22. Oktober 2026

Neues Wohnen in der alten Honigkuchenfabrik

Berlin (pm) – Viele Innenstädte werden heute vor allem im Erdgeschoss genutzt – während sich darüber häufig Lagerflächen oder, wie im Fall der ehemaligen Honigkuchenfabrik in Braunschweigs Innenstadt, über Jahre gewachsener Leerstand verbergen. Das Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert in der Schuhstraße 9 liefert ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich dieser Zustand umkehren lässt. Als denkmalgeschütztes Gebäude hat es im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Nutzungen erlebt und stand zuletzt mehr als zehn Jahre lang weitgehend leer.

Durch Umbau, Sanierung und Umnutzung ist es nun wieder dauerhaft belebt worden: Neben der bestehenden Einzelhandelsnutzung im Erdgeschoss sind im ersten Bauabschnitt zehn neue Wohnungen im zweiten und dritten Obergeschoss entstanden.

Das Vorderhaus in Fachwerkbauweise mit seiner massiv anmutenden Straßenfassade bildet gemeinsam mit der rückwärtigen Hinterhofbebauung ein bauliches Ensemble, das in dieser Form zu den letzten und eindrücklichsten Beispielen seiner Art in Braunschweig zählt. An seiner Erhaltung besteht aufgrund der geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung ein ausgewiesenes öffentliches Interesse.

Energetische Sanierung mit ökologischem Anspruch

Im Zentrum der Baumaßnahmen stand eine energetische Sanierung, die den historischen Charakter des Hauses respektiert und zugleich zeitgemäße Standards erfüllt. Dazu gehörten die statische Ertüchtigung der historischen Holzkonstruktion, die vollständige Neueindeckung des Daches, die sorgfältige Restaurierung der Fassaden sowie der Einbau hochwertiger Holzfenster, die dem historischen Original nachempfunden wurden. Die Außenwände wurden innenseitig mit einer ökologischen und materialgerechten Hanfkalkdämmung ertüchtigt, die oberste Geschossdecke erhielt eine lose Hanffaser-Dämmschüttung im Dachstuhl. Diese Entscheidung für regenerative Baustoffe verbindet Respekt gegenüber dem Bestand mit klima- und ressourcenschonenden Bauweise.

Wohnraum, der sich dem Bestand unterordnet

Die zehn fertiggestellten Wohnungen wurden behutsam in den historischen Bestand integriert. Flächensparende Raumkonzepte schaffen zusätzlichen, dringend benötigten Wohnraum, ohne die historische Struktur des Gebäudes grundlegend zu verändern. Bestehende Innenwände wurden brandschutz- und schallschutztechnisch ertüchtigt und, wo es die Bausubstanz zuließ, mit Lehmputz versehen. Nasszellen und kleine Küchen wurden als eigenständige Einheiten in Leichtbauweise ergänzt. Als Bodenbelag kommt langlebiges Linoleum zum Einsatz.

Auch bei der Gebäudetechnik wurde bewusst zurückhaltend geplant: Ein sparsamer Low-Tech-Ansatz ermöglicht einfache, robuste und langlebige Lösungen.

Zweiter Bauabschnitt in Arbeit

Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen, doch die Entwicklung des Ensembles geht weiter: Derzeit wird die rückwärtige, bislang leerstehende Gewerbeeinheit mit demselben Anspruch an Denkmalschutz und Nachhaltigkeit saniert und aktiviert. Parallel dazu läuft die ökologische Sanierung der Fassade.

Ein Modell für ressourcenschonendes Bauen im Bestand

Das Projekt zeigt: Innovation bedeutet nicht zwangsläufig Neubau oder hohe Technisierung. Sie kann auch darin liegen, Vorhandenes neu zu denken, mit wenigen Eingriffen mehr Nutzung zu ermöglichen und baukulturelle, ökologische und soziale Qualitäten miteinander zu verbinden.

Haus Honigkuchen steht für Erhalt vor Abriss und zeigt, wie Bauen im Bestand einen konkreten Beitrag zum klimaschonenden Umbauen leisten kann. Durch Umnutzung und Sanierung wird bestehende Bausubstanz weiterentwickelt, graue Energie bewahrt und zusätzlicher Wohnraum durch Nachverdichtung geschaffen. Gleichzeitig wird ein jahrelang leerstehendes Gebäude aktiviert und die Innenstadt als lebendiger Wohn- und Arbeitsort gestärkt. Weniger ist mehr: Raumsuffizienz und flächensparende Raumkonzepte ermöglichen kleine, gut nutzbare Wohnungen, ohne die historische Struktur grundlegend zu verändern. Regenerative und nachwachsende Rohstoffe wie Hanfkalkdämmung, Lehmputze, Holz und Linoleum prägen die Materialwahl, und auch die Gebäudetechnik folgt dem Low-Tech-Prinzip. Diese Verbindung aus Bestandsbewahrung, flächensparender Nutzung, regenerativen Baustoffen und einfacher Gebäudetechnik macht das Projekt zu einem ökologisch innovativen Beispiel für ressourcenschonendes Bauen im innerstädtischen Kontext.

Quelle: TOMAS Transformation of Material and Space