Dresden (pm) – Milliardenschwere Investitionsprogramme, neue Finanzierungswege und Reformen im Planungs- und Vergaberecht sollen dem Planen und Bauen in Deutschland neuen Schwung verleihen und den seit Jahren bestehenden Investitionsstau auflösen. Ob dieser Impuls tatsächlich bei den Ingenieur- und Architekturbüros ankommt, zeigt die aktuelle Konjunkturbefragung 2026 – mit einem ernüchternden Befund: Ein Großteil der Büros steht nach wie vor unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, kleinere Büros profitieren von den angekündigten Programmen bislang kaum. Dabei ist der Bedarf an Planungsleistungen enorm: Marode Verkehrswege, die Umgestaltung der Energieversorgung, der Klimaanpassungsdruck und ein sanierungsbedürftiger Gebäudebestand verlangen nach umfassenden Investitionen und nach ausreichenden Planungskapazitäten, um sie umzusetzen.
Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt
Trotz Sondervermögen, Investitionsankündigungen und Diskussionen über beschleunigte Genehmigungsverfahren bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Ingenieur- und Architekturbüros angespannt. Das zeigt die aktuelle Konjunkturbefragung im Auftrag von Bundesingenieurkammer (BIngK), Bundesarchitektenkammer (BAK), AHO und VBI. Die wirtschaftliche Entwicklung der Ingenieurbüros hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht grundlegend verbessert. 37 Prozent der Ingenieurbüros berichten von einem rückläufigen Auftragsbestand in den vergangenen sechs Monaten. Nur 30 Prozent verzeichnen einen Anstieg. Gleichzeitig erwarten 27 Prozent der Büros einen weiteren Rückgang ihrer Aufträge in den kommenden sechs Monaten. Lediglich 23 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Fast die Hälfte der Büros geht von einer unveränderten Entwicklung aus. Während 64 Prozent aller Ingenieurbüros eine Betriebsschließung als sehr unwahrscheinlich einstufen, steigt dieser Wert bei Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten auf 77 Prozent. Kleinere Büros bewerten ihre Zukunft deutlich vorsichtiger: 11 Prozent sehen diese als ungewiss an.
Sondermittel für Sachsen kommen bei Kommunen kaum an
Auch mit Blick auf Sachsen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Das Land erhielt ab dem Jahr 2025 jährlich 460 Millionen Euro über den Bundessonderfonds für Infrastrukturmaßnahmen. Dieses Geld soll über den Sachsenfonds zu 60 Prozent an die Kommunen weitergeleitet werden. Aktuell ist dieses Geld jedoch nur vereinzelt bei den Kommunen angekommen. Die Planungsbüros stehen am Anfang der Wirtschaftskette der Bauausführung, da in der Regel erst geplant und ausgeschrieben werden muss, ehe gebaut werden kann. Somit ist auch im Jahr 2026, wie bereits im Jahr 2025, mit keiner zusätzlichen Bautätigkeit im Interesse der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen und im Interesse der Erhaltung der Infrastruktur zu rechnen. Dabei geht es auch um Verbraucherschutz, je länger sich notwendige Reparaturen hinziehen, desto teurer werden diese.
Landeshaushalt: Sanierungsstau bei Infrastruktur droht sich zu verschärfen
Im sächsischen Landeshaushalt werden die notwendigen Investitionen im nächsten Doppelhaushalt rückläufig finanziert, wobei bereits jetzt kaum neue notwendige Sanierungsmaßnahmen an den Staatsstraßen ausgeführt werden können. Schon vor mehr als zehn Jahren hat der Sächsische Rechnungshof angemahnt, dass jährlich Volksvermögen an Infrastruktur in Millionenhöhe verloren geht, weil nicht ausreichend Finanzmittel für die Sanierung von Straßen und Brücken zur Verfügung stehen.
Die Ingenieurkammer Sachsen hat sich hierüber im Gespräch mit dem LASuV bereits informiert. Aufgrund der geringen zur Verfügung gestellten Finanzmittel können kaum neue Baumaßnahmen begonnen werden.
Ingenieurkammer Sachsen fordert verlässliche Finanzierung
Dabei geht es nur um Erhaltung und Sanierung der Staatsstraßen und Brücken. Die Steuereinnahmen waren noch nie so hoch wie jetzt. Es ist verständlich, dass Personal- und Sozialkosten zur Verfügung stehen müssen, doch weitere Vorfälle wie die Carolabrücke sehenden Auges für die Zukunft hinzunehmen, kann nicht die Lösung sein. Denn die Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Wirtschaft funktionieren kann. Die mittelständische sächsische Wirtschaft ist in der Fläche verteilt – 84 Prozent der sächsischen Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter – und ist auf die Zuverlässigkeit der Infrastruktur angewiesen. Ohne die Einnahmen der Wirtschaft werden auch künftig immer weniger Personal- und Sozialkosten finanziert werden können.
Statement des Präsidenten der Ingenieurkammer Sachsen
„Wir brauchen eine gesicherte Finanzierung für die Infrastruktur. Denn Investitionen in Straßen, Brücken und Gebäude schaffen Werte für die Zukunft, die über Generationen hinweg genutzt werden – wer heute investiert, verhindert morgen weitaus höhere Folgekosten. Denn die Infrastruktur ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft – ohne funktionierende Straßen und Brücken funktioniert auch keine Wirtschaft, die diese Investitionen später wieder erwirtschaften soll.“, betont Dr.-Ing. Hans-Jörg Temann, Präsident der Ingenieurkammer Sachsen.
Quelle: Ingenieurkammer Sachsen