17. Juni 2024

Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im März 2023: +0,9 % zum Vormonat

Wiesbaden (pm) – Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im März 2023 gegenüber Februar 2023 kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % gestiegen.

(c) Statistisches Bundesamt | Destatis

Im Vergleich zum Vorjahresmonat März 2022 fiel der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang um 20,1 %. Dies ist besonders auf den Wohnungsbau zurückzuführen: Seit April 2022 sinkt der reale Auftragseingang im Wohnungsbau im Vergleich zum Vorjahresmonat durchgehend zweistellig. Im März 2023 lag der Rückgang bei 37,9 %. Auch der nominale (nicht preisbereinigte) Auftragseingang lag im März 2023 mit einem Volumen von 9,8 Milliarden Euro trotz deutlich gestiegener Baupreise 7,9 % unter dem Vorjahresniveau.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2023 sanken die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum kalender- und preisbereinigt (real) um 19,0 % und nominal um 5,8 %.

Realer Umsatz im Vorjahresvergleich rückläufig

Der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe ist im März 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,2 % zurückgegangen. Der nominale Umsatz erhöhte sich aufgrund der stark gestiegenen Baupreise um 5,7 % auf 9,0 Milliarden Euro.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2023 sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum real um 8,2 % und stiegen nominal um 6,2 %.

Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen erhöhte sich im März 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,4 %.

Pressemitteilung: Statistisches Bundesamt | Destatis

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Krise im Wohnungsbau verfestigt sich: Mehr als ein Drittel weniger Aufträge im 1. Quartal

„Mit großer Sorge sehen wir die Nachfrageentwicklung im ersten Quartal 2023. Die Order insgesamt zeigen einen nominalen Rückgang um 6 %, real um 17 %. Dabei sind die Aufträge im Wohnungsbau seit einem halben Jahr quasi abgerissen. Von Januar bis März haben wir hier nominal ein Auftragsvolumen von 27 % zum Vorjahr verloren, das ist real ein Rückgang um mehr als ein Drittel (-36 %). Auch bei den Baugenehmigungen gibt es keine Entwarnung für die Auftragslage in den kommenden Monaten. Im ersten Quartal wurden knapp 24.000 Wohnungsgenehmigungen weniger beantragt“, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, zu den Daten des Statistischen Bundesamtes zur Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe im März.

„Wir haben seit einem halben Jahr vom Auftragsbestand gezehrt, jetzt fehlen die Anschlussaufträge. Vor dem Hintergrund des politischen Zieles, 400.000 Wohnungen pro Jahr zu errichten, haben die Bauunternehmen massiv neue Arbeitsplätze geschaffen. Jetzt droht ihnen Unterauslastung, Kurzarbeit und im schlimmsten Fall Beschäftigungsabbau. Wir brauchen deswegen schnell Investitionsimpulse, um die Beschäftigten in der Baubranche zu halten und den Wohnungsbedarf zu decken.

Nach der fast vollständigen Streichung der Neubauförderung im letzten Jahr spüren wir zunehmend die negativen Folgen dieser falschen Entscheidung. Bauwillige verlieren den Mut, stornieren die Aufträge. Die Bundesregierung muss nun dringend und massiv umstellen. Ohne eine deutlichere Zinsstützung, z.B. durch die KfW, und dem zumindest temporären Aussetzen der überzogenen energetischen Anforderungen wird sich die Krise auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen“, macht Pakleppa abschließend deutlich.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten erreichten die Umsätze im ersten Quartal ca. 21 Mrd. Euro, nominal ein Plus von 6 %, real ein Rückgang um 8 %. Stützend wirkte dabei der Wirtschaftsbau, der nominal um 12 % zulegen konnte. Der Wohnungsbau verfehlte den Vorjahresumsatz um nominal ca. 1 %, die Umsätze im öffentlichen Bau legten um 3 % zu. Die Umsatzentwicklung bleibt preisgetrieben. Die Materialpreise halten ein historisch hohes Niveau und geben den Druck auf die Baupreise weiter.

Quele: Zentralverband Deutsches Baugewerbe


Bauunternehmen schauen pessimistisch in die Zukunft

Das Statistische Bundesamt meldet für das deutsche Bauhauptgewerbe1 für den Monat März 2023 im Vergleich zum Vormonat2 ein leichtes Orderplus von 0,9 Prozent. Im aussagekräftigeren Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Auftragseingang1,3 preisbereinigt allerdings um 20,1 Prozent zurückgegangen. Der starke Rückgang ist zum Teil auch einem statistischen Basiseffekt geschuldet: Im März 2022 wurde ein Orderplus von real 16,8 Prozent ausgewiesen. „Insbesondere der Wohnungsbau leidet unter der Zurückhaltung der privaten und gewerblichen Investoren. Die Aufträge sind im März um 37,9 Prozent eingebrochen.“ Mit diesen Worten kommentiert der Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, Tim-Oliver Müller, die Konjunkturindikatoren für das Bauhauptgewerbe. Seit dem April 2022 sei der Auftragseingang im Wohnungsbau – somit seit genau 12 Monaten – zweistellig im Minus. Für das erste Quartal 2023 wird sogar ein Rückgang von 36 Prozent ausgewiesen. „Eine Besserung ist nicht in Sicht, schließlich sind auch die Wohnungsbaugenehmigungen im freien Fall. Es ist daher kein Wunder, dass im April – laut einer ifo-Umfrage – jedes dritte Bauunternehmen über Auftragsmangel im Wohnungsbau klagt, im März war es noch jedes vierte.“ Der Wirtschaftsbau und der Öffentliche Bau hätten den Einbruch im Wohnungsbau nicht ausgleichen können: Im Branchendurchschnitt werde für das erste Quartal ein reales Minus im Auftragseingang1,3 von 18,9 Prozent gemeldet.

Müller: „Es überrascht daher nicht, dass die Unternehmen für das Bauhauptgewerbe1 im März einen preisbereinigten Umsatzrückgang von 8,2 Prozent gemeldet haben. Für die ersten drei Monate ist dies schon ein Minus von ebenfalls 8,2 Prozent. Stabilisierend wirken zwar die in den Vorjahren aufgebauten hohen Auftragsbestände, diese nehmen aber rapide ab. Die traditionelle Frühjahrsbelebung am Bau wird dieses Jahr ausfallen.“ Entsprechend pessimistisch schauten die Unternehmen auf die kommenden 12 Monate: 35 Prozent der im Rahmen der aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) befragten Bauunternehmen erwarteten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage, von den Hochbauunternehmen sogar 43 Prozent. Demgegenüber erwarteten nur 8 bzw. 7 Prozent eine Verbesserung. „Die zunehmende Verschlechterung der Baukonjunktur hat sich auch schon auf die Ertragslage ausgewirkt. Immerhin klagt laut DIHK nahezu jedes fünfte (Wohnungs-)Bauunternehmen über einen Eigenkapitalrückgang. Es ist somit kein Wunder, dass nahezu jedes dritte plant, seine Investitionen zu reduzieren. Insbesondere die für die Zukunft der Branche so wichtigen Investitionen in Innovation stehen auf dem Prüfstand.“

Alle Angaben und Berechnungen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamtes, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des ifo Instituts sowie des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

1 Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten | 2 saison-, kalender- und preisbereinigt | 3 kalenderbereinigt

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie