16. August 2022

Architektur Werkstattgespräche: Gastvorträge aus Dänemark zum Thema „Material: Wieder. Einfach. Schön“

Architektur Werkstattgespräche (c) Hochschule Augsburg

Augsburg (pm) – Die Fakultät für Architektur und Bauwesen der Hochschule Augsburg begrüßt im April dreimal Gäste aus Dänemark. Die Vortragsreihe „Architektur Werkstattgespräche“ widmet sich in diesem Sommersemester der Sinn-Debatte um die verschwenderische und umweltzerstörerische Nutzung von Materialien und Ressourcen beim Bauen. Wiederverwendung, Einfachheit beim Bauen und Schönheit: Diese alt bekannten Tugenden erfahren laut Organisatorin Professorin Mikala Holme Samsøe in Deutschland und auch international mehr Aufmerksamkeit als die Beantwortung der Frage, wie wir nachhaltiger bauen können. Sie sagt: „Wir werfen daher einen Blick nach Norden und schauen, wie unsere dänischen Nachbar:innen mit Material umgehen.“

Im Studiengang Architektur sind an drei Abenden folgende Redner:innen online zu Gast: Søren Nielsen, Vandkunsten, Kopenhagen, spricht am 13. April über „ReUse. ReBeauty“. Der Titel des Vortrags von Jørn Kiesslinger, Lendager Architects, Kopenhagen, am 20. April lautet: „Waste Land“. Professorin Anne Beim von der Royal Danish Academy, Center for Industrialised Architecture, Kopenhagen, redet am 27. April über „Circular Construction. Material. Architecture. Tectonics.“ Alle Werkstattgespräche finden jeweils dienstags um 19.30 Uhr statt. Studierende und praktizierende Architekt:innen sind eingeladen. Weitere Informationen und Zugangsdaten finden Interessierte auf der Webseite der Hochschule Augsburg unter: www.hs-augsburg.de/Architektur-Werkstattgespraeche.

Weitere Informationen zu den Architektur Werkstattgesprächen

Dienstag, 13. April, 19.30 Uhr

#1 ReUse.ReBeauty
Søren Nielsen, Vandkunsten, Kopenhagen

Aus Bauabfall wird Schönheit geschaffen und im Rahmen von Großprojekten neu zusammengefügt: Fußböden, Dachsteine, Tang und gestrichene Wolle sind im Einsatz. Diese Materialien haben eine inspirierende Wirkung: Wenn das Büro Vandkunsten aus Kopenhagen plant und baut, wird es robust und heiter – das Interesse für soziale und kulturelle Aspekte stets im Blick.

Das Büro prägt die dänische Architekturszene seit seiner Gründung im Jahr 1971 markant mit – und das bis zum heutigen Tag. Genossenschaftlicher Wohnungsbau und öffentliche Gebäude gehören zum Kerninteresse. Das Büro mit 90 Mitarbeiter:innen gilt als Revoluzzer hinsichtlich sozialer und nachhaltiger Themen in Architektur und Städtebau und ist ein führendes Unternehmen in diesen Bereichen.

Der Partner Søren Nielsen erzählt an diesem Abend von seiner büro-basierten Forschungspraxis mit Materialressourcen und Wiederverwendung. Im Vordergrund stehen leitende Fragen: Wie können wir Materialien trennen, mittels Gestaltung veredeln und mit geringem Aufwand wiedereinsetzen?  Und wie beeinflussen wir dabei nicht nur Life-Cycle-Kosten, sondern erhöhen auch die Wertschätzung von sozialen und kulturellen Werten?

Søren Nielsen hat das Forschungsprojekt Nordic Building Component Reuse initiiert, das auch bei der letzten Biennale in Venedig ausgestellt wurde.

 

Dienstag, 20. April, 19.30 Uhr

#2 Waste Land
Jørn Kiesslinger, Lendager Architects, Kopenhagen

Die Lendager Group hat sich darauf spezialisiert, zirkuläre Wirtschaft in den Städten der Zukunft zu etablieren – mit dem Ziel, die weitere Verbreitung von „Waste Land“ einzudämmen. Konkret besteht die Gruppe aus einem Architektur-Planungsbüro, einem Research-Unternehmen, sowie – und das ist außergewöhnlich für Architekt:innen – einem Materiallieferanten von Upcycling-Baumaterialien.

Gegründet vor 11 Jahren von einem Architekten, hat Lendager bereits prägnante Bauten umgesetzt, die auch eine gestalterische Sprache für die wiederverwendeten Materialien sprechen. Die „Ressource Reihen“, die „Upcycling Studios“ sowie das neue UN17 Village in Kopenhagen sind einprägsame Beispiele für die Arbeit von Lendager.

Jørn Kiesslinger ist Architekt MAA bei der Lendager Group und stellt uns an diesem Abend die Arbeit des Büros vor. Er erzählt davon, wie Architekt:innen zu Organisator:innen von Material-Kreislauf-Strömen werden und auch davon, wie sie diese Ströme in ihre Planung integrieren.

 

Dienstag, 27. April, 19.30 Uhr

#3 Circular Construction. Material. Architecture. Tectonics
Prof. Dr. Anne Beim, Royal Danish Academy. Center for Industrialised Architecture

Wie können wir heute nach zirkulären Prinzipien bauen? Und wie können wir dabei ungiftige, biobasierte Materialien mit einem niedrigen Energieressourcenverbrauch verwenden? Indem wir radikalere Tektoniken als heute anwenden!

The Royal Danish Academy, School of Architecture in Kopenhagen geht diesen Fragen in Zusammenarbeit mit der Industrie nach. Seit Jahren wird erfolgreich zum Thema Nachhaltigkeit in ihrem Forschungscenter CINARK geforscht und getestet. Zuletzt haben sie einen 1:1-Versuch mit drei Wandelementen in den jeweiligen Materialien Holz, Stroh und Ziegel durchgeführt. Ein schönes Beispiel für „Einfach Bauen“, jedoch mit der Anforderung von Trennbarkeit und damit unter Beachtung der Prinzipien von „Design für Disassembly“ als Tugend und Schönheit. Das Projekt setzt der Wegwerfgesellschaft eine andere Logik entgegen.

Prof. Dr. Anne Beim leitet das CINARK, Center for Industrialised Architecture. Dort wird eine visionäre Grundlage für die Praxis aus der Forschung für einen radikal anderen Umgang mit Materialien in der Zukunft geschaffen.

Pressemitteilung: Hochschule Augsburg