2. November 2026

Studie: Baubranche schätzt Fehlerkostenhöhe 2025 auf 33 Milliarden Euro

Düsseldorf (pm) – Die Baukosten sind im August 2026 erneut gestiegen – und Berichte über zusätzliche Fehlerkosten in Projekten sorgen alles andere als für Beruhigung. Wie sieht es mit den durchschnittlichen Fehlerkosten in der Branche aus? BauInfoConsult hat in der aktuellen Studie Jahresanalyse erneut die Fehlerkosten in der deutschen Bauwirtschaft. Die gute Nachricht dabei: Die eigenen Projekte werden von den befragten Betrieben mittlerweile wesentlich weniger extrem eingeschätzt als noch vor drei Jahren. Doch natürlich gibt es auch eine schlechte Nachricht: Die gesamte Branche wird als deutlich fehleranfälliger betrachtet.

Die Baubranche wird von den Akteuren als fehlerkostengetrieben betrachtet

In telefonischen Interviews wurden insgesamt 441 Betriebe aus verschiedenen Bereichen der Baubranche von dem Düsseldorfer Marktforschungsinstitut BauInfoConsult darum gebeten, die Höhe der Fehlerkosten für die gesamte Branche – und, als praxisnahe Kontrollfrage – für den eigenen Betriebsumsatz einzuschätzen Die Einschätzung der Betriebe, wie hoch der Anteil der Fehlerkosten am deutschen Bau-Gesamtumsatz 2025 lag, wird im Gesamtschnitt bei 19,2 Prozent angesetzt.

Das ist ein bemerkenswert hoher Wert – in den Vormessungen der letzten fünfzehn Jahre lag er wesentlich niedriger (vor drei Jahren: bei 8,1 Prozent). Dabei sind sich die Umfrageteilnehmer aus allen Gewerken ziemlich einig – im Bauhauptgewerbe liegt der Schnitt mit einem guten Fünftel etwas höher, bei Architekturbüros und bei den berücksichtigten Ausbaugewerken etwas niedriger – sodass die Beobachtung der Marktparteien ein eindeutiges Bild ergibt. Regional betrachtet, weichen lediglich die westdeutschen Betriebe durch eine mildere Beurteilung von ihren Kollegen in Ost, Süd und Nord ab.

Und das ist, gelinde gesagt, bedrückend: Bezieht man die 19,2 Prozent Anteil einmal aus illustrativen Zwecken auf die 171,9 Milliarden Euro Umsatz, die im gesamten Bauhauptgewerbe 2025 nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie erzielt worden ist, dann entspräche dies einer Summe von 33 Milliarden allein für fehlerbedingte Mehrkosten – das wären deutlich mehr als die Bauakteure in unserer Vorerhebung 2023 für das Umsatzjahr 2022 geschätzt hatten.

Überall nur Fehlerkosten -außer in den eigenen Projekten

Nun könnte man sich angesichts der negativeren Einschätzung wundern – war 2022 die Bauleistung nicht deutlich höher als 2025? Und gilt das nicht auch dann noch, wenn seitdem deutlich mehr Großprojekte im Tief- und Infrastrukturbau in die Pipeline gekommen sein mögen, die tendenziell fehlerkostenanfälliger sind? Der Fachkräftemangel und die in den letzten Jahren zu beobachtete Konzentration auf den (durch typische klassische Fehler bei Dämmung oder Abdichtung per se fehleranfälligen) Bestandssektor spielen sicher auch eine Rolle.

Dennoch gibt es in der Erhebung auch gegenläufige Signale, die Hoffnung machen. Auf individueller Ebene – sprich: für den eigenen Betrieb, wo es nicht um eine mehr oder weniger spekulative Schätzung, sondern um die ganz konkrete bittere Erfahrung aus dem Vorjahr geht – wurden die Fehlerkosten in der Erhebung von 2023 noch bei 15,9 Prozent angesetzt. Das Fehlermanagement der Betriebe scheint sich in den letzten Jahren also deutlich verbessert zu haben: Aktuell betrifft der Branchenschnitt nur 6,2 Prozent der eigenen Kosten – mal mehr, mal weniger über alle Gewerke hinweg – und diesmal mit einigen etwas optimistischeren Schätzungen aus dem Westen als anderenorts.

Quelle: BauInfoConsult