Düsseldorf (pm) – KI in der Architektur ist in aller Munde und hat sich in drei Jahren bereits fest im (digitalen) Alltag etabliert. In der Wirtschaft ist damit vor allem die Hoffnung auf Effizienz- und Produktivitätssteigerungen durch KI-Unterstützung verbunden. Das gilt auch für die Architekturbranche: Über die Hälfte der europäischen Architektinnen und Architekten hat laut einer Studie von USP Marketing Consultancy bereits in der Planung mit KI experimentiert. Doch hält die Technologie auch, was sie verspricht? Die Mehrheit der Planerfirmen bestätigt, dass der Einsatz von KI ihnen Zeit erspart hat. Allerdings sind die Erfahrungen der architektonischen KI-Anwender unterschiedlich – je nachdem, wofür die KI eingesetzt wird.
KI in der Architektur: Macht KI die Arbeit von Architekturschaffenden effizienter?
In der Studie wurden 1.076 telefonischen Interviews mit Architekturbüros in West-, Süd-, Nord- und Mitteleuropa, darunter 125 Firmen aus Deutschland geführt. Eine starke Hälfte (59 Prozent) der europäischen Architekturbüro, experimentieren in ihren Entwürfen laut eigenen Angaben regelmäßig oder gelegentlich mit KI-Anwendungen. Diese KI-aufgeschlossenen Planerinnen und Planer wurden im Anschluss zu ihren Nutzungserfahrungen befragt – nicht zuletzt ging es um die entscheidende Frage, ob KI die Arbeit auch beschleunigt hat.
Deutliche Zustimmung bei den Dokumentationen– aber jede(r) Vierte berichtet das Gegenteil
KI-Anwendungen können ihre Stärken am Bau vor allem durch selbstständige Zusammenfassungen, Protokollfunktionen und dergleichen ausspielen. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider: In Deutschland stimmte jede dritte befragte Person vorbehaltlos zu, dass ihre Dokumentations-Arbeitsschritte dank KI deutlich schneller über die Bühne gegangen sind – ein weiteres starkes Drittel hat die Erfahrung gemacht, dass KI ihren Arbeitsprozess zumindest etwas beschleunigt hat.
So weit bewegt sich die Zustimmung der deutschen KI-Experimentierfreudigen leicht über dem europäischen Gesamtschnitt. Leicht überdurchschnittlich ist dagegen der Anteil der deutschen Architektinnen und Architekten mit KI-Praxis, die keinerlei Zeitersparnis bei der Dokumentationsarbeit mit KI festgestellt haben (Deutschland: ein Viertel, alle Länder: ein Sechstel).
Als Hilfe bei der Entwurfsplanung wird KI weitaus kritischer betrachtet
Unterm Strich sind die deutschen Stimmen der KI-gestützten Projektdokumentation also dennoch besonders aufgeschlossen. Dasselbe lässt sich allerdings nicht für den KI-Einsatz bei der Erstellung von Architekturmodellen sagen: Hier stellten weniger als ein Zehntel der deutschen Architekturbüros eine signifikante Zeitersparnis fest (europaweit betrug der Schnitt ebenfalls nur ein Sechstel) – dagegen europaweit jedes Dritte keinerlei Effizienzgewinn. In Deutschland hatte freilich nur jeder zweite Architekturbetrieb KI bei der Modellierung überhaupt ausprobiert. Das war beim Thema Dokumentation ganz anders: Hier gehört die deutsche Architekturszene wie oben gesehen zur Speerspitze der KI-Experimentierfreudigen – und nur 4 Prozent fiel nichts zu dem Thema ein.
Fazit: Es kommt darauf an, was die KI machen soll – und auf die Nutzererfahrung
Dass die genutzte KI-Software (überwiegend handelt es sich dabei um frei zugängliche Tols wie ChatGPT) vor allem für Dokumentation angewendet wird, wo sie ihre Komprimierungs-Stärken voll zur Geltung bringen kann, überrascht nicht. Generell gilt in beiden Anwendungsfeldern: Diejenigen Länder, die die größeren Nutzerzahlen aufbringen, können auch die erfolgreicheren KI-Erfahrungen aufweisen. Je mehr Erfahrung auf einem Markt besteht, so scheint es also, desto bessere Ergebnisse. Damit schließt sich die KI-Nutzungsuntersuchung an das Fazit der meisten selbsternannten KI-Ratgeber an: einfach mal ausprobieren und dranbleiben.
Quelle: BauInfoConsult GmbH