023 wurden mit einem Minus von 29,7 Prozent erneut deutlich weniger Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahresmonat. Das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW:

„Die Bundesregierung lässt den Wohnungsbau sehenden Auges im Abwärtsstrudel versinken. Der GdW hat mit seinen beiden Rahmenvereinbarungen für serielles und modulares Bauen seit 2018 dazu beigetragen, die Baukosten wieder in eine umsetzbare Größenordnung zu rücken. Der bezahlbare Wohnungsbau scheitert allerdings an der Zinsentwicklung. Genau das ist der Hebel, an dem die Bundesregierung mithilfe von Zinsverbilligungen unter überschaubarem Mitteleinsatz ansetzen muss. Mehr Wohnungsbau bewirkt dann höhere Steuereinnahmen, so dass deutlich mehr Geld in die Staatskasse zurückfließt, als ausgegeben wird. Die Abwärtsspirale beim Wohnungsbau könnte so deutlich abgemildert werden.

Dass die Regierung das bislang nicht tut, ist vollkommen unverständlich. Stattdessen fordert der Bundeskanzler quasi historischen Wohnungsbau wie in den 1970er-Jahren und nennt fehlendes Bauland als Hauptgrund für den Wohnungsmangel. Die wesentlichen Ursachen für die Wohnungsbaukrise liegen aber woanders: Unter den aktuell extrem hohen Baukosten und stark gestiegenen Zinsen können die sozial orientierten Wohnungsunternehmen schlicht nicht mehr bauen.

Die immer weiter sinkenden Baugenehmigungszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Es darf keine Zeit mehr verloren werden, wir brauchen in Deutschland dringend eine Zinsverbilligung für bezahlbaren Wohnungsbau auf 1 Prozent. Im Gegenzug sind dann wieder Mieten zwischen 9 und 12 Euro möglich und sie können unter diesen verbesserten Bedingungen im Rahmen eines neuen Versprechens für bezahlbares Wohnen garantiert werden.

Es muss jetzt schnell gehen, damit der Wohnungsmangel nicht noch extremer wird. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft hat kürzlich ihre zweite Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen vorgelegt. Damit können schnell Wohngebäude in hoher Qualität entstehen, die Rahmenvereinbarung bietet Preisstabilität und sendet mit Baukosten unter einem Mittelwert von 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ein starkes Preissignal in den Markt. Mit Wohnungsbau aus den 1970ern ist dieser moderne und innovative Wohnungsbau nicht vergleichbar, die entstehenden Wohngebäude unterscheiden sich weder optisch noch in ihrer Qualität von anderen Mehrfamilienhäusern. Jetzt liegt es an der Regierung, mit einer schnellen Verbesserung der Baubedingungen den Weg für bezahlbaren Wohnungsbau von heute frei zu machen.“

Weitere Infos zur Rahmenvereinbarung „Serielles und modulares Bauen 2.0“ finden Sie hier.

Quelle: GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen