22. Juni 2024

Ballonhalle im Arsenal wird neuer Standort für Akademie der bildenden Künste Wien

Wien/A (pm) – Die Ballonhalle im Wiener Arsenal wurde 1916 als Teil der militärischen Infrastruktur errichtet. Architektonisch ist das denkmalgeschützte Gebäude mit dem charakteristischen Tonnendach und Sichtziegelmauerwerk schon in der Moderne verortet.

Jetzt adaptiert die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) die Ballonhalle und macht daraus einen neuen Standort für die Akademie der bildenden Künste Wien. Baubeginn ist Ende 2025, ab dem Wintersemester 2027 werden das Institut für Konservierung und Restaurierung und das Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst einziehen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 50,1 Mio. Euro brutto, die Nettoraumfläche rund 6.000 m². Nach Abschluss des EU-weiten offenen Architekturwettbewerbs präsentierten das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, die BIG und die Akademie der bildenden Künste Wien nun das Siegerprojekt.

Martin Polaschek, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung: „Als Bund setzen wir konsequent auf die Stärkung und den Ausbau unserer universitären Infrastruktur und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur qualitativen Weiterentwicklung unseres Wissenschaftsstandorts. Mit der Investition von über 50 Mio. Euro ermöglichen wir nun die Realisierung eines weiteren neuen Zentrums am Arsenal für zwei Institute der Akademie der bildenden Künste – ein bedeutendes Bauprojekt, das nicht zuletzt unsere Position in Bildung, Wissenschaft und Forschung nachhaltig stärken und voranbringen wird.“

Hans-Peter Weiss, CEO der BIG: „In der historischen Substanz der ehemals militärisch genutzten Ballonhalle und einem modernen Zubau werden Werkstätten, Labore und Veranstaltungsräume für die Akademie der bildenden Künste Wien untergebracht. Gleichzeitig werden die sehr hohen Nachhaltigkeitsstandards der BIG erfüllt und attraktive Grünräume geschaffen. Die Nutzung von Bestandsgebäuden schont wertvolle Ressourcen, verhindert neue Bodenversiegelung und ist gelebter Klimaschutz.“

Johan F. Hartle, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien: „Am Standort Ballonhalle entstehen für das Institut für Konservierung und Restaurierung und das Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst deutlich verbesserte Arbeits- und Kooperationsbedingungen. Durch die Nachbarschaft zu zahlreichen Kulturinstitutionen wird sich die international vernetzte und profilierte Arbeit unserer Expertinnen und Experten weiter entfalten. Der neue Standort setzt zugleich einen markanten städtebaulichen Akzent am Eingang zum Arsenal, wie auch einen wichtigen inhaltlichen Akzent im Beitrag der Akademie der bildenden Künste Wien zum Erhalt des kulturellen Erbes am Kulturstandort Österreich.“

Der neue Standort der Akademie der bildenden Künste Wien bietet in den Ateliers, Labors, Veranstaltungs- und Seminarräumen künftig den Studierenden der Restaurierung und Konservierung, sowie allen Hörer_innen der naturwissenschaftlichen Bildungsangebote der Universität ausreichend Platz für Lehre, Forschung und Wissenschaftsvermittlung. Die Institute werden bei ihrer Arbeit am neuen Standort zudem auch mit der neuesten Technik ausgestattet sein.

Einstimmige Entscheidung für Schenker Salvi Weber Architekt:innen ZT GmbH

Im ausgewählten Entwurf von Schenker Salvi Weber Architektinnen spiegeln sich die inhaltlichen Schwerpunkte der Institute wider, die ab 2027 ihre Arbeit zur Umsetzung moderner Strategien im Umgang mit und zum Erhalt von Kulturgut aufnehmen. Die Ballonhalle wird zu einem klar lesbaren Akzent am Eingang des Arsenals, der Baumbestand bleibt soweit wie möglich erhalten und auf die Handhabung der oft sehr fragilen und kunsthistorisch bedeutenden Kunstwerke und Kulturgüter, die künftig in der Ballonhalle untersucht und restauriert werden, wird besondere Rücksicht genommen.

Der Entwurf von Schenker Salvi Weber Architektinnen setzt in den 15 Meter hohen Luftraum der Ballonhalle als ersten Stock eine Art Box auf Stelzen, in der die Seminarräume für die Lehre der Institute untergebracht werden. Das charakteristische Tonnendach und die Außenwände mit hohen Fenstern bleiben mit dieser architektonischen Lösung sichtbar, der weitläufige Raumeindruck der Ballonhalle bleibt erlebbar. In der Ballonhalle werden sich außerdem die Bibliothek und die öffentlichen Veranstaltungsflächen befinden.

Der moderne, weithin sichtbare Zubau besteht aus einer eingeschoßigen Halle für die Werkstätten und Ateliers und einem fünfgeschoßigen Kopfbau als Büro- und Laborgebäude. Der Zubau setzt typische Elemente der Industriearchitektur fort und führt sie in die Gegenwart. Das für Fabriksbauten typische Sheddach (Sägezahndach) der Halle ermöglicht eine gute Ausleuchtung der tiefen Räume mit natürlichem Lichteinfall aus Norden. Das nach Süden ausgerichtete Dach wird als PV-Anlage zur Energiegewinnung genutzt. Der turmartige Kopfbau mit hinterlüfteter Metallfassade verbindet den Zubau mit dem Bestand und überschwebt Teile der Ballonhalle, mit der er über eine Fuge verbunden ist.

Die Wettbewerbsjury begründet ihre Entscheidung für den Entwurf von Schenker Salvi Weber Architekten wie folgt: „Insgesamt handelt es sich um einen sehr überzeugenden Entwurf, der städtebauliche, architektonische, funktionale und ökologische Kriterien synthetisch zusammenführt und dabei einen gelungenen Dialog zwischen Bestands- und Neubau inszeniert.“

Richard Schöberl leitet den Unternehmensbereich Universitäten in der BIG: „Die Freiraumgestaltung ist ein wesentlicher Bestandteil des Siegerentwurfs. Ein naturnaher Grünkorridor mit Baumallee dient als Puffer Richtung Tangente. Zusätzlich werden neue Bäume und Sträucher gepflanzt, was für ein gutes Mikroklima sorgt und gleichzeitig die Außenräume strukturiert. Teilweise können wir sogar Flächen entsiegeln.“

Für die Adaptierung der Ballonhalle und für die Neubauteile wird der klimaaktiv Gold-Standard angestrebt. Geothermie wird zum Heizen und zum Kühlen genutzt, aktivierte Betondecken sichern ein konstantes Raumklima, für die Sommermonate wird so keine aktive Kühlung notwendig sein.

Die Bauweise des Zubaus ist kompakt, die Gebäudehülle ist hochwärmegedämmt, es gibt keine unnötig großen Glasflächen, was im Betrieb Energie sparen wird. Der Zubau ist mit einem klaren Grundriss und reversiblen Wänden in Leichtbauweise anpassungsfähig und kann für künftige Nutzungen leicht adaptiert werden. Es kommen Materialien mit niedrigen Emissionswerten zum Einsatz und die Materialien werden so gewählt und verbaut, dass sie nach dem Lebenszyklusende der Gebäude demontiert und wiederverwendet werden können. Damit werden Gebäude zu Rohstoffdepots für künftige Generationen.

Thomas Weber und Michael Salvi, Schenker Salvi Weber Architektinnen: „Mit der Komposition aus bestehender Ballonhalle und der Verknüpfung mit dem industriell anmutenden Kopfbau entsteht ein städtebaulich markantes Ensemble. Der Akzent schafft eine neue zeichenhafte Identität für den neuen Standort der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Funktionen werden auf einfache Weise einerseits horizontal in der Fläche, andererseits vertikal im Turm ideal verortet. Präzise gesetzte Treppen an der Schnittstelle von Alt zu Neu schaffen Orientierung und kurze Wegeverbindungen.“

Quelle: Akademie der bildenden Künste Wien