18. September 2019

Architektur ist Medizin. Das Sanatorium Dr. Barner

Eine Ausstellung der Architektenkammer Niedersachsen in Kooperation mit der Stiftung Sanatorium Dr. Barner

Speisesaal ©Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

Hannover (pm) – Noch einmal Architektur so erleben wie vor hundert Jahren und gleichzeitig inmitten einer modernen Fachklinik zu sein, möglich ist das nur im Sanatorium Dr. Barner im Harzer Kurort Braunlage. Das Sanatorium ist ein Baudenkmal des Jugendstils, das im Wesentlichen durch den Gestalter Albinmüller (1871 – 1941) in den Jahren 1905 – 14 gebaut und eingerichtet wurde.

Es ist ein Gebäude, das viele Geschichten birgt. Nicht nur über seine Architektur, ihre Entstehung in der Reformzeit und des Art déco. Die Architektur ist eng verknüpft mit den Anfängen neuer psychosomatischer Medizin und Psychotherapie Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit neuen Heilmethoden konnte der nervöse Großstädter über das Erlebnis von Natur, durch gesunde Ernährung und Ruhe wieder eine Erdung finden.

 

Aussenansicht © Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

 

Der aus Hornburg stammende Dr. med. et. phil. Friedrich Barner (1859–1926) traf im Architekten Albinmüller einen Partner für den Neubau seines Sanatoriums, auf dessen gestalterische Ideen er vertrauen konnte. Für beide Männer waren die medizinische und die architektonische Praxis eng miteinander verbunden, denn gute Architektur, in der Menschen sich wohl und geborgen fühlen, ist Medizin!

Genau diese Haltung begleitet die Arbeit des britischen Architekten Sir David Chipperfield, dessen Berliner Büro die Erhaltung dieser einzigartigen 100-jährigen fragilen Architektur übernommen hat. Diverse Gewerke haben in diesem Prozess der Instandsetzung und Restaurierung historische Arbeitsmethoden wieder aufleben lassen und zusammen mit den Architekten und mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude revitalisiert, ohne auch nur einen Hauch des Vergangenen unbeachtet zu lassen.

Mit Verleihung des Grand Prix „Europa Nostra Award“, der dem Bauherrn und dem Team um David Chipperfield im Juni 2018 überreicht wurde, erfährt diese außergewöhnliche Leistung Wertschätzung, gleichzeitig kommt der internationale und europaübergreifende Gedanke zum Tragen, der diesem Bau von der medizinischen wie auch in seiner architektonischen Komponente bis heute innewohnt.

Die Ausstellung zeigt Dokumente, Pläne und Zeichnungen, Briefe, Fotos, Materialien und Möbel aus der Entstehungs- und der Instandsetzungsphase des Sanatoriums Dr. Barner. Vor allem präsentiert sie die geheimnisvolle Welt der Ornamente Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dauer der Ausstellung ist vom 18. September bis 31.Oktober. Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 10 – 16 Uhr, freitags von 10 – 12 Uhr. Führungen und Sonderöffnungszeiten können auf Rückfrage vereinbart werden. Ein Beiprogramm mit Vorträgen und Diskussionen begleitet die Ausstellung.

Pressemitteilung: Architektenkammer Niedersachsen