3. Dezember 2022

Bau- und Ausbauwirtschaft zur Energiekrise: „Unsere Betriebe bangen, ob sie überleben können“

Stuttgart (pm) – Die Bauwirtschaft im Land ist alarmiert. Explodierende Kosten für Strom, Gas und Diesel treiben die Energie- und damit auch die Rohstoffpreise in ungeahnte Höhen. Nervosität macht sich breit in der Branche. „Viele unserer Betriebe bangen, ob sie angesichts der Energiekrise mit all ihren Folgen die nächsten Monate überstehen werden“, beschreibt Bernhard Sänger, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, die aktuelle Lage auf den Baustellen. „Es gibt Firmen, vor allem im Wohnungsbau, die haben zweistellige Stornierungszahlen pro Tag und bekommen keine neuen Aufträge mehr rein.“ Dabei sei der Tenor auf Kundenseite immer der gleiche: Bauen wäre inzwischen so teuer geworden, dass man sich einen Hausbau ohne Fördermittel gar nicht mehr leisten könne. Doch auch die Bauunternehmen, insbesondere im Rohbau, stünden angesichts der nicht enden wollenden Preisspirale mit dem Rücken zur Wand, so Sänger. Auch er fordert deshalb für eine gewisse Zeit einen Preisdeckel auf Energie.

Im Baunebengewerbe – etwa bei den Stuckateuren, Fliesenlegern, im Holzbau oder den Landschaftsgärtnern – wird die Situation unterschiedlich bewertet. Sie profitieren momentan noch von einer guten Auslastung, wie etwa Rainer König, Vizepräsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft und zugleich Vorsitzender des Stuckateurverbandes, berichtet. Die Aufträge reichten in diesem Gewerken teils bis in den nächsten Sommer hinein. Zudem führten die hohen Energiepreise dazu, dass Immobilienbesitzer verstärkt in ihre Gebäude und damit in die Sanierung investierten. „Wir denken, dass sich das Bauen künftig mehr in den Bestand verlagern wird. Allerdings wird es insgesamt nicht billiger werden.“

Dagegen spricht Sven Blümel, Vorsitzender des Landesinnungsverbands Fliesen, von einer deutliche Stornierungswelle im Badbereich. „Aufgrund der massiven Preissteigerungen gibt es vor allem bei Privatkunden eine starke Kaufzurückhaltung in Bezug auf neue Fliesenaufträge. Firmen, die keine Rücklagen haben und über wenig Eigenkapital verfügen, sind tatsächlich in ihrer Existenz bedroht“. Besser sieht es im Moment bei den Garten- und Landschaftsbauern aus, so Martin Joos, Vorstand des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Seine Brache sei nur mittelbar von den hohen Energiekosten betroffen. Im privaten Auftragssektor gäbe es kaum Stornierungen. Dagegen würden sich öffentliche Auftraggeber zwischenzeitlich erkennbar zurückhalten. Hier kämen kaum noch neue Aufträge rein.

Trotz Energiekrise und hoher Baustoffpreise gibt sich der Präsident des Holzbauverbandes in Baden-Württemberg, Gerd Renz, optimistisch. Er hofft auf einen baldigen Machtwechsel in Russland und damit auf wieder offenere Energiemärkte mit entsprechenden Preisabsenkungen. Renz plädiert insgesamt für mehr Zuversicht: „Wir haben in Deutschland die Mentalität, Szenarien heraufzubeschwören, obwohl wir noch gar nicht absehen können, ob sie in dieser Schärfe eintreten werden. Im Schlechtreden sind wir super. Ich denke, wir werden bei allen aktuellen Problemen auch diese Krise einigermaßen meistern.“

 

Pressemitteilung: Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V.