22. Oktober 2026

Leitfaden für urbane Stickoxidfilter veröffentlicht: Kölner Textilfassade ist beispielgebend für städtische Luftreinhaltung

Hamburg, Bielefeld (pm) – Im Zeitraum 2024/2025 haben die Stiftung „Lebendige Stadt“, das Unternehmen Schüco International KG und die Stadt Köln in einem Pilotprojekt eine photokatalytische Textilfassade in der Kölner Innenstadt zur Reinigung stickoxidbelasteter Luft erprobt. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts liegen jetzt vor und wurden von den Projektpartnern in einem Leitfaden veröffentlicht.

Der photokatalytische Stickoxidfilter

Die im Oktober 2024 durch das Forschungszentrum Jülich und das Forscherteam um Dr. Jan Serode begonnenen Messungen an der stickoxidbindenden Textilmembran am Gebäude der Kölner Volkshochschule in der Cäcilienstraße 35, nahe des Neumarkts, belegen, dass auf Basis gemittelter Monatswerte Filterleistungen von rund 30 Prozent erreicht werden. Einzelne Tagesmessungen liegen sogar darüber. Für die weniger lichtintensive Nordausrichtung des VHS-Gebäudes ist dies ein beeindruckender Wert. Im Projekt wurde nachgewiesen, dass die Filterleistung mit zunehmender Tageslichtdauer und Temperatur steigt. So hat sich der Wert der Filterleistung seit Januar 2025 kontinuierlich gesteigert. Dieser positive Trend setzte sich bis zum Sommer unverändert fort, bevor mit der abnehmenden Tageslichtdauer und Temperatur die Werte wieder abnahmen. Bei einer Südausrichtung der Membran unter sonst gleichen Umgebungsbedingungen ist von einer bis zu dreifach höheren Lichtintensität auszugehen, wodurch die Filterleistung deutlich größer als an einer Nordfassade wäre.

Der Mehrwert der Textilfassade

Luftreinigung und Gesundheitsschutz

Der photokatalytische Filter beim Kölner Pilotprojekt bestand aus zwei bedruckten Textilmembranflächen der Größe von jeweils 8 x 20 Metern und war mit einer digitalen Messtechnik ausgestattet. Die Membran filtert mittels aufgebrachter Wirkstoffe gesundheits- und umweltschädliche Stickoxide und wandelt diese in unschädliche Mineralien um. Durch eine Messtechnik wird die Luftqualität vor und hinter der Membran gemessen, um die luftreinigende Filterleistung auszuwerten und zu dokumentieren.

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

Das vorgehängte Textilfassadensystem hat einen Kühleffekt auf das Gebäudeinnere, da es die Gebäudefassade vor unmittelbarer Sonneneinstrahlung und damit das Innere vor Erhitzung schützt. Dadurch sinkt der Energiebedarf für die Kühlung, was CO₂-Emissionen reduziert. Gleichzeitig kann die Membran die thermische Belastung angrenzender Außenräume reduzieren, so dass auch im urbanen Raum ein Kühleffekt eintritt. Das ist ein wichtiger Baustein für Klimaanpassungsstrategien.

Kreislaufwirtschaft

Die Textilfassade wurde aus wiederverwerteten Materialien hergestellt: Für ihre Produktion wurden über 4.400 recycelte PET-Flaschen und für die Unterkonstruktion Aluminium mit einem Recyclinganteil von 75 Prozent verwendet. Auf den Einsatz von Klebestoffen wurde verzichtet. Damit kann die Textilfassade wieder dem Recyclingprozess zugeführt werden.

Ästhetik der Fassade

Die Textilfassade wurde als vorgehängtes System installiert. Grundsätzlich kann die Textilmembran individuell und künstlerisch gestaltet und mit einfachen Mitteln ausgetauscht werden.

Das Pilotprojekt VHS Köln

Die Messungen erfolgten von Oktober 2024 bis Dezember 2025. Für dieses innovative Umweltprojekt hat die Stadt Köln eine Kooperation mit der Stiftung „Lebendige Stadt“ und dem Unternehmen Schüco geschlossen. Schüco finanzierte die Herstellung und Montage des Textilfassadensystems, die Stiftung „Lebendige Stadt“ die wissenschaftliche Erhebung, die in ihrem Auftrag vom renommierten Forschungszentrum Jülich durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden jetzt in einem Leitfaden publiziert, der zu finden ist unter: www\.lebendige-stadt.de

Dr. Andreas Mattner, Vorstandsvorsitzender Stiftung „Lebendige Stadt“: „Luftverschmutzung zählt weiterhin zu den größten umweltbedingten Gesundheitsrisiken weltweit. Daher hat die Europäische Union die Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich verschärft. Städte sind deshalb gefordert, Emissionen nicht nur zu vermeiden, sondern Luftqualität aktiv zu verbessern und neue Wege der Schadstoffreduktion sichtbar zu erproben. Vor diesem Hintergrund entstand in Köln dieses innovative Forschungsprojekt. Die photokatalytische Fassade trägt dazu bei, Stickoxide direkt aus der Umgebungsluft zu filtern und damit einen konkreten Beitrag zu lebenswerteren Städten zu leisten. Unser Kölner Best-Practise-Projekt ist in unserem Leitfaden dokumentiert.“

Andreas Engelhardt, Persönlich haftender Gesellschafter Schüco International KG: „Im Rahmen unseres Kölner Pilotprojekts zur Anti-NOx-Fassade haben wir untersucht, welchen Beitrag innovative Fassadentechnologien zur Verbesserung der Luftqualität in urbanen Räumen leisten können. Die im Projekt eingesetzte photokatalytische Fassadenmembran verbindet architektonische Gestaltung mit technischen Funktionen wie Luftfilterung und Sonnenschutz. Das Vorhaben zeigt, wie Wissenschaft, Kommunen und Unternehmen zusammenarbeiten können, um neue Ansätze für die Gestaltung urbaner Räume zu erproben. Die besondere Bedeutung unseres Forschungsprojekts liegt darin, innovative Fassadentechnologien unter realen Einsatzbedingungen sichtbar und messbar zu machen.“

Die Partner

Stiftung „Lebendige Stadt“

Die von Unternehmer und Mäzen Alexander Otto im Jahr 2000 gegründete Stiftung „Lebendige Stadt“ verfolgt das Ziel, die kulturelle Vielfalt und Lebendigkeit der Städte zu fördern. Das bewegte Fördervolumen von rund 40 Mio. Euro umfasst u.a. die Grüngestaltung des Essener Krupp-Parks, die künstlerischen Illuminationen des Berliner Reichstagsgebäudes und Kölner Rheinufers sowie die Neugestaltungen des Hamburger Jungfernstiegs. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter www\.lebendige-stadt.de.

Schüco – Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden

Die Schüco Gruppe mit Hauptsitz in Bielefeld entwickelt und vertreibt Systemlösungen für die Gebäudehülle aus den Materialien Aluminium, Stahl und Kunststoff. Das Produktportfolio umfasst Fenster-, Tür-, Fassaden-, Lüftungs-, Sicherheits- und Sonnenschutzsysteme sowie intelligente und vernetzbare Lösungen für den Wohn- und Objektbau. Darüber hinaus bietet Schüco Beratung und digitale Lösungen für alle Phasen eines Bauprojektes – von der initialen Idee über die Planung, Fertigung und Montage bis hin zum After Sales Service mit Wartung und Instandhaltung. Ergänzt wird das Portfolio durch Maschinen zur Fertigung und einen kundennahen Service. 1951 gegründet, ist Schüco heute in mehr als 90 Ländern aktiv und hat mit 6.750 Mitarbeitenden in 2025 einen Jahresumsatz von 2,06 Milliarden Euro erwirtschaftet. www\.schueco.com

Leitfaden

Textilfassade Köln: Leitfaden zur Stickoxidfilterung
© Stiftung „Lebendige Stadt“

Quelle: Stiftung „Lebendige Stadt“