17. Juni 2024

«Aerogel Architecture Award 2023»: Innovative Aerogel-Anwendungen im Bau

Preisverleihung des «Aerogel Architecture Awards» im Juni 2023 im NEST: (v.l.n.r.) Michal Ganobjak (Organisator, Empa), Dietrich Schwarz (Architekt, Dietrich Schwarz Architekten), Volker Herzog (Jurymitglied, Herzog Architekten), Christine Fuhrmann (Architektin, Störmer Murphy and Partners), Beat Kämpfen (Jurymitglied, Kämpfen Zinke + Partner), Erling Jensen (Bauherr, Oslo Harbour), Matthias Koebel (Jurymitglied, Siloxene AG), Michael Lommertz (Architekt, zero emission studio as), Michael Chang (Student, Harvard GSD), Jiří Petrželka (Student, CTU Prag), Adrian Corbey (Student, Harvard GSD), Matthias Leschok (Doktorand, ETH Zürich), Brigitte Buchmann (Mitglied der Direktion, Empa); Bild: Empa

Dübendorf (pm) – Am 2. Juni fand zum dritten Mal die Verleihung des «Aerogel Architecture Award» auf dem Empa-Campus statt. Insgesamt wurden sechs Projekte in den Kategorien «Realisierte Projekte» und «Studierendenprojekte» ausgezeichnet. Sie alle zeigen innovative Anwendungen von Aerogel in Bauprojekten – sei dies in neuen Gebäuden oder in historischen Bauten. Das Siegerprojekt bei den Studierenden kommt aus Tschechien, dasjenige bei den realisierten Projekten aus Zürich.

Für den diesjährigen «Aerogel Architecture Award» wurden Projekte gesucht, die beispielhaft aufzeigen, wie das innovative Dämmmaterial Aerogel bei Renovationen, zum Erhalt von historischen Gebäuden, sowie in der Architektur und im Bau im Allgemeinen zur Anwendung kommt. Aus insgesamt 24 Einreichungen für die beiden Kategorien «Studierendenprojekte» und «Realisierte Projekte» nominierte die fünfköpfige Fachjury je drei Projekte, die zur Preisverleihung im NEST, dem Forschungs- und Innovationsgebäude von Empa und Eawag, eingeladen wurden.

Den Rückbau mitgedacht

Das Siegerprojekt der Kategorie «Realisierte Projekte» steht in Meilen am
Zürichsee. Bild: Dietrich Schwarz Architekten

In der Kategorie «Realisierte Projekte» gingen sieben Projekte aus vier Ländern ein. Das Rennen machte ein Projekt aus der Schweiz. Es handelt sich um ein neugebautes Einfamilienhaus in Meilen am Zürichsee, das vom Architekturbüro Dietrich Schwarz Architekten realisiert wurde. In der Gebäudehülle kam Aerogel in Kombination mit hochdämmender Verglasung zum Einsatz. Dadurch konnte ein extrem schlanker, gut isolierter Wandaufbau erreicht werden. Das Spezielle dabei: Zur Befestigung der Aerogel-Platten wurde ein neues Klemm-Verfahren entwickelt. Auf Verkleben und Verschrauben konnte deshalb verzichtet werden, was den Rückbau erleichtert und gleichzeitig unerwünschte Luftzirkulation in den Wänden verhindert. «Was uns besonders gefiel, war die vereinfachte Bauweise und die erfolgreiche Integration moderner Materialien, wodurch dieses schöne Gebäude eine sehr gute Energiebilanz aufweist», fasst Jury-Mitglied Matthias Koebel, ehemaliger Leiter der Empa-Abteilung «Building Energy Materials and Components» und nun CEO des Empa-Spin-offs Siloxene AG, die Jury-Diskussion zusammen.

Die historischen Reihenhäuser in Hamburg-Barmbek stammen aus dem
Jahr 1904 und wurden 2022 unter denkmalschützerischen Auflagen
saniert. Bild: Störmer Murphy und Partner

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein Renovationsprojekt aus Hamburg. Das Ziel war es, historische Reihenhäuser aus dem Jahr 1904 energetisch auf Vordermann zu bringen. Das Team von Störmer Murphy und Partner entschied sich dazu, die Aussenwände mit Aerogeldämmputz zu ertüchtigen. Damit konnten die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt sowie der vorgegebene Mindestwärmeschutz erreicht werden und gleichzeitig das historische Aussehen der Gebäude erhalten bleiben.

Den dritten Podestplatz belegt der Hauptsitz des Hafens von Oslo. Das mehrköpfige Team bestehend aus den Architekturbüros Hille Melbye arkitekterKristin Jarmund arkitekterIARKBollinger+Grohmann und zero emission studiohatte den Auftrag, das geschichtsträchtige Gebäude «Skur 38» zu ertüchtigen – und zwar so, dass sein ursprüngliches Erscheinungsbild bestehen bleibt. Um die heutigen Standards zu erreichen, kam auch bei diesem Projekt Aerogeldämmputz in den Innenwänden zur Anwendung. Gleichzeitig wurden wiederverwendbare Bauteile in einer Datenbank erfasst, so dass diese nach dem Rückbau in künftigen Projekten wieder zur Anwendung kommen können.

Holistisches Konzept

Das erstplatzierte Studierendenprojekt aus Prag ist ein umfassendes
Konzept für den Bau eines Bildungszentrums in Frankreich. Bild: Jiří Petrželka

Bei den Studierendenprojekten gingen insgesamt 17 Einreichungen aus sieben Ländern ein. Gewonnen hat ein Projekt der «Czech Technical University» in Prag. Die beiden Studierenden Jiří Petrželka und Kristýna Klůsová haben ein Konzept für den Bau eines Bildungszentrums in Saint-Denis, Frankreich, erarbeitet. Dieses soll eine Primarschule, einen Kindergarten, Freizeiträume und weitere flexibel nutzbare Flächen beinhalten. Die Gebäude sollen dabei möglichst nachhaltig gebaut werden, die CO2-Emissionen so gering wie möglich gehalten werden und lokale Energie, in Form von Solarstrom, genutzt werden. Mittels der Dämmung durch Aerogelplatten an einigen besonderen Stellen wie in den Storenkästen und im Flachdach soll zudem gewährleistet werden, dass die Gebäude optimal isoliert sind und gleichzeitig der Wandaufbau möglichst dünn ist, um mehr Platz im Inneren bieten zu können. «Wir waren sehr beeindruckt von diesem umfassenden Konzept, das nicht nur aus architektonischer, sondern auch aus energetischer Sicht bis ins kleinste Detail durchgeplant ist», fasst Jurymitglied Beat Kämpfen, Co-Geschäftsleiter des Architekturbüros kämpfen zinke+partner, die Entscheidung der Jury zusammen.

Der zweite Platz geht an die Studenten Michael Chang und Adrian Corbey von der «Harvard Graduate School of Design». Die beiden haben ein Konzept entwickelt, um das ikonische Dach der «Gund Hall» der Universität auf Vordermann zu bringen, da dieses regelmässig Wasserlecks aufweist. Um dem entgegenzuwirken, soll ein textiles Dach mit eingearbeitetem Aerogel-Granulat zur Anwendung kommen, mit dem das Dach hinsichtlich der Dämmung und der Abdichtung optimiert wird. Gleichzeitig ist das Material lichtdurchlässig und lässt durchgehend natürliches Licht in die Halle.

Auf dem dritten Podestplatz befindet sich ein Studierendenprojekt der ETH Zürich. Matthias Leschok, Valeria Piccioni und Ina Cheibas haben zusammen mit ihren Professoren einen Ansatz für ein neuartiges Fassadensystem entwickelt. Mithilfe eines speziellen 3D-Druckverfahrens sollen hohle Stränge produziert werden, in die dann Aerogel eingefüllt wird. Die Technik erlaubt es, komplexe Formen zu kreieren und so eine maximale Gestaltungsfreiheit bei der Fassade zu ermöglichen. Gleichzeitig kann das Aerogel im Anschluss wieder rückgewonnen werden, so dass es in künftigen Projekten wiederverwendet werden kann.

Neben den Awards erhielten die Top-3-Studierendenprojekte auch ein Preisgeld von 500, 1000 und 1500 CHF.

Der «Aerogel Architecture Award»

Der «Aerogel Architecture Award» wurde im Jahr 2020 von der Empa initiiert und 2023 durch die Industriepartner Solarwall & Advanced Glazing, Fixit, Agitec, IBIH und Hasit ermöglicht. Für den Wettbewerb 2023 gingen 17 studentische und 7 realisierte Projekte aus verschiedenen Ländern ein. Eine Jury, bestehend aus den fünf Experten Matthias Koebel (Schweiz), Ralf Kilian (Deutschland), Beat Kämpfen (Schweiz), Volker Herzog (Deutschland) und Manfred Wehdorn (Österreich) bewertete die eingereichten Projekte im Hinblick auf den denkmalschützerischen Wert, die Energieeffizienz und die Originalität der gewählten Lösung.

Weiterführende Informationen zu allen eingereichten Projekten finden sich auf dieser Website.

Pressemitteilung: empa, Text: LORIS PANDIANI