22. Oktober 2026

Grundsteinlegung für Pilotprojekt im Hamburger Hochschulbau

Hamburger Hochschulhaus: Grundsteinlegung für Pilotprojekt
© Dietrich Untertrifaller

München (pm) – Mit der Grundsteinlegung für die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht (NoA) beginnt die Realisierung des ersten „Hamburger Hochschulhauses“. DTFLR verantwortet als Architektur- und Generalplanungsbüro den Neubau und hat gemeinsam mit einem interdisziplinären Planungsteam ein serielles Holz-Hybrid-Baukastensystem entwickelt, das als Grundlage für künftige Hochschulbauten der Freien und Hansestadt Hamburg dienen soll.

Am 11.9.2026 wurde in Hamburg-Horn der Grundstein für die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht gelegt. Bis 2028 entsteht hier ein neuer Bildungsstandort für derzeit 625 Auszubildende und dual Studierende sowie für die Fortbildung von rund 3.500 Mitarbeitenden der Hamburger Steuerverwaltung.

Ein Baukastensystem für den Hamburger Hochschulbau

Das modulare und seriell vorgefertigte Baukastensystem wurde von DTFLR (auch bekannt als Dietrich Untertrifaller) gemeinsam mit den beteiligten Fachplanern speziell für die Anforderungen des Hamburger Hochschulbaus entwickelt. Das Prinzip knüpft an das bereits etablierte „Hamburger Klassenhaus“ für den Schulbau an und überträgt den systemischen Ansatz auf Hochschul- und Bildungsgebäude. Ziel ist ein System, mit dem sich unterschiedliche Bauaufgaben wie Seminar-, Büro- und Laborräume auf einer gemeinsamen konstruktiven Grundlage individuell entwickeln lassen.

Der Baukasten basiert auf wenigen standardisierten Bauelementen. Die Primärkonstruktion setzt sich aus vorgefertigten Stützen- und Trägerelementen sowie Deckenelementen zusammen und wird durch ebenfalls vorgefertigte Fassadenelemente ergänzt. Dabei kommen Holz, Beton und hybride Konstruktionen jeweils entsprechend ihren spezifischen Eigenschaften zum Einsatz. Die Elemente sind bis ins Detail digital geplant und so konzipiert, dass sie von unterschiedlichen Herstellern vorgefertigt werden können. Für die Stadt Hamburg bedeutet das herstellerunabhängige Baukastensystem mehr Flexibilität bei Fertigung und Beschaffung bei zukünftigen Projekten.

Standardisiert wird dabei nicht das Gebäude selbst, sondern seine konstruktive Grundlage. Der Baukasten verbindet so die Vorteile seriellen Bauens mit der Möglichkeit, auf unterschiedliche Grundstücke, Raumprogramme und Nutzungsanforderungen zu reagieren. Verschiedene Fassadentypen und städtebauliche Konfigurationen schaffen Spielraum für eine projektspezifische Gestaltung innerhalb des Systems. Die Vorfertigung sorgt für eine präzise Planung und einen effizienten Montageprozess vor Ort. Gleichzeitig sind die Bauteile sortenrein trennbar, rückbaubar und wiederverwendbar. Sie werden digital erfasst, sodass sie nach einem späteren Rückbau identifiziert und in neuen baulichen Zusammenhängen wiederverwendet werden können.

Damit bleiben die verbauten Materialien langfristig als materielle Werte erhalten. So kann für die Stadt ein Bauteildepot entstehen, auf das bei weiteren Bauvorhaben ebenso wie bei der Instandhaltung zurückgegriffen werden kann. Einheitliche und aufeinander abgestimmte Bauteile und Anschlussdetails erleichtern den Austausch einzelner Komponenten und schaffen die Voraussetzungen für eine langfristig effizientere und ressourcenschonendere Bewirtschaftung der Gebäude.

Vom Baukasten zum individuellen Bildungsbau

Mit der Norddeutschen Akademie wird das System erstmals umgesetzt. Der Entwurf von DTFLR überführt die standardisierte Konstruktion in eine auf die Anforderungen der Akademie zugeschnittene Lern- und Arbeitsumgebung.

Lehrsäle, Gruppenräume, ein Selbstlernzentrum, eine digitale Bibliothek, PC-Fachräume, Seminarräume und Büroflächen schaffen unterschiedliche Lern- und Arbeitsbereiche. Neben zeitgemäßen Lehrformaten spielt der Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ermöglicht die flexible Gebäudestruktur, Räume langfristig an veränderte Nutzungen, Lehrformen oder Gruppengrößen anzupassen.

„Mit dem Baukastensystem haben wir für die Stadt Hamburg eine Grundlage entwickelt, die sie befähigt autark, nachhaltig und effizient auch über Bildungsbauten hinaus jegliche Gebäudetypologie zu verwirklichen. Wir glauben damit auch für Mensch und Natur langfristig einen Wert zu schaffen. Was beim Abbruch bislang verloren ging, wird durch gezielten Rückbau zur Ressource. Bauteile werden demontiert, eingelagert, digital erfasst und wiederverwendet. So bleibt ihr materieller und architektonischer Wert über den Lebenszyklus eines einzelnen Gebäudes hinaus erhalten. Nichts wird verschwendet. Mit der NoA setzen wir dieses zirkuläre Prinzip erstmals konsequent um“, so Patrick Stremler, CEO und Partner von DTFLR.

Als Architektur- und Generalplanungsbüro verantwortet DTFLR die architektonische Konzeption des Neubaus und die übergreifende Koordination der beteiligten Planungsdisziplinen. Das Baukastensystem wurde von Beginn an interdisziplinär entwickelt. Architektur, Tragwerk, technische Gebäudeausrüstung, Brandschutz, Bauphysik, Energieplanung und Holzbauplanung wurden aufeinander abgestimmt und in ein gemeinsames System überführt.

Die Fertigstellung der Norddeutschen Akademie für Finanzen und Steuerrecht ist für Sommer 2028 vorgesehen.

Quelle: DTFLR