Stuttgart (abki) – In Stuttgart-Zuffenhausen wurde die AQUABOX eröffnet: ein zweigeschossiges Hallenbad in Holzmodul- und Holzelementbauweise, das für Demontage, Transport und Wiederaufbau konzipiert ist. POOL out of the BOX entwickelte das Konzept und verantwortete die Realisierung als Totalübernehmer. Die Architektur stammt von 4a Architekten, Planung, Fertigung und Montage des Holzbaus übernahm Blumer Lehmann.
Die AQUABOX stellt während des Neubaus des Stadtteilbads in Zuffenhausen Ersatzwasserflächen für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit bereit. Nach dessen Fertigstellung soll sie nach Möhringen versetzt werden und dort während eines weiteren Ersatzneubaus den Schwimm- und Badebetrieb aufrechterhalten. Anschließend ist ein erneuter Standortwechsel nach Untertürkheim vorgesehen, wo das Gebäude dauerhaft genutzt werden soll.
Das Hallenbad wurde entsprechend von Beginn an für mehrere Nutzungsphasen und Standorte entwickelt. Konstruktion, Ausbau und Gebäudetechnik mussten so aufeinander abgestimmt werden, dass sie den Badebetrieb ermöglichen und zugleich demontiert und wieder aufgebaut werden können.



Zwei Holzbausysteme für unterschiedliche Funktionen
Die AQUABOX kombiniert vorgefertigte Raummodule mit einer Badehalle in modularer Elementbauweise. Insgesamt 46 Holzmodule bilden den zweigeschossigen Funktionsriegel mit Foyer, Umkleiden, Sanitäranlagen, Personalräumen und Technikflächen. Sie wurden im deutschen Werk von Blumer Lehmann gefertigt. Ein Teil der technischen Installationen war bereits integriert, bevor die Raumeinheiten auf die Baustelle transportiert und montiert wurden.
Für die Badehalle kamen großformatige Brettschichtholzträger mit Spannweiten von mehr als 19 Metern zum Einsatz. Sie bilden die Tragstruktur des Hallendachs. Dachelemente aus Brettsperrholz mit Akustikverkleidung sowie vorgefertigte Wandbauteile ergänzen die Konstruktion und wurden vor Ort mit den Modulen verbunden.
Besondere Anforderungen stellten die Schnittstellen zwischen Modul- und Elementbau. Die Anschlüsse mussten die statischen Anforderungen erfüllen und gleichzeitig für eine spätere Demontage lösbar bleiben. Der hohe Vorfertigungsgrad verkürzte nach Angaben der Projektbeteiligten die Bauzeit vor Ort.
Modulstöße unter den Bedingungen des Schwimmbadbetriebs
Hohe Luftfeuchtigkeit, chlorhaltige Atmosphäre und unterschiedliche Klimazonen stellen besondere Anforderungen an Konstruktion und Gebäudehülle eines Hallenbads. Bei der AQUABOX galt deshalb den Modulstößen besondere Aufmerksamkeit: Sie müssen dauerhaft luft- und wasserdicht funktionieren und zugleich den geplanten Rückbau ermöglichen.
Die Detailplanung erfolgte in enger Abstimmung zwischen Architektur, Tragwerksplanung, Bauphysik, Brandschutz und Gebäudetechnik. Dabei mussten die Anforderungen des Schwimmbadbetriebs mit der Vorfertigung und der späteren Wiederverwendung verbunden werden.
Auch Lüftungsanlagen, Filtertechnik, Heizungssysteme und großdimensionierte Wasserleitungen waren innerhalb der vorgegebenen Modulabmessungen unterzubringen. Die Verbindungen zwischen den Modulen wurden so entwickelt, dass sich Rohrleitungen mit großen Durchmessern auf der Baustelle schnell und präzise koppeln lassen.




Edelstahlbecken auf einer Tragkonstruktion aus Brettsperrholz
Das 25 Meter lange Edelstahlbecken verfügt über fünf Schwimmbahnen und einen Teilhubboden, der unterschiedliche Wassertiefen ermöglicht. Es besteht aus acht vorgefertigten Segmenten, die auf der Baustelle zusammengeschweißt wurden und sich für einen späteren Standortwechsel wieder trennen lassen.
Im gefüllten Zustand wiegt das Becken einschließlich Wasser rund 770 Tonnen. Zur Aufnahme dieser Lasten entwickelte Blumer Lehmann eine spezielle Tragkonstruktion aus Brettsperrholzelementen. Wandartige Träger bilden ein räumliches Tragwerk, das die Kräfte in die Gründung ableitet. Auch diese Konstruktion musste sich in das modulare Gesamtkonzept einfügen und die spätere Demontage des Beckens berücksichtigen.
Zur technischen Ausstattung des Hallenbads gehören Wasseraufbereitung, Wärmerückgewinnung, Photovoltaik und ein Wärmepumpensystem.
Die modulare Fügung als Gestaltungsmittel
4a Architekten übertrugen ihre mehr als 35-jährige Erfahrung im Bäderbau auf das modulare Gebäudekonzept. Neben funktionalen Abläufen und technischen Anforderungen stand die räumliche und atmosphärische Qualität im Mittelpunkt.
An der Fassade machen sichtbare Fugen und unterschiedliche Grautöne der Holzbekleidung das Modulraster ablesbar. Im Inneren folgt die Raumorganisation den Abläufen des Badebetriebs. Das offen gestaltete Foyer ermöglicht Sichtbeziehungen zur Badehalle und in die Umgebung. Ein heller Stiefelgang führt zu den Umkleiden. Oberlichter bringen Tageslicht in die Umkleide- und Duschbereiche, kurze Wege und klar gegliederte Raumfolgen erleichtern die Orientierung.
Die Badehalle öffnet sich mit großflächigen Verglasungen zum Grün. Zusätzlich fällt Tageslicht von oben ein. Sichtbare Holzoberflächen prägen den Innenraum und verweisen auf die Konstruktion.
Ein kräftiges Orange markiert den Eingang und setzt sich an der Treppe fort. Grün-, Blau- und Orangetöne begleiten die Besucher durch Umkleidebereiche und Badehalle. Akustisch wirksame Deckenelemente greifen die Farbigkeit auf und verbessern die Raumakustik. Holzoberflächen, Naturkautschukboden und weitere robuste Materialien wurden unter Berücksichtigung intensiver Nutzung, Rückbau und erneutem Aufbau ausgewählt.
Demontage und Wiederaufbau von Anfang an berücksichtigt
Das Prinzip der späteren Wiederverwendung reicht bis in die konstruktiven Details. Blumer Lehmann beschreibt Schraubverbindungen anstelle dauerhafter Verklebungen, demontierbare Fassadenelemente und technische Anlagen, die auf die Modulgrößen abgestimmt sind und an neuen Standorten wieder angeschlossen werden können. Detaillierte Rückbaukonzepte liegen bereits vor.
Die Statik wurde von Anfang an auf die ersten beiden Standorte ausgelegt. Unterschiedliche Baugrundverhältnisse, Lastannahmen und Standortbedingungen flossen in die Entwicklung ein. Auch Gründung und Konstruktion mussten die Anforderungen mehrerer künftiger Einsatzorte berücksichtigen.
Für die Architektur bedeutete die geplante Standortfolge, eine Gestaltung zu entwickeln, die aus Konstruktion, Funktion und Materialität eine eigenständige Identität erhält. Der Baukörper soll bei den Standortwechseln im Wesentlichen derselbe bleiben.
Pilotprojekt eines skalierbaren Hallenbadsystems
Mit der AQUABOX ging erstmals ein Hallenbad von POOL out of the BOX in Betrieb. Die Stuttgarter Anlage basiert auf der Edition „school“. Das zugrunde liegende System ist skalierbar: Gebäudegröße, Schwimmbecken und Ausstattung können auf unterschiedliche kommunale Anforderungen abgestimmt werden.
Bauherrin ist die Landeshauptstadt Stuttgart mit den Stuttgarter Bädern. Zum Projektteam gehören neben POOL out of the BOX, 4a Architekten und Blumer Lehmann unter anderem die Kannewischer Ingenieurgesellschaft für die TGA-Planung, ZELLER Bäderbau für das Edelstahlbecken und Wassertechnik Wertheim für die Badewassertechnik.
Seit März 2026 ist die AQUABOX offizielles Projekt der IBA’27 StadtRegion Stuttgart. Im Mittelpunkt stehen die modulare Holzbauweise, die flexible Wiederverwendung und der über mehrere Nutzungsphasen geplante Lebenszyklus des Gebäudes.
Quelle: POOL out of the BOX, 4a Architekten und Blumer Lehmann · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt