26. September 2020

ARCHITEKTUR FÜR SCHWEINE – ein Ideenwettbewerb für Studierende der Architektur

Bundesministerin Julia Klöckner zeichnet die besten Ideen von Architekturstudierenden aus

Münster (pm) – 49 Architekturstudierende der Hochschulen Braunschweig, Darmstadt, München und Stuttgart haben sich an einem Wettbewerb beteiligt, der vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) und der Stiftung des Landwirtschaftsverlages Münster ausgelobt wurde. Über ein ganzes Semester haben sie eine Vielzahl kreativer Ideen für tierwohlgerechte und architektonisch hochwertige, zukunftsorientierte Schweineställe mit Schlachthaus und Verkaufsgeschäft entwickelt. Am 15. Januar 2020 wurden die besten Arbeiten durch Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, im Aedes Architekturforum in Berlin ausgezeichnet.

Der 1. Preis ging an Katharina Münch (TU Darmstadt), der 2. Preis an Jakob Köppel und Benedikt Stoib (TU München) und der 3. Preis an Jessica Vetter und Pepe Fritz (Universität Stuttgart). Anerkennungen gingen an Sophia Richwien und Verena Klotzner (TU München) sowie Matthias Delueg und Christoph Ammer (TU München). Zudem gab es lobende Erwähnungen für die Arbeiten von Mengyue Feng und Guisong Zhang (TU Braunschweig) und Xiarong Yu (TU Darmstadt). Insgesamt wurde eine Preissumme von 6.500 Euro vergeben.

Erster Preis. Lageplan von Katharina Münch (c) Katharina Münch

 

Zweiter Preis. Modellfoto Innenraum © Jakob Köppel, Benedikt Stoib

 

Dritter Preis. Ansicht © Jessica Vetter, Pepe Fritz

Das KTBL und die Stiftung des Landwirtschaftsverlages Münster haben junge Landwirte und Architekturstudierende zusammengebracht und einen Ideenwettbewerb für einen zukunftsorientierten, tierwohlgerechten, architektonisch hochwertigen Mastschweinestall mit Schlachthaus und Verkaufsladen ausgelobt. 49 Studierende der Architekturfakultäten aus Braunschweig, Darmstadt, München und Stuttgart haben sich beteiligt. Aus den eingereichten Plänen hat eine hochkarätige Jury sieben preiswürdige Arbeiten ausgewählt.

Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung LV Münster, Hermann Bimberg, zeigte sich beeindruckt von den außerordentlich kreativen Ideen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Mit diesem Wettbewerb wollten und konnten wir gemeinsam mit dem KTBL wichtige Impulse für eine gleichermaßen umwelt- wie tierwohlgerecht und anspruchsvolle Landschaftsarchitektur geben. Dies ist uns gelungen.“

Die hohe Qualität zeigt sich auch am Interesse der namhaften Galerie Aedes Architekturforum, die Pläne und Modelle der Preisträger in einer sehenswerten Ausstellung vom 17. Januar bis 5. März 2020 in ihren Räumen in Berlin präsentiert.

Hintergrund

In Deutschland leben zurzeit 27 Millionen Schweine in ca. 30.000 Ställen. Während vor 200 Jahren Nutztiere und Menschen noch unter einem Dach gelebt haben, werden Schweine
heute meist in Ställen gehalten und gemästet, die sich außerhalb von Ortslagen befinden und weitgehend automatisch betrieben werden. Auf die vor 200 Jahren übliche Hausschlachtung folgte zunächst der Bau von Schlachthöfen in den Stadtzentren. Heute gibt es in Deutschland noch 4.000 Schlachtbetriebe, in der Regel an den Stadträndern bzw. auf der “grünen Wiese“, in denen bis zu 26.000 Schweine am Tag geschlachtet werden. So wird ermöglicht, dass jeder Deutsche aktuell 36 kg Schweinefleisch im Jahr verzehrt.

Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass heute eine höchst emotionale und zunehmend kontroverse Diskussion über die Haltung und Schlachtung von Nutztieren geführt wird. Verbraucher sind angesichts von Lebensmittelskandalen verunsichert, ihr Misstrauen wächst. Zugleich fühlen sich die Bauernfamilien an den Pranger gestellt und sehen kaum noch Perspektiven. Stallneubauten werden nicht mehr genehmigt, selbst Umbauten zur Verbesserung des Tierwohls scheitern an Bürgerinitiativen.

Die Stiftung LV Münster und das KTBL haben diesen studentischen Ideenwettbewerb ausgelobt, um nach neuen Perspektiven für das landwirtschaftliche Bauen, die Nutztierhaltung und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft zu suchen.

Pressemitteilung: Stiftung LV-Münster