Düsseldorf (pm) – Die Auftragskonjunktur der Architekturbüros in Deutschland war im ersten Quartal 2026 weiter auf Erholungskurs: Zwar blieb die Entwicklung rückläufig, aber mittlerweile nur noch leicht und kurz vor einer positiven Trendwende, wie die neue Erhebung aus dem Europäischen Architekturbarometer der USP Marketing Consultancy zeigt. Für einen stabilen Markt spricht nicht zuletzt die eher geringe Sorge der deutschen Planerzunft vor leeren Auftragsbüchern. Die geopolitischen Turbulenzen werfen laut Studie gleichwohl indirekt einen Schatten auf die deutsche und europäische Baukonjunktur der nächsten zwölf Monate.
Auftragskonjunktur kurz vor positiver Trendwende
Die USP-Gruppe, zu der das Düsseldorfer Marktforschungsunternehmen BauInfoConsult gehört, misst seit 2009 jedes Quartal die Auftragskonjunktur bei Architekturfirmen in mehreren europäischen Märkten. Das Auftragsbarometer der deutschen Architekturfirmen ist im ersten Quartal 2026 nurmehr leicht gesunken – um 2 Punkte zum Vorquartal auf einen Wert von 552 Zählern. Im Vergleich: Im ersten Quartal 2025 hatte das Auftragsbarometer noch auf einen Schlag einen Rückgang von 18 Punkten verkraften müssen.
Mehr verschobene Projekte, doch nur geringe Sorgen um Auftragsnachschübe
Trotz leichtem Rückgang des Index-Indikators stabilisiert sich der Architekturmarkt weiter. Der Anteil von Architektinnen und Architekten, die in den kommenden zwölf Monaten leere Auftragsbücher befürchten, bleibt mit 8 Prozent niedrig (und dabei halb so groß wie im Europaschnitt).
Grundsätzlich laufen die Projekte also weiter: Architekturbüros, die Verschiebungen oder gar -stornierungen einzelner Projekte hinnehmen mussten, gab es im ersten Quartal 2026 zwar wieder etwas mehr als zuvor: Bei mehr als jedem dritte Unternehmen wurde mindestens ein Projekt in Q1 vorerst auf Eis gelegt. Mindestens ein komplett gestrichenes Projekt hatte ein Fünftel der Architektinnen und Architekten zu beklagen. Wichtig ist aber: Es gibt derzeit bei Weitem keinen großen Schub bei abgesagten oder verschobenen Projekten, wie dies in anderen volatilen Zeiten anhand des Architekturbarometers zu beobachten war (z. B. während der Finanzkrise vor 15 Jahren, während der COVID-Pandemie 2020 oder zuletzt auf dem Höhepunkt der Baukostenkrise 2023).
Nahostkonflikt entfaltet durch Kostendruck schleichend seine Wirkung
Allerdings werfen die Folgen der Nahostkrise seit Ende des ersten Quartals auch ihre Schatten auf den Architekturmarkt in Deutschland und Europa. Studienleiter Jeroen de Gruijl kommentiert das Studienresümee: „Marktübergreifend erwartet eine klare Mehrheit, dass geopolitische Instabilität und steigende Energiepreise die Bautätigkeit in den kommenden zwölf Monaten negativ beeinflussen werden.
Die Wirkung zeigt sich weniger in einer direkten Störung von Projekten. Vielmehr entsteht ein zunehmender Kostendruck, wobei sich steigende Materialkosten länderübergreifend als die mit Abstand bedeutendste Herausforderung erweisen.“ Auch ein verringertes Investorenvertrauen, Projektverzögerungen und Projektstornierungen würden von den Architektinnen und Architekten weiterhin erwartet, berichtet de Gruijl weiter – wenngleich in wesentlich geringerem Ausmaß.
Quelle: BauInfoConsult GmbH